Banken stoßen 15-Milliarden-Dollar-Schulden für Anthropic-Rechenzentrum ab
Ein Bankenkonsortium unter Morgan Stanley will Anleihen für ein von Google unterstütztes KI-Rechenzentrum in Texas platzieren.

Banken planen, Schulden in Höhe von 15 Milliarden US-Dollar aus ihren Bilanzen abzustoßen – verbunden mit einem von Google unterstützten Rechenzentrum im texanischen Hubbard, das an den KI-Spezialisten Anthropic vermietet wurde. Ein Bankenkonsortium unter der Führung von Morgan Stanley will dafür den Anleihemarkt anzapfen, sobald die Kredite für den 2.000 Morgen großen Rechenzentrumscampus abgerufen werden. Das berichtet die Financial Times unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen.
Wall-Street-Kreditgeber werden zunehmend vorsichtiger, KI-Infrastrukturschulden dauerhaft in ihren Bilanzen zu halten. Das Abstoßen der Schulden hilft den Banken, ihr gesamtes KI-Risiko zu reduzieren und gleichzeitig Kapazitäten für weitere Kreditvergaben freizusetzen. Der Anleihemarkt hat sich dabei zu einem immer beliebteren Finanzierungsweg für große KI-Projekte entwickelt, da seine Markttiefe eine schnellere und kostengünstigere Finanzierung ermöglicht als klassische Bankkredite.
Enormer Kapitalbedarf überwältigt traditionelle Infrastrukturfinanzierung
Der bankenorientierte Markt für Infrastrukturfinanzierungen, der traditionell Projekte wie Gaspipelines und Flughäfen finanzierte, steht unter erheblichem Druck. Große Wall-Street-Banken haben Monate damit verbracht, Käufer für Bau-Schulden in Höhe von mehr als 50 Milliarden US-Dollar für mehrere Rechenzentrumsprojekte zu finden, die Anfang des Jahres an Oracle vermietet wurden. Einige Kreditgeber haben versucht, ihr Engagement durch sogenannte Risikotransfergeschäfte zu steuern.
Das 15-Milliarden-Dollar-Schuldenpaket soll in mehrere Anleiheverkäufe aufgeteilt werden. Möglich macht dies eine sogenannte „Delay-Draw"-Funktion des Bankkredits: Sie erlaubt es dem Projektentwickler Nexus Data Centers, die Schulden über einen gewissen Zeitraum nach Erreichen bestimmter Meilensteine abzurufen. Ein Teil der Schulden könnte zudem am Markt für Leveraged Loans refinanziert werden.
Spekulatives Rating trotz Google-Absicherung
Trotz der Unterstützung durch Google wird erwartet, dass die Anleihe ein Rating im spekulativen Bereich erhält. Der Grund: Die Absicherung durch Google wird erst nach der vollständigen Fertigstellung des Rechenzentrums wirksam. Bis dahin tragen Investoren Risiken wie Bauverzögerungen und Kostenüberschreitungen. Das Rechenzentrum wird mit Googles maßgeschneiderten TPU-Chips ausgestattet, die separat finanziert werden.
Der neue Campus in Texas soll durch ein eigenes Erdgaskraftwerk betrieben werden, um Verzögerungen und steigende Kosten bei der Stromversorgung zu vermeiden. Die Kombination von Rechenzentrums- und Energieanlagen in einem Projekt kann jedoch zu komplexen Finanzierungsstrukturen führen, da Kreditgeber zwei verschiedene Risikoarten gleichzeitig absichern müssen. Als Vergleichsfall gilt „Project Walleye", ein ähnliches von Meta geführtes Rechenzentrum mit eigener Stromversorgung, das Investoren eine zusätzliche Rendite bieten musste, um die erhöhten Risiken zu kompensieren.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseWachsende Sorgen um Strom und Wasser in Texas
Die große Anzahl an Rechenzentrumsprojekten im „Lone Star State" hat zu wachsender Besorgnis über knappe Strom- und Wasserreserven sowie steigende Versorgungspreise geführt. Texas ist aufgrund seiner günstigen regulatorischen Rahmenbedingungen und verfügbaren Flächen ein bevorzugter Standort für KI-Infrastruktur – doch die Kapazitätsgrenzen werden zunehmend spürbar.
Über die finanzielle Unterstützung von Google für das Projekt hatte die FT erstmals im März berichtet. Nexus Data Centers und Morgan Stanley lehnten eine Stellungnahme ab. Anthropic und Google reagierten nicht auf Anfragen der Redaktion.


