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Bank of Japan: Ökonomen erwarten Zinsanhebung bis Dezember

Eine Reuters-Umfrage zeigt: Die Mehrheit der Ökonomen rechnet mit weiteren Zinsschritten der Bank of Japan – der schwache Yen treibt die Inflation.

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Bank of Japan: Ökonomen erwarten Zinsanhebung bis Dezember

TOKIO – Die Bank of Japan (BoJ) steht laut einer aktuellen Reuters-Umfrage vor weiteren Zinsanhebungen. Eine Mehrheit der befragten Ökonomen erwartet, dass die japanische Zentralbank ihren Leitzins bis Ende Dezember erneut anheben wird. Möglicherweise könnte dieser Schritt bereits im Oktober erfolgen.

Die Umfrage verdeutlicht, dass die Zinspolitik der BoJ auch über das Jahresende hinaus ein zentrales Thema bleiben wird. Weitere Zinsschritte bis ins nächste Jahr hinein werden von den befragten Experten ebenfalls in Betracht gezogen. Die Richtung der Geldpolitik scheint damit klar: Die Ära der ultralockeren Zinspolitik in Japan neigt sich weiter dem Ende zu.

Das Dilemma der japanischen Zentralbank

Die Bank of Japan befindet sich in einem klassischen geldpolitischen Dilemma. Hält sie die Zinsen niedrig, riskiert sie eine anhaltende, durch den schwachen Yen befeuerte Inflation. Der Wechselkurs des Dollar/Yen spielt dabei eine entscheidende Rolle: Ein schwacher Yen verteuert Importe und treibt so die Verbraucherpreise in die Höhe.

Dieser Inflationsdruck aus dem Währungskanal zwingt die BoJ zum Handeln. Die Zentralbank muss abwägen, ob sie mit höheren Zinsen den Yen stützt und damit die importierte Inflation dämpft – oder ob sie die Konjunktur mit niedrigen Zinsen weiter stützt und dabei höhere Preissteigerungen in Kauf nimmt.

Die Inflation bewegt sich laut den Angaben aus der Umfrage im mittleren 2%-Bereich. Dieser Wert ist für Japan bemerkenswert, da das Land jahrzehntelang mit Deflation oder sehr niedriger Inflation zu kämpfen hatte. Die aktuelle Preisentwicklung gibt der BoJ Spielraum und gleichzeitig Druck, die Zinsen schrittweise zu normalisieren.

Historischer Kontext: Japans langer Weg aus der Nullzinspolitik

Japan verfolgte über viele Jahre eine der lockersten Geldpolitiken weltweit. Negative Zinsen und massive Anleihekäufe prägten die BoJ-Politik über Jahrzehnte. Der nun eingeschlagene Kurs der schrittweisen Zinserhöhungen markiert eine historische Wende in der japanischen Geldpolitik.

Für deutsche und europäische Anleger ist die Entwicklung in Japan aus mehreren Gründen relevant. Japanische Investoren haben in der Niedrigzinsphase massiv in ausländische Anleihen und Aktien investiert. Steigende Zinsen in Japan könnten dazu führen, dass diese Gelder in die Heimat zurückfließen – mit potenziellen Auswirkungen auf globale Kapitalmärkte.

Die Reuters-Umfrage liefert damit ein klares Signal: Die Bank of Japan bleibt auf Kurs einer vorsichtigen, aber stetigen geldpolitischen Straffung. Ob der nächste Schritt bereits im Oktober oder erst im Dezember kommt, dürfte maßgeblich von der weiteren Entwicklung des Yen-Wechselkurses und der Inflationsdaten abhängen. Anleger weltweit beobachten die Tokioter Zentralbank daher mit wachsender Aufmerksamkeit.

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