Bangladesch kämpft mit Kapitaldefizit in Banken und Privatsektor
Finanzminister Khosru warnt: Ohne Rekapitalisierung der Banken und Stützung des Privatsektors droht dem Land der wirtschaftliche Kollaps.

Bangladeschs Finanzminister Amir Khosru hat auf der Frühjahrstagung von IWF und Weltbank in Washington eindringlich vor einem „ernsten" Kapitaldefizit im Bankensektor und im Privatsektor des Landes gewarnt. Ohne eine Rekapitalisierung der Banken und eine Stärkung des Privatsektors würden alle anderen Reformbemühungen ins Leere laufen, so Khosru bei einer Veranstaltung des Atlantic Council am Rande der Tagung.
„Das Erste, was angegangen werden muss, ist der Ausgleich des Kapitaldefizits im Privatsektor sowie die Rekapitalisierung des Bankensektors", sagte der Minister. „Ohne dies wird uns die Diskussion über andere Reformen nicht weiterbringen." Seine Worte verdeutlichen die Schwere der wirtschaftlichen Lage in dem südasiatischen Land mit rund 175 Millionen Einwohnern.
Besonders alarmierend ist die Lage im Finanzsektor. Khosru machte deutlich, dass „viele Banken praktisch bankrott sind" und der Privatsektor ums Überleben kämpfe. „Der Privatsektor muss nun gerettet werden. Das ist eine große Herausforderung", betonte er.
Explodierende Energiekosten belasten Staatshaushalt
Neben der Bankenkrise stellt der sprunghafte Anstieg der Energiekosten eine weitere ernste Belastung für Bangladesch dar. Das Land ist bei rund 95 Prozent seines Energiebedarfs auf Importe angewiesen – eine strukturelle Abhängigkeit, die sich infolge des Krieges im Nahen Osten als besonders kostspielig erweist. Staatliche Stellen greifen dabei zunehmend auf den volatilen Spotmarkt zurück, was die Kosten weiter in die Höhe treibt.
„Wir haben weltweit eingekauft, größtenteils über Spot-Käufe, und wenn man am Spotmarkt kauft, steigen die Preise für das Produkt bekanntlich um ein Vielfaches", erklärte Khosru. Die Gesamtausgaben im Energiesektor belaufen sich nach seinen Angaben bereits auf fast 2 Milliarden US-Dollar. „Wenn das so weitergeht, weiß ich nicht, was am Ende passieren wird", sagte er.
Diese enormen Energieausgaben verschärfen das ohnehin angespannte Haushaltsbild zusätzlich. Die hohen Kosten „lassen die Staatskasse ausbluten", so Khosru, während gleichzeitig das Steueraufkommen aufgrund der schwachen Wirtschaftstätigkeit stagniert. Das Verhältnis von Steuereinnahmen zum Bruttoinlandsprodukt steige nicht an, da die Belastung der Unternehmen zu groß sei.
Externe Finanzierung als Ausweg
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseUm die dringend benötigten Energieimporte – insbesondere Treibstoff und verflüssigtes Erdgas (LNG) – zu sichern, hat die bangladeschische Regierung bereits im vergangenen Monat angekündigt, externe Finanzierungen in Höhe von über 2 Milliarden US-Dollar anstreben zu wollen. Dies unterstreicht, wie stark das Land auf internationale Unterstützung angewiesen ist, um seine Energieversorgung aufrechtzuerhalten.
Für internationale Investoren und Beobachter zeichnet die Aussage des Finanzministers ein ernüchterndes Bild: Bangladesch steht vor einem Dreiklang aus Bankenkrise, privatwirtschaftlichem Kapitaldefizit und explodierenden Energiekosten. Die Teilnahme an der IWF- und Weltbank-Tagung signalisiert jedoch, dass das Land aktiv nach Lösungen und internationaler Unterstützung sucht.


