Bank of Canada: Macklem besorgt über steigende Lebensmittelpreise
Kanadas Notenbankchef sieht Inflation vor allem im Energiesektor – doch die Lebensmittelpreise bereiten ihm wachsende Sorgen.

Tiff Macklem, Gouverneur der Bank of Canada, hat sich am Dienstag besorgt über die Entwicklung der Lebensmittelinflation geäußert. Gleichzeitig betonte er, dass die jüngsten Inflationsdaten zeigten, dass die Preissteigerungen vor allem auf den Energiesektor konzentriert seien. Eine allgemeine Ausbreitung der Inflation auf andere Bereiche der Wirtschaft sei bislang nicht zu beobachten.
Kanadas jährliche Inflationsrate stieg im Mai auf 3,2 Prozent. Damit überschritt der Verbraucherpreisindex zum ersten Mal seit 29 Monaten die Zielspanne der Bank of Canada, die zwischen einem und drei Prozent liegt. Dieser Anstieg markiert einen bedeutenden Moment für die kanadische Geldpolitik und rückt die Notenbank stärker in den Fokus der Öffentlichkeit.
Ölpreise als Haupttreiber der Inflation
Macklem erklärte, der Hauptgrund für den Inflationsanstieg liege in den gestiegenen Ölpreisen. Die Zentralbank beobachte bisher kaum eine Ausweitung dieser höheren Energiepreise auf andere Waren- und Dienstleistungspreise. Dies ist ein wichtiges Signal für Verbraucher und Märkte, da eine sogenannte Zweitrundeninfation – also das Übergreifen von Energiepreisanstiegen auf die Breite der Wirtschaft – als besonders problematisch gilt.
Der Gouverneur wies zudem darauf hin, dass ein mögliches Friedensabkommen mit dem Iran einen Teil des Aufwärtsdrucks auf die Inflation abmildern könnte. Der Iran ist ein bedeutender Ölproduzent, und geopolitische Entspannungen in der Region könnten die Energiepreise dämpfen und damit indirekt auch den Inflationsdruck in Kanada reduzieren.
Kritik an zu viel Forward Guidance
Macklem äußerte sich auch zur geldpolitischen Kommunikation der Notenbank, der sogenannten Forward Guidance. Dabei handelt es sich um die Praxis von Zentralbanken, Hinweise auf die künftige Ausrichtung der Geldpolitik zu geben, um Märkte und Verbraucher zu lenken. Der Gouverneur zeigte sich skeptisch gegenüber einem Übermaß an solchen Signalen: Zu viel Forward Guidance könne zu einer falschen Genauigkeit führen und letztlich verwirrend wirken.
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Zur AktienanalyseDiese Aussage ist bemerkenswert, da viele Zentralbanken weltweit – darunter auch die Europäische Zentralbank und die US-amerikanische Federal Reserve – stark auf Forward Guidance setzen, um Erwartungen zu steuern. Macklems Zurückhaltung signalisiert einen eher vorsichtigen und flexiblen Ansatz der Bank of Canada in ihrer Kommunikationsstrategie.
Für deutsche Anleger und Beobachter ist die Entwicklung in Kanada durchaus relevant: Ähnliche Debatten über Energiepreise, Lebensmittelinflation und die Wirksamkeit geldpolitischer Kommunikation beschäftigen auch die Europäische Zentralbank. Die Erfahrungen der Bank of Canada könnten dabei als Orientierungspunkt dienen, wie Notenbanken mit einem temporären, energiegetriebenen Inflationsanstieg umgehen können, ohne vorschnell die Zinsen anzuheben.


