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Bank of America: Diese Halbleiteraktien sind jetzt ein Kauf

Nach einem 18-prozentigen Ausverkauf sieht die BofA attraktive Einstiegschancen bei ASML, ASM International und STMicroelectronics.

Bank of America: Diese Halbleiteraktien sind jetzt ein Kauf

Die Bank of America (BofA) schlägt Alarm – im positiven Sinne. Nach einer Underperformance des Philadelphia Semiconductor Index (SOX) von rund 18% gegenüber dem S&P 500 sehen die Analysten um Didier Scemama den Halbleitersektor auf dem attraktivsten Bewertungsniveau seit Jahren. Für Anleger bedeute dies eine unerwartete Kaufgelegenheit.

„Angesichts der starken Fundamentaldaten halten wir den Sektor für äußerst attraktiv, da er mit einem Abschlag von etwa dem Dreifachen gegenüber den durchschnittlichen Multiplikatoren für 2028 gehandelt wird, wobei Halbleiterausrüster speziell einen Abschlag vom 6- bis 7-Fachen aufweisen", schrieb Scemama in einer Mitteilung vom Montag. Die Bank sieht dabei besonders bei sogenannten Semicaps – also Herstellern von Halbleiterausrüstung – verbesserte Kaufgelegenheiten, wo die Visibilität am höchsten sei.

Kein fundamentaler Einbruch, sondern Handelsspannungen

Die BofA ordnet den aktuellen Ausverkauf historisch ein: Die 18-prozentige Underperformance des SOX vom Höchst- zum Tiefpunkt entspricht in ihrer Größenordnung der Verlangsamungsphase in China im Jahr 2015 (minus 17,3%) sowie den Handelsspannungen zwischen den USA und China und dem Zinserhöhungszyklus der US-Notenbank Fed im Jahr 2018 (minus 17%). Deutlich hinter den Rückgängen von rund 30% bei vollständigen zyklischen Abschwüngen – wie in den Jahren 2011/12, 2022 und 2024/25 – bleibt der aktuelle Rücksetzer jedoch.

Entscheidend ist die Einschätzung der BofA, dass es sich beim gegenwärtigen Ausverkauf um ein durch Handelsspannungen bedingtes Phänomen handelt und nicht um eine fundamentale Verschlechterung des Sektors. Diese Unterscheidung, so die Analysten, interpretiere der Markt derzeit falsch – und genau darin liege die Chance für Investoren.

Im Zentrum des optimistischen Szenarios steht die BofA-Prognose, dass die globalen Ausgaben für Wafer-Fab-Ausrüstung im Jahr 2028 mindestens 250 Milliarden US-Dollar erreichen werden. Dies würde zwei aufeinanderfolgende Jahre mit einem Wachstum von jeweils rund 30% gegenüber dem Vorjahr bedeuten. Als Belege führt die Bank langfristige Lieferverträge mit großen KI-Logik- und Speicherkunden an – darunter ein berichtetes fünfjähriges Foundry-Geschäft zwischen Samsung und Broadcom im Wert von 200 Milliarden US-Dollar sowie Ankündigungen höherer Investitionsausgaben von TSMC und Intel.

ASML als bevorzugter europäischer Wert

Als Top-Pick unter den europäischen Large Caps nennt die BofA ASML. Die Kaufempfehlung für den niederländischen Hersteller von Lithografieanlagen bleibt bestehen. Höhere durchschnittliche Verkaufspreise sowie steigende Bruttomargen gelten als strukturelle Stützen. Die eigenen EPS-Schätzungen der BofA für ASML für die Geschäftsjahre 2027 und 2028 liegen dabei 6 bis 7% über dem Marktkonsens.

Für ASM International erwartet die BofA ein Aufwärtspotenzial von 11% gegenüber den Konsenserwartungen beim EPS im zweiten Quartal. Als Treiber nennt die Bank die steigenden Investitionsausgaben von TSMC und Intel, die anhaltende Stärke des chinesischen Endmarktes sowie eine beginnende Erholung der Nachfrage nach Analog- und Leistungshalbleitern. ASM International berichtet seine Quartalszahlen am Dienstag nach europäischem Börsenschluss.

STMicroelectronics komplettiert die Liste der mit „Buy" bewerteten Semicap-Werte der BofA. Die Bank räumt zwar die Frustration der Anleger über den bislang eher schrittweisen Margen-Hebel ein, bleibt aber optimistisch: „Wir glauben, dass die Ertragskraft von über 4,50 US-Dollar im Kalenderjahr 2028 intakt bleibt", so die Analysten. Als tragende Säulen dieser These nennt die BofA ein Book-to-Bill-Verhältnis von 2,0, Fertigungseffizienzen, die bis Mitte 2028 voraussichtlich 4 Prozentpunkte zur Bruttomarge beitragen werden, sowie Produktzyklen bei optischen Komponenten und Satelliten in niedrigen Erdumlaufbahnen.

Nokia als Überraschungskandidat – Ericsson und Logitech gemieden

Über den Halbleiterausrüstungssektor hinaus hebt die BofA auch Nokia als Kaufempfehlung hervor. Grundlage ist ein nach Einschätzung der Analysten vom Markt unterschätzter Auftragseingang von 2,8 Milliarden Euro. Im Gegensatz dazu stuft die Bank Ericsson und Logitech mit „Underperform" ein und begründet dies mit Bedenken hinsichtlich der Margen und Wachstumsaussichten beider Unternehmen.

Die Einschätzung der BofA liefert deutschen Privatanlegern eine klare Orientierung: Der aktuelle Rücksetzer im Halbleitersektor erscheint nach Ansicht der Analysten nicht als Beginn eines strukturellen Abschwungs, sondern als durch externe Faktoren verursachte Delle – mit attraktiven Einstiegsmöglichkeiten bei ausgewählten Titeln.

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