Bank of America: Besseres Wachstum hilft europäischen Aktien kaum
BofA-Strategen warnen: Trotz wirtschaftlicher Erholung im Euroraum bleiben europäische Aktien auf Perfektion gepreist.

Die Strategen der Bank of America (BofA) für europäische Aktien schlagen Alarm: Eine wirtschaftliche Erholung in Europa dürfte den Aktienmärkten der Region kaum Auftrieb verleihen. Obwohl sich das makroökonomische Umfeld aufhellt, sehen die BofA-Experten – bekannt für ihre eher pessimistische Grundhaltung gegenüber europäischen Aktien – wenig Grund zur Euphorie.
Auf den ersten Blick klingt die Ausgangslage durchaus positiv. „Die Auswirkungen der deutschen fiskalischen Impulse werden sich nun endlich materialisieren, wobei unsere Ökonomen erwarten, dass sich das Wachstum der Binnennachfrage im Euroraum bis zum Jahresende wieder beschleunigt", schreiben die BofA-Strategen. Hinzu kommt: Die Inflation lässt nach, und die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihre restriktive Rhetorik spürbar abgemildert. Die BofA spricht in diesem Zusammenhang von einem „Mini-Goldlöckchen-Moment" – einem Umfeld, das weder zu heiß noch zu kalt ist.
Gute Nachrichten bereits eingepreist
Doch genau hier liegt das Problem, so die BofA-Analysten. Viele dieser positiven Entwicklungen seien bereits in den aktuellen Bewertungen europäischer Aktien berücksichtigt. „Der europäische Markt bleibt auf Perfektion gepreist – mit Margenerwartungen auf Rekordniveau und Risikoprämien auf einem 20-Jahres-Tief", warnen die Strategen. Der breite europäische Leitindex STOXX 600 biete damit kaum noch Aufwärtspotenzial, selbst wenn die Konjunktur tatsächlich anzieht.
Für deutsche Privatanleger ist diese Einschätzung besonders relevant: Der STOXX 600 umfasst die 600 größten börsennotierten Unternehmen Europas und gilt als wichtigster Gradmesser für die Entwicklung europäischer Aktienmärkte insgesamt. Wenn selbst positive Wirtschaftsdaten keine Kursgewinne mehr auslösen können, spricht das für eine bereits sehr ambitionierte Bewertung.
KI-Boom als zweischneidiges Schwert
Ein weiteres Risiko sehen die BofA-Strategen im Bereich Künstliche Intelligenz. Sie warnen, dass „KI-Modelle zunehmend Gefahr laufen, zu Massenware zu werden, was die Erwartungen an die KI-Investitionsausgaben (Capex) infrage stellen und eine Umkehr der KI-getriebenen Dynamik drohen könnte." Diese Einschätzung ist für Europa besonders brisant.
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Zur AktienanalyseObwohl Europa über deutlich weniger eigene Chiphersteller verfügt als etwa die USA oder Asien, hat der globale KI-Boom die europäischen Aktienmärkte stark beflügelt. Laut einer Schätzung von Morgan Stanley wurden 70 Prozent der bisherigen Performance des MSCI Europe in diesem Jahr durch den sogenannten KI-Investitionskomplex getrieben. Sollte die KI-Euphorie nachlassen, wären europäische Aktien damit überproportional betroffen – trotz der vergleichsweise geringen direkten Beteiligung europäischer Unternehmen an der KI-Wertschöpfungskette.
Die Kombination aus ambitionierten Bewertungen, eingepreisten Wachstumserwartungen und einer möglichen Abkühlung des KI-Hypes lässt die BofA-Strategen also vorsichtig bleiben. Für Anleger bedeutet das: Selbst ein freundlicheres Konjunkturumfeld im Euroraum ist kein Garant für steigende Kurse, wenn die Märkte dieses Szenario bereits vollständig vorweggenommen haben.


