Bank of England hält Leitzins bei 3,75% – Inflationsrisiken steigen
Die britische Zentralbank beließ den Leitzins erwartungsgemäß unverändert, warnt aber vor anhaltenden Aufwärtsrisiken bei der Inflation.

Die Bank of England (BoE) hat ihren Leitzins auf der jüngsten Sitzung unverändert bei 3,75% belassen. Der geldpolitische Rat, das sogenannte Monetary Policy Committee (MPC), stimmte mit einer Mehrheit von 6 zu 3 Stimmen für die Beibehaltung der „Bank Rate". Die Entscheidung entsprach den Erwartungen der meisten Ökonomen und fiel vor dem Hintergrund zuletzt rückläufiger Inflationsdaten.
Die britische Gesamtinflation war im Juni auf 2,6% gesunken – den niedrigsten Stand seit 15 Monaten. Dieser Rückgang hatte die Erwartung einer Zinspause maßgeblich gestützt. Dennoch zeigt ein Blick auf die Abstimmung im MPC, dass die Debatte über den geldpolitischen Kurs keineswegs abgeschlossen ist.
Drei Ratsmitglieder votieren für Zinserhöhung
Die Ratsmitglieder Megan Greene, Huw Pill und Catherine Mann stimmten abweichend für eine Anhebung um 25 Basispunkte. Damit stieg die Zahl der Gegenstimmen gegenüber der vorherigen Sitzung von zwei auf drei. Felix Feather, Ökonom beim Vermögensverwalter Aberdeen, wertet dies als deutliches Signal: „Der Anstieg der Gegenstimmen zeigt, dass sich die Sorgen über Inflationsrisiken innerhalb des Gremiums ausbreiten – was die Wahrscheinlichkeit von Zinserhöhungen erhöht, sollte sich die Teuerung nicht weiter abschwächen."
Greene mahnte, dass die Inflation seit rund fünf Jahren über dem Zielwert der Bank of England liege. Sie verwies zudem auf zusätzliche Angebotsrisiken, die die Märkte belasten könnten: ein erneuter Engpass bei der Energieversorgung im Roten Meer sowie Lieferbeschränkungen bei KI-Hardware. Ratsmitglied Pill warnte vor der „tiefgreifenden Ungewissheit über die Aussichten für die Energiepreise", die wahrscheinlich anhalten werde und von unbekannter Dauer sei – was Versuche, die Wirtschaft geldpolitisch feinzusteuern, „riskant" mache.
Trotz der abweichenden Stimmen betonte die BoE, dass alle Mitglieder des Rates sich einig seien: Die Risiken für die Entwicklung der Energiepreise seien weiterhin nach oben gerichtet. Diese Einschätzung unterstreicht, dass die Zentralbank trotz der Zinspause wachsam bleibt und eine erneute Beschleunigung der Inflation nicht ausschließt.
Marktreaktion und Experteneinschätzungen
Das britische Pfund reagierte moderat positiv auf die Entscheidung. Gegenüber dem US-Dollar legte es um 0,08% zu und notierte bei 1,3376 Dollar. Die Reaktion fiel damit verhalten aus, was auf eine weitgehend eingepreiste Entscheidung hindeutet.
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Zur AktienanalyseSimon Dangoor, stellvertretender Chief Investment Officer für festverzinsliche Wertpapiere bei Goldman Sachs Asset Management, kommentierte die Haltung der BoE als abwartend: Die Zentralbank sei „vorerst" zufrieden damit, die weitere Entwicklung zu beobachten, da ermutigende Inflationsdaten die Notwendigkeit für sofortiges Handeln verringerten. Diese Einschätzung deckt sich mit der Erwartung vieler Marktteilnehmer, dass die BoE zunächst weitere Datenpunkte abwarten wird, bevor sie erneut handelt.
Für deutsche Anleger und Beobachter ist die Entwicklung in Großbritannien von Bedeutung, da die britische Geldpolitik Signalwirkung für andere Zentralbanken haben kann. Die zunehmende Spaltung im MPC und die klar benannten Aufwärtsrisiken bei der Inflation deuten darauf hin, dass der Zinssenkungszyklus in Großbritannien langsamer verlaufen könnte als von manchen erhofft.


