Barclays erwartet ausgedehnte Zinspause der US-Notenbank Fed
Neue Fed-Chef-Aussagen und schwache US-Jobdaten lassen die Zinsdebatte offen – Barclays sieht längeres Festhalten am aktuellen Niveau.

Die Analysten von Barclays rechnen mit einer anhaltenden Zinspause der US-Notenbank Federal Reserve. Als Grundlage dienen ihnen die jüngsten Äußerungen des neuen Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh sowie die aktuellen US-Arbeitsmarktdaten. Beide Entwicklungen konnten die laufende Debatte über den künftigen Zinskurs der Fed nicht abschließend klären.
Kevin Warsh trat am Mittwoch bei einer Podiumsdiskussion in Sintra, Portugal, gemeinsam mit anderen Zentralbankern auf. Dabei machte er deutlich, dass er Anlegern keine sogenannte „Forward Guidance" – also konkrete Hinweise auf künftige Zinsentscheidungen – geben werde. Warsh hat bereits Pläne zur Überarbeitung der Kommunikationsstrategie der Fed vorgelegt. Stattdessen rückten seine allgemeinen Einschätzungen zur Wirtschaftslage in den Vordergrund, wobei er betonte, dass die Inflationsrisiken seiner Ansicht nach zu sinken begonnen hätten.
„Warshs Äußerungen in Sintra lieferten keine Hinweise darauf, wie die Geldpolitik auf Daten reagieren könnte, während die Wirtschaft einen kritischen Wendepunkt erreicht", schrieben die Barclays-Analysten Jonathan Millar und Marc Giannoni in einer Mitteilung. Für Anleger und Märkte bedeutet dies weiterhin Unsicherheit über die geldpolitische Richtung der mächtigsten Zentralbank der Welt.
US-Arbeitsmarkt zeigt Mäßigung
Einen Tag nach Warshs Auftritt veröffentlichten die US-Behörden neue Arbeitsmarktdaten für den Monat Juni. Die Zahlen zeigten, dass die US-Wirtschaft weniger Stellen geschaffen hat als erwartet. Gleichzeitig sank die Arbeitslosenquote leicht, was jedoch auf eine nachlassende Erwerbsbeteiligung zurückzuführen ist.
Die Barclays-Analysten werteten den Bericht als Zeichen einer „Mäßigung" am Arbeitsmarkt. Diese könnte mit geringerer Zuwanderung und allgemeinen Engpässen beim Arbeitskräfteangebot zusammenhängen. Trotz dieser Abschwächungssignale wies das Beschäftigungsbild insgesamt weiterhin Anzeichen für eine anhaltende Widerstandsfähigkeit auf.
Nach Veröffentlichung des Arbeitsmarktberichts am Donnerstag ließen Wetten auf eine unmittelbar bevorstehende Zinserhöhung nach. Dennoch sehen Anleger weiterhin Potenzial für eine Anhebung bis zum Jahresende. Theoretisch können Zinserhöhungen dazu beitragen, durch Energiepreise getriebenen Inflationsdruck einzudämmen – allerdings auf die Gefahr hin, den Arbeitsmarkt und die Gesamtwirtschaft zu belasten.
Fed hält Zinsen stabil – Erhöhung erst 2026 erwartet
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Zur AktienanalyseAuf ihrer Sitzung im Juni hielt die Fed die Leitzinsen in einer Spanne von 3,5 % bis 3,75 % stabil. Neue Projektionen der Notenbank deuteten jedoch darauf hin, dass die Verantwortlichen eine Anhebung irgendwann im Jahr 2026 erwarten. Für deutsche Anleger ist dies relevant, da Fed-Entscheidungen regelmäßig Auswirkungen auf globale Kapitalmärkte, den Euro-Dollar-Kurs und die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank haben.
Barclays fasst seine Einschätzung klar zusammen: „Unser Basisszenario bleibt ein längeres Festhalten an den Leitzinsen, unter der Bedingung, dass sich Inflation, Konjunktur und Arbeitsmarktbedingungen über den Sommer hinweg abschwächen." Das Hauptrisiko sehen die Analysten darin, dass sich Beschäftigungs- und Ausgabenzuwächse wieder beschleunigen, während das Arbeitskräfteangebot begrenzt bleibt. In diesem Szenario würde der Inflationsdruck hoch bleiben und Zinserhöhungen erneut auf die Tagesordnung setzen.


