Bank of Japan in Alarmbereitschaft: Schnellere Zinserhöhungen möglich
Insider berichten: Die BoJ könnte wegen Inflationsrisiken durch schwachen Yen und steigende Energiekosten schneller handeln.

Die Bank of Japan (BoJ) bleibt angesichts von Aufwärtsrisiken bei der Inflation in erhöhter Alarmbereitschaft. Laut drei mit der Angelegenheit vertrauten Personen könnten diese Risiken zu schnelleren Zinserhöhungen führen, als die Märkte derzeit einpreisen. Damit rückt die japanische Geldpolitik erneut in den Fokus internationaler Anleger.
Viele Entscheidungsträger der Zentralbank betonen, dass Tempo und Zeitpunkt der Zinsschritte nicht im Voraus festgelegt werden können. Sie hängen stark von der jeweiligen Wirtschafts- und Preisentwicklung ab. Einige innerhalb der BoJ sehen jedoch durchaus Spielraum für ein höheres Zinserhöhungstempo als die vorherrschende Markterwartung von zwei Schritten pro Jahr.
Schwacher Yen und Energiekosten als Inflationstreiber
Als zentrale Risikofaktoren nennen die Insider den schwachen Yen sowie steigende Treibstoffkosten infolge des Konflikts zwischen den USA, Israel und dem Iran. Sollte der Preisdruck durch diese Faktoren die Inflation schneller als erwartet antreiben, könnte die BoJ gezwungen sein, rascher zu handeln. „Die Unternehmen geben die steigenden Kosten in einem recht stetigen Tempo weiter, und die Inflationserwartungen nehmen zu, was bei der Festlegung der Geldpolitik berücksichtigt werden muss", sagte eine der Quellen – eine Einschätzung, die von einer weiteren Person geteilt wurde.
Besonders die Sitzungen im September und Oktober könnten laut einer dritten Quelle entscheidend sein. Ausschlaggebend werde sein, in welchem Maße die Unternehmen die Preise während des Sommers anheben, um höhere Kosten weiterzugeben. Die Quellen sprachen unter der Bedingung der Anonymität, da sie nicht befugt waren, öffentlich zu sprechen.
Der Yen und die Renditen kurzfristiger japanischer Staatsanleihen (JGB) reagierten bereits auf entsprechende Berichte: Beide legten zu, nachdem Bloomberg News berichtet hatte, dass BoJ-Vertreter offen für ein schnelleres Zinserhöhungstempo seien, als es dem Konsens unter Ökonomen entspricht.
Zinsen auf 31-Jahres-Hoch – nächste Sitzung im Fokus
Die BoJ hatte die Zinsen im Juni auf ein 31-Jahres-Hoch von 1,0 Prozent angehoben. Eine Reuters-Umfrage, die vor der Juni-Entscheidung durchgeführt wurde, ergab, dass viele Analysten bis zum Jahresende einen weiteren Anstieg auf 1,25 Prozent erwarten. Bei der Sitzung in der nächsten Woche wird der Leitzins voraussichtlich stabil bei 1,0 Prozent belassen – doch neue Quartalsprognosen könnten wichtige Hinweise auf den Zeitpunkt der nächsten Zinserhöhung liefern.
Kreisen zufolge könnte die BoJ ihre Wachstumsprognose für das Geschäftsjahr 2026 nach oben korrigieren und den Fokus weiterhin auf das Risiko eines Überschießens der Inflation richten. Steigende Importkosten durch den schwachen Yen sowie die robuste weltweite KI-Nachfrage – die die Preise für Metalle und Halbleiterchips in die Höhe treibt – könnten dabei einen Teil der Rückgänge bei den Ölpreisen ausgleichen und die Preise für eine breite Palette von Konsumgütern verteuern.
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Zur AktienanalyseKerninflation nahe 2 Prozent – Überschießen bleibt Risiko
Da die Kerninflation bereits nahe bei 2 Prozent liegt, würden selbst geringfügige Inflationsrisiken bei der zeitlichen Planung künftiger Zinsschritte stärker ins Gewicht fallen, so die Insider. Im aktuellen Bericht vom April hatte die BoJ bereits vor der Möglichkeit eines deutlichen Überschießens der Inflation über ihr Ziel von 2 Prozent gewarnt. Während dieses Risiko etwas nachgelassen hat, bleibt es bestehen – da Unternehmen steigende Importkosten infolge des schwachen Yen schneller weitergeben als zuvor.
Die BoJ könnte bei der kommenden geldpolitischen Sitzung zudem unter Druck geraten, eine restriktive Botschaft zu senden. Der Yen verharrt auf einem 40-Jahres-Tief, was teilweise auf die Aussicht zurückzuführen ist, dass die Zinsdifferenz zwischen den USA und Japan groß bleiben wird. BoJ-Vertreter betonen zwar, dass sie bei der Festlegung der Geldpolitik keine Wechselkurse direkt anstreben – sie beobachten die Bewegungen des Yen jedoch genau, da sich die Abwertung der Währung deutlicher auf die Inflation auswirkt als in der Vergangenheit.


