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Bank of Canada hält flexiblen Kurs bei Zinspolitik trotz Dilemma

Das Sitzungsprotokoll zeigt: Der Gouverneursrat ringt zwischen schwachem Wachstum und hartnäckiger Inflation.

Bank of Canada hält flexiblen Kurs bei Zinspolitik trotz Dilemma

Die Bank of Canada (BoC) hält an einer flexiblen Geldpolitik fest, um auf neue US-Handelsbeschränkungen, steigende Energiepreise oder das gleichzeitige Eintreten beider Faktoren reagieren zu können. Das geht aus dem am Mittwoch veröffentlichten Sitzungsprotokoll des Gouverneursrats hervor. Die Notenbank hatte ihren Leitzins am 10. Juni wie allgemein erwartet unverändert bei 2,25 % belassen.

Der sechsköpfige Rat zur Zinsfestsetzung steht vor einem klassischen geldpolitischen Dilemma: Auf der einen Seite drückt schwaches Wirtschaftswachstum auf Zinssenkungen, auf der anderen Seite erfordert der hohe Inflationsdruck eigentlich Zinserhöhungen. „Die Mitglieder des Gouverneursrats waren sich einig, dass die wirtschaftliche Lage ein Dilemma für die Geldpolitik darstellt", heißt es in der Zusammenfassung der Beratungen.

Inflation überschreitet erstmals seit 29 Monaten die Zielspanne

Ein wesentlicher Auslöser der aktuellen Unsicherheit ist die Entwicklung der Energiepreise. Der Krieg im Nahen Osten trieb die Benzinpreise bis Anfang Juni in die Höhe und ließ die Gesamtinflation im Mai auf 3,2 % steigen. Damit überschritt die Inflationsrate zum ersten Mal seit 29 Monaten die Zielspanne der BoC von 1 % bis 3 %. Gouverneur Tiff Macklem betonte jedoch, die Zentralbank sehe nur begrenzte Anzeichen dafür, dass die höheren Energiepreise eine breit angelegte Inflation anheizen würden.

Das Protokoll macht deutlich, dass der Inflationsdruck abseits der Energiepreise im Allgemeinen begrenzt sei. „Bei der Reaktion auf den Inflationsanstieg wollte der Gouverneursrat weder überreagieren noch zu langsam handeln", so das Protokoll wörtlich. Sollten künftige Verbraucherpreisdaten Anzeichen für eine hartnäckigere Inflation zeigen, wäre dies laut Protokoll ein Signal für Zinserhöhungen.

Die Notenbank hält ihren Leitzins seit Oktober am unteren Ende des sogenannten neutralen Niveaus – also weder stimulierend noch restriktiv. Als Hauptgrund nennt sie die wirtschaftliche Unterauslastung. Die Geldmärkte, die nach den jüngsten Inflationsdaten noch eine Zinserhöhung im Dezember eingepreist hatten, haben diese Wetten inzwischen zurückgenommen und erwarten nun, dass die BoC die Zinsen bis zum Jahresende unverändert lässt.

Technische Rezession, aber kein eindeutiger Abschwung

Kanadas Wirtschaft rutschte Ende des ersten Quartals in eine technische Rezession. Der Gouverneursrat warnte jedoch davor, diesen Daten zu viel Gewicht beizumessen. Die Mitglieder teilten die Ansicht, dass eine Rezession durch einen „tiefen, weit verbreiteten und anhaltenden Rückgang" der gesamtwirtschaftlichen Aktivität gekennzeichnet sein müsse.

„Die Mitglieder stimmten darin überein, dass die Wirtschaft schwach sei; sie operiere weiterhin in einem Umfeld von Überangebot, und am Arbeitsmarkt gebe es ungenutzte Kapazitäten. Die Wirtschaft befinde sich jedoch nicht eindeutig in einer Rezession", heißt es in den Zusammenfassungen. Insgesamt waren sich die Mitglieder einig, dass die Wirtschaft offenbar zum Wachstum zurückkehre.

Ein weiterer wichtiger Unsicherheitsfaktor ist die bevorstehende Überprüfung des Freihandelsabkommens zwischen den USA, Mexiko und Kanada (USMCA). Der Gouverneursrat war sich einig, dass ein negativer Ausgang dieser Überprüfung zu geldpolitischen Maßnahmen führen könnte. Für Kanada als exportorientierte Volkswirtschaft mit enger Verflechtung zum US-Markt stellt dieses Abkommen eine zentrale wirtschaftspolitische Grundlage dar.

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