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Bank of America warnt vor starkem Anstieg der Hongkong-Dollar-Zinsen

Die Fed könnte mit weiteren Zinserhöhungen den Hongkonger Interbankenmarkt unter massiven Druck setzen, warnt die Bank of America.

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Bank of America warnt vor starkem Anstieg der Hongkong-Dollar-Zinsen

Die Bank of America schlägt Alarm: Dem Interbankenmarkt in Hongkong droht eine drastische Neubewertung der Zinsen. Auslöser könnte die US-Notenbank Federal Reserve sein, die in diesem Jahr möglicherweise weitere Zinserhöhungen vornimmt. Die Analyse der Bank zeigt, dass sich die HKD-Zinsen zwar teilweise von den Schocks des Jahres 2025 erholt haben, aber weiterhin rund 100 Basispunkte unter dem SOFR – dem US-amerikanischen Referenzzinssatz – liegen.

Marktteilnehmer preisen derzeit dauerhaft niedrigere HKD-Zinsen im Vergleich zu den USD-Zinsen ein. Hintergrund ist die Erwartung einer überschüssigen HKD-Liquidität im Hongkonger Finanzsystem. Diese Einschätzung könnte sich jedoch als trügerisch erweisen, sollte die Fed aggressiver vorgehen als vom Markt erwartet.

Fed-Prognose übertrifft Markterwartungen

Die Ökonomen der Bank of America prognostizieren für dieses Jahr drei zusätzliche Zinserhöhungen der Fed – und liegen damit deutlich über der aktuellen Markterwartung von lediglich einer bis zwei Erhöhungen. Diese Differenz ist entscheidend: Höhere Zinsdifferenzen zwischen USD und HKD könnten den USD/HKD-Wechselkurs an das schwache Ende seiner Handelsspanne bei 7,85 treiben. Genau dort greift das sogenannte Currency Board-System Hongkongs: Die Hong Kong Monetary Authority (HKMA) wäre dann verpflichtet zu intervenieren, um die Bindung des Hongkong-Dollars an den US-Dollar zu verteidigen.

Der aktuelle Stand der sogenannten Aggregierten Bilanz (Aggregate Balance, AB) und des USD/HKD-Kurses deutet laut Bank of America darauf hin, dass der Markt im Vergleich zu früheren Fed-Zinserhöhungszyklen besonders anfällig für frühzeitige HKMA-Interventionen ist. In früheren Zyklen verfügte das System über ein deutlich größeres AB-Polster, das mehr Spielraum bot, bevor die Interbankenzinsen nach oben getrieben wurden. Die aktuellen Niveaus lassen hingegen kaum Puffer, bevor die sogenannte Convertibility Undertaking – die Konvertibilitätszusage auf der schwachen Seite – ausgelöst werden könnte.

HIBOR könnte auf 6 Prozent steigen

Die Bank of America prognostiziert, dass der Overnight-HIBOR – der Hongkonger Interbanken-Angebotszinssatz – auf bis zu 6 Prozent ansteigen könnte, falls die HKMA bei den derzeitigen AB-Ständen interveniert. Historische Daten untermauern diese Einschätzung: Wenn die Aggregierte Bilanz unter den Schwellenwert von 50 Milliarden Hongkong-Dollar fällt, steigen die Refinanzierungskosten deutlich an. Liegt die AB hingegen über 200 Milliarden Hongkong-Dollar, bleibt der Overnight-HIBOR nahe null.

Allerdings könnte ein etwaiger HIBOR-Anstieg strukturell bedingt nur von kurzer Dauer sein. Die Bank verweist dabei auf zwei spezifische Merkmale des Hongkonger Bankensystems: die IPO-Liquiditätsdynamik nach der FINI-Reform sowie die anhaltend niedrigen Kredit-Einlagen-Verhältnisse (Loan-to-Deposit Ratios) in Hongkong-Dollar. Beide Faktoren könnten dazu beitragen, dass sich der Markt nach einem Zinsschock schneller stabilisiert als in früheren Zyklen.

Abwärtsrisiken nicht außer Acht lassen

Neben dem Hauptszenario eines HIBOR-Anstiegs identifiziert die Bank of America auch mehrere Abwärtsrisiken für ihre Prognose. Dazu zählen:

  • Eine plötzliche Auflösung von Carry-Trades, bei denen Anleger günstige HKD-Kredite aufgenommen haben, um in höher verzinste Anlagen zu investieren
  • Eine Sektorrotation bei Aktien, die zu höheren Umsätzen an der Hongkonger Börse HKEX führt und damit Liquidität bindet
  • Eine niedriger als erwartet ausfallende US-Verbraucherpreisinflation (CPI), die die Fed zu einer Zinspause veranlassen könnte

Für deutsche Anleger mit Engagements in Hongkong oder asiatischen Schwellenmärkten ist die Analyse der Bank of America ein wichtiges Signal. Steigende HIBOR-Zinsen verteuern Kredite in Hongkong-Dollar und können Druck auf Immobilienmärkte, Unternehmensfinanzierungen und Aktienbewertungen in der Region ausüben. Die Entwicklung der Fed-Zinspolitik bleibt damit auch für den Finanzplatz Hongkong ein zentraler Risikofaktor.

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