Bank-of-America-Chef Moynihan liest US-Konsumklima am Tierfutterregal ab
CEO Brian Moynihan nutzt Echtzeit-Kartendaten von 70 Millionen Kunden, um das Verhalten amerikanischer Verbraucher zu analysieren.

Bank-of-America-Chef Brian Moynihan hat einen ungewöhnlichen Indikator für die Verfassung der US-Verbraucher entdeckt: das Tierfutterregal. In einem Interview mit NBC News erklärte der CEO, dass Premium-Tiernahrung auf den Kredit- und Debitkarten der Bank deutlich seltener abgerechnet werde als günstigere Alternativen. „Wissen Sie, hochwertiges Tierfutter wird auf unseren Kredit- und Debitkarten nicht mehr so häufig abgerechnet wie die nächstgünstigere Marke", sagte Moynihan – und das trotz intensiver Werbekampagnen der Premiummarken.
Hinter dieser Beobachtung stecken handfeste Daten. Mit knapp 70 Millionen Kunden verfügt die Bank of America über eines der detailliertesten Echtzeit-Bilder des amerikanischen Konsumverhaltens. Die Erkenntnisse daraus sind für Ökonomen und Anleger gleichermaßen relevant, denn die privaten Konsumausgaben machen den Löwenanteil des US-Bruttoinlandsprodukts aus.
Der Trend, den Moynihan beschreibt, wird im Englischen als „Trading-Down" bezeichnet – der Wechsel zu günstigeren Produkten. „Was man sieht, ist, dass die Menschen umschichten; sie disponieren um, um Platz für die höheren Benzinpreise zu schaffen", sagte er. „Das ist die Realität des täglichen Konsums." Die Inflation übertraf im Mai den zweiten Monat in Folge das Lohnwachstum, und die Verbraucher zahlten an der Zapfsäule rund 40 Prozent mehr als vor Beginn des US-Krieges gegen den Iran.
Ausgaben steigen trotz Pessimismus
Das Bild ist jedoch vielschichtiger als ein einfacher Sparkurs. Die monatlichen Gesamtausgaben über Kredit- und Debitkarten der Bank stiegen im Mai um 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Daten zeigen, dass die Verbraucher weit über Grundbedürfnisse hinaus konsumieren. „Sie geben immer noch Geld für Urlaube und ähnliche Dinge aus, was gut für Amerika ist. Sie gehen immer noch auswärts essen, was ebenfalls positiv ist. Das sind beschäftigungswirksame Aktivitäten", so Moynihan.
Gleichzeitig räumte der Bankchef ein, dass die US-Wirtschaft ein ernstes Stimmungsproblem hat. In Umfragen geben Amerikaner überwiegend an, sowohl hinsichtlich ihrer eigenen Finanzen als auch der Gesamtwirtschaft pessimistisch zu sein – obwohl sie weiterhin Geld ausgeben. Moynihans Schlussfolgerung ist pragmatisch: „Wir beobachten, was sie tun, nicht was sie sagen – und sie geben Geld aus und unternehmen Dinge."
Dennoch warnt er vor einer möglichen Trendwende. „Sie sagen, dass sie sehr verärgert sind und sich Sorgen über die hohen Preise und die Bezahlbarkeit machen. Das müssen wir beobachten, denn wenn sich die Diskrepanz zwischen dem, was sie sagen, und dem, was sie tun, auflöst und ihr Handeln der Stimmung folgt, wäre das ein echtes Problem für die US-Wirtschaft."
Unternehmensverantwortung in Zeiten von KI
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Zur AktienanalyseMoynihan nutzte das Interview auch, um eine breitere gesellschaftliche Botschaft zu senden. Er sieht Unternehmensführer in der Pflicht, weiterhin Berufseinsteiger einzustellen und sie gezielt auf den Wandel durch künstliche Intelligenz vorzubereiten. „Unsere Aufgabe, die Aufgabe eines Unternehmens, ist es, Menschen einzustellen, sie gut zu bezahlen, sie gut auszubilden und sie auf diese ‚schöne neue Welt' namens KI vorzubereiten", sagte er.
Persönliche Erfahrungen prägen Moynihans Blick auf finanzielle Sicherheit. Er wuchs als eines von acht Kindern auf, und sein Vater finanzierte die Collegeausbildung aller Kinder durch eine Kombination aus Ersparnissen und Krediten. „Es war ganz einfach: Man nahm alles Geld, das man verdient hatte, und legte es auf den Tisch. Dann lieh man sich alles, was man konnte, und legte es ebenfalls auf den Tisch."
Für Millionen amerikanischer Familien sei die Herausforderung, heutige Rechnungen mit Investitionen in die Zukunft zu vereinbaren, heute genauso groß wie damals. „Das ist die entscheidende Frage: In die Zukunft investieren, aber gleichzeitig sicherstellen, dass man immer versucht, das Haushaltsbudget im Gleichgewicht zu halten", so Moynihan abschließend.

