Bank of America warnt: Sieben Bärenmarkt-Signale leuchten rot
Die US-Großbank sieht zu viele Warnsignale am Aktienmarkt und empfiehlt Gewinnmitnahmen beim S&P 500.

Die Bank of America schlägt Alarm: Am Freitag warnte die US-Großbank vor einer gefährlichen Häufung von Bärenmarkt-Signalen an den US-Aktienmärkten. Von zehn beobachteten Indikatoren wurden im Mai bereits sieben ausgelöst – nach fünf im April und vier im März. Damit ist der historische Durchschnittswert erreicht, der vor früheren Bärenmärkten seit 1990 gemessen wurde.
„Wir sehen Chancen bei S&P 500-Aktien, aber nicht beim gesamten kapitalisierungsgewichteten Index", schrieb Savita Subramanian, Strategin der Bank of America, an ihre Kunden. Das Jahresendziel der Bank für den S&P 500 liegt bei 7.100 Punkten – was vom aktuellen Niveau aus ein Abwärtspotenzial von rund 6 Prozent bedeutet. Die Botschaft ist klar: Selektive Aktienauswahl statt breiter Indexinvestments.
Technologiesektor erinnert an Dotcom-Blase
Besonders beunruhigend ist laut Bank of America die Spreizung innerhalb des Technologiesektors. Die Lücke zwischen den besten und schlechtesten Performern im Tech-Segment des S&P 500 beträgt „beachtliche" 120 Prozentpunkte – der höchste Stand seit Februar 2000, dem Höhepunkt des Internet-Booms. Kurz vor dem Markthöchststand am 24. März 2000 hatte diese Differenz 130 Punkte erreicht.
Subramanian warnte, der Tech-Spread „konkurriere mit der Dotcom-Blase" – ein Vergleich, der bei erfahrenen Anlegern die Erinnerung an den darauffolgenden massiven Kurseinbruch weckt. Auch die Wachstumserwartungen für den S&P 500 als Ganzes sind deutlich über ihren Fünfjahresdurchschnitt gestiegen und haben damit ein weiteres Warnsignal ausgelöst.
Die zunehmende Konzentration der Kursgewinne auf wenige Aktien beschäftigt derzeit viele Analysten an der Wall Street. Obwohl der S&P 500 den Monat Mai auf einem Rekordhoch abschloss, erreichte nur eine Handvoll Aktien eigene Allzeithochs. Die sogenannten Advance-Decline-Linien – ein Maß für die Marktbreite, das steigende und fallende Aktien gegenüberstellt – bestätigen diesen Trend einer zunehmend schmalen Rallye.
Chip-Aktien unter Druck nach Broadcom-Zahlen
Im Chipsektor kam es an Donnerstag und Freitag zu deutlichen Abverkäufen, nachdem die Branche im April und Teilen des Mai noch eine kräftige Rallye erlebt hatte. Auslöser war ein Quartalsbericht des Chipherstellers Broadcom, der die Umsatzprognosen im Bereich der künstlichen Intelligenz stabil hielt, anstatt sie anzuheben – was Anleger enttäuschte.
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Zur AktienanalyseAndere Analysten bewerteten den Rücksetzer jedoch gelassener. „Wir betrachten den jüngsten Rückzug in der Gruppe als gesund und behalten AVGO, TXN und AMAT als unsere Top-Kaufempfehlungen bei", schrieb Atif Malik von der Citigroup am Montag. Damit steht die Citigroup mit ihrer positiven Einschätzung des Chip-Sektors im Kontrast zur vorsichtigeren Gesamtmarkteinschätzung der Bank of America.
Für deutsche Anleger mit Engagements in US-Technologiewerten oder S&P-500-ETFs sind die Signale der Bank of America ein Anlass zur Überprüfung der eigenen Positionierung. Die historische Parallele zur Dotcom-Blase und die nachlassende Marktbreite mahnen zur Vorsicht – auch wenn einzelne Sektoren und Titel weiterhin Chancen bieten können.


