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Bank of Korea: Inflationskontrolle hat Vorrang vor Zinssenkungen

Ein scheidendes Ratsmitglied der südkoreanischen Zentralbank fordert klaren Fokus auf Preisstabilität – trotz Wachstumsrisiken.

Bank of Korea: Inflationskontrolle hat Vorrang vor Zinssenkungen

Ein scheidendes Mitglied des geldpolitischen Rates der Bank of Korea hat sich klar für eine straffere Geldpolitik ausgesprochen. Shin Sung-hwan erklärte am Montag auf einer Pressekonferenz, die Zentralbank müsse der Inflationsbekämpfung Priorität einräumen – selbst wenn dies erhebliche Wachstumsopfer erfordere. Hintergrund ist der kriegsbedingte Anstieg der Energiepreise, der die Teuerungsrate über das Zielniveau von 2% treiben könnte.

„Besteht die Möglichkeit einer Abweichung von unserem Zielwert von 2%, insbesondere nach oben, ist es angemessen, sich auf die Inflation zu konzentrieren, selbst wenn dies einen erheblichen Zielkonflikt zwischen Wachstum und Inflation bedeutet", sagte Shin. Es war seine letzte öffentliche Äußerung vor dem Ende seiner Amtszeit im siebenköpfigen geldpolitischen Ausschuss am Dienstag.

Shin galt bisher als geldpolitische „Taube" – also als Befürworter einer lockeren Geldpolitik. Bei mehreren Sitzungen hatte er gegen die Mehrheit gestimmt und für Zinssenkungen plädiert, seit die Bank of Korea die Zinsen zuletzt im Mai 2025 gesenkt hatte. Nun vollzog er eine bemerkenswerte Kehrtwende und betonte, der durch den Krieg ausgelöste Ölpreisanstieg habe eine Diskussion über Zinssenkungen „extrem schwierig" gemacht.

Ölpreis bei 100 Dollar als kritische Schwelle

Besonders deutlich wurde Shin beim Thema Ölpreise: „Sollten die Ölpreise auf einem hohen Niveau von rund 100 Dollar pro Barrel bleiben, ist es extrem wichtig, deren Spillover-Effekte zu minimieren, selbst wenn dies der Wirtschaft erhebliche Schmerzen bereitet – und genau das ist das Mandat der Bank of Korea." Mit „Spillover-Effekten" sind dabei die Zweitrundeneffekte gemeint, bei denen steigende Energiekosten auf andere Preisbereiche übergreifen und die Inflation dauerhaft anheizen.

Die Datenlage gibt Shins Bedenken Gewicht: Die südkoreanische Verbraucherinflation beschleunigte sich im April auf 2,6% – ein Fast-Zweijahreshoch. Dieser Wert liegt deutlich über dem Zielwert der Zentralbank von 2% und hat die Markterwartungen an mögliche Zinserhöhungen im weiteren Jahresverlauf verstärkt.

Im vergangenen Monat hatte die Bank of Korea die Zinssätze stabil gehalten und eine abwartende Haltung eingenommen. Als Begründung nannte sie die erhöhte Unsicherheit durch den Iran-Krieg, die eine genauere Beobachtung der Auswirkungen auf Wachstum und Inflation erforderlich mache. Die nächste Sitzung des geldpolitischen Ausschusses ist für den 28. Mai angesetzt.

KI-Chip-Boom und Währungsbewertung im Fokus

Shin äußerte sich auch zu weiteren wirtschaftlichen Themen. Der Boom bei der Nachfrage nach KI-bezogenen Chips, der ein starkes Wirtschaftswachstum in Südkorea antreibe, werde voraussichtlich noch ein bis zwei Jahre anhalten. Gleichzeitig zeigte er sich besorgt darüber, dass ein einzelner Sektor – der etwa 10% des Bruttoinlandsprodukts ausmacht – einen so dominanten Einfluss auf die Gesamtwachstumsrate habe. Eine solche Abhängigkeit von einem einzigen Wachstumstreiber birgt strukturelle Risiken für die koreanische Volkswirtschaft.

Darüber hinaus stimmte Shin der Einschätzung zu, dass der südkoreanische Won selbst unter Berücksichtigung der Zinsdifferenzen zu den USA übermäßig unterbewertet sei. Eine schwache Währung kann zwar Exporte begünstigen, verstärkt jedoch gleichzeitig den Inflationsdruck durch teurere Importe – ein weiteres Argument für eine restriktivere Geldpolitik.

Für deutsche Anleger und Beobachter ist die Situation in Südkorea ein Spiegelbild globaler Herausforderungen: Steigende Energiepreise durch geopolitische Konflikte zwingen Zentralbanken weltweit, zwischen Wachstumsförderung und Preisstabilität abzuwägen – eine Debatte, die auch die Europäische Zentralbank bestens kennt.

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