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Bank of England: Chefökonom Pill warnt vor schleichendem Inflationsdruck

BoE-Chefökonom Huw Pill sieht das Risiko eines allmählichen Aufbaus langfristigen Inflationsdrucks durch steigende Energiepreise.

Bank of England: Chefökonom Pill warnt vor schleichendem Inflationsdruck

Der Chefökonom der Bank of England (BoE), Huw Pill, hat am Freitag vor einem schleichenden Aufbau von Inflationsdruck in der britischen Wirtschaft gewarnt. Als Hauptursache nannte er den durch den Iran-Krieg ausgelösten Anstieg der Energiepreise. Pill betonte, dass dieser Druck sich zwar noch nicht in einer erheblichen Destabilisierung der Inflationserwartungen niedergeschlagen habe, die Lage aber weiterhin aufmerksam beobachtet werden müsse.

Pill hatte sich am Donnerstag gegen die Mehrheitsentscheidung des geldpolitischen Ausschusses (MPC) ausgesprochen, der mit 6 zu 3 Stimmen für eine Beibehaltung des Leitzinses votierte. Gemeinsam mit Catherine Mann und Megan Greene stimmte er für eine Anhebung des Leitzinses um einen Viertelprozentpunkt. Damit hat sich das Stimmenverhältnis gegenüber der Juni-Sitzung verschoben, als noch 7 zu 2 Stimmen für eine Beibehaltung des Zinsniveaus sprachen.

Zweitrundeneffekte als zentrale Gefahr

Pill warnte, dass erst im weiteren Jahresverlauf erkennbar sein werde, ob sich „langsamere, aber möglicherweise tückischere Zweitrundeneffekte" entwickelten. Damit meinte er die Gefahr, dass Unternehmen und Arbeitnehmer versuchen könnten, inflationsbedingte Verluste durch höhere Preise und Löhne auszugleichen – ein klassischer Mechanismus, der Inflation verselbstständigen kann. Solche Zweitrundeneffekte gelten in der Geldpolitik als besonders schwer zu bekämpfen, da sie sich oft erst mit Verzögerung zeigen.

Als positive Nachricht wertete Pill, dass der Energiepreisschub bislang nicht zu einer „erheblichen Entankerung" des öffentlichen Vertrauens in das Inflationsziel der BoE von 2 Prozent geführt habe. Die Verankerung der Inflationserwartungen gilt als entscheidend für die Glaubwürdigkeit einer Zentralbank. Verlieren Haushalte und Unternehmen das Vertrauen in das Inflationsziel, kann dies die Preisstabilität dauerhaft gefährden.

Bailey: Keine Zinserhöhung in Sicht

BoE-Gouverneur Andrew Bailey hatte am Donnerstag auf einer Pressekonferenz klargestellt, dass die Bank of England nicht auf eine Zinserhöhung zusteuere. Die Markterwartungen, die auf eine Zinserhöhung im weiteren Jahresverlauf hindeuten, spiegelten laut Bailey eher das Risiko einer weiteren Eskalation des Inflationsdrucks durch den Krieg zwischen den USA und dem Iran wider – nicht die Einschätzung, dass die BoE die Zinsen zur Kontrolle des bestehenden Inflationsdrucks anheben müsse.

Die stellvertretende Gouverneurin Clare Lombardelli, von der einige Ökonomen ebenfalls ein Votum für eine Erhöhung erwartet hatten, erklärte, dass ihr die Entscheidung für eine Beibehaltung des Status quo nicht schwergefallen sei. Pill wertete Lombardellis Kommentar als wichtiges Signal: Er trage dazu bei, „Spekulationen einen Riegel vorzuschieben, wonach der MPC bereits in der nächsten Sitzung oder kurz darauf zu einer Zinserhöhung übergehen könnte".

Pill bezeichnete zudem Baileys Bereitschaft, offen über den Zinsausblick zu sprechen, als „an sich schon recht aussagekräftig". Die meisten von Reuters befragten Ökonomen rechnen derzeit nicht mit einer Zinserhöhung durch die Bank of England. Die Lage bleibt jedoch abhängig von der weiteren Entwicklung der Energiepreise und der geopolitischen Situation im Nahen Osten.

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