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Bank of China und AgBank unter Druck: Prüfamt deckt Steuerverstöße auf

Chinas Rechnungsprüfungsamt wirft zwei Staatsbanken Steuerhinterziehung und unzulässige Kreditvergabe vor – Aktien brechen massiv ein.

Bank of China und AgBank unter Druck: Prüfamt deckt Steuerverstöße auf

Die Hongkonger Aktien zweier chinesischer Staatsbanken haben am Donnerstag deutliche Kursverluste erlitten. Auslöser war der Jahresbericht des Nationalen Rechnungsprüfungsamtes Chinas, der schwerwiegende Unregelmäßigkeiten bei der Bank of China und der Agricultural Bank of China aufdeckte. Anleger reagierten mit einem breiten Ausverkauf im chinesischen Finanzsektor.

Die Aktie der Bank of China (HK: 3988) brach um bis zu 6,5 Prozent auf HK$4,93 ein – den niedrigsten Stand seit Ende März. Die Agricultural Bank of China (HK: 1288) verlor 4,3 Prozent und fiel auf HK$5,34, den schwächsten Wert seit dem 24. März. Beide Rückgänge erfolgten unmittelbar nach Veröffentlichung des Prüfberichts.

Steuerhinterziehung in Milliardenhöhe

Dem Rechnungsprüfungsamt zufolge hat die Bank of China zwischen 2023 und 2025 Steuern in Höhe von rund 2,37 Milliarden Yuan (umgerechnet etwa 330 Millionen US-Dollar) hinterzogen. Das Institut soll dazu verbundene Finanzinstitute und nominelle Investoren genutzt haben, um elf private Fonds als öffentliche Fonds zu tarnen. Damit sollten diese Fonds für Befreiungen von der Körperschaftssteuer qualifiziert werden, die eigentlich nur öffentlichen Investmentfonds zustehen.

Die Bank of China erklärte, sie werde die Korrekturvorgaben des Rechnungsprüfers umsetzen und ihr Risiko- sowie Compliance-Management stärken. Eine unmittelbare Stellungnahme zu den konkreten Prüfungsergebnissen gab das Institut jedoch nicht ab.

Unzulässige Kredite bei der Agricultural Bank

Die Agricultural Bank of China steht wegen eines anderen Vergehens in der Kritik. Das Prüfamt rügte die Bank wegen unzureichender Sorgfaltsprüfung: Zwischen Ende 2021 und August 2025 soll sie Kredite in Höhe von 11,07 Milliarden Yuan für Projekte vergeben haben, die nicht als hochwertige Ackerlanderschließungen qualifiziert waren. Einem Teil der Erlöse wurde laut Audit eine zweckfremde Verwendung nachgewiesen – die Mittel flossen demnach in Vermögensverwaltungsprodukte und zur Schuldentilgung, anstatt für den vorgesehenen Zweck eingesetzt zu werden. Auch die Agricultural Bank of China kommentierte die Ergebnisse zunächst nicht.

Der Prüfbericht bemängelte zudem Governance-Defizite bei der China Everbright Environment Group Ltd (HK: 0257). Das staatliche Finanzkonglomerat habe keine effektive Entscheidungskontrolle über mehrere Tochtergesellschaften mit Mehrheitsbeteiligung ausgeübt und bestimmte direkt verwaltete Einheiten unzureichend beaufsichtigt.

Breiter Ausverkauf im chinesischen Finanzsektor

Der Ausverkauf bei den betroffenen Banken weitete sich auf den gesamten chinesischen Finanzsektor aus. Auch die Industrial and Commercial Bank of China (SS: 601398), die China Construction Bank (SS: 601939) und weitere große Kreditinstitute notierten schwächer. Der Shanghai Composite gab um 0,3 Prozent nach, belastet durch die Schwäche der Finanzwerte. Der technologielastige Shenzhen Component hingegen stieg um 1,3 Prozent.

Der Prüfbericht ist Teil der jährlichen Überprüfung staatlich gestützter Finanzinstitute durch Peking. Er unterstreicht das Bestreben der chinesischen Behörden, die Aufsicht über den Finanzsektor zu verschärfen und systemische Risiken einzudämmen – während die Regierung gleichzeitig versucht, die schwächelnde Wirtschaft zu stützen.

Zusätzlich beeinflusste eine Ankündigung der People's Bank of China die Anlegerstimmung. Die chinesische Zentralbank gab bekannt, am 29. und 30. Juni im Rahmen ihrer geldpolitischen Reform Übernacht-Reverse-Repo-Geschäfte einzuführen. Diese neue Fazilität soll den bestehenden Sieben-Tage-Reverse-Repo-Satz von 1,4 Prozent ergänzen, der als wichtigster Leitzins der Volksrepublik gilt. Gouverneur Pan Gongsheng hatte zuvor signalisiert, dass Peking den Einsatz kurzfristiger Liquiditätsmanagement-Instrumente ausweiten werde.

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