BaFin stoppt UniCredit-Werbung gegen Commerzbank im Übernahmekampf
Die deutsche Finanzaufsicht BaFin untersagt UniCredit irreführende Social-Media-Anzeigen gegen die Commerzbank als unzulässig.

Die deutsche Finanzaufsicht BaFin hat dem italienischen Bankenriesen UniCredit untersagt, Werbeanzeigen in sozialen Medien zu schalten, die der Commerzbank schaden. Die Behörde stufte die Werbung als unzulässig ein und rügte die „reißerische und unsachliche Darstellung" der Anzeigen. Laut BaFin enthielten diese Spekulationen über die wirtschaftliche Lage der Commerzbank und waren in der gesamten Europäischen Union abrufbar.
Die Anordnung stützt sich auf § 28 des Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetzes (WpÜG). Mit diesem Schritt reagiert die Aufsichtsbehörde auf Unregelmäßigkeiten im laufenden Übernahmeprozess und zieht klare Grenzen für zulässige Werbung im Zusammenhang mit Übernahmeangeboten. UniCredit droht im Falle einer vorsätzlichen oder fahrlässigen Nichtbeachtung der Anordnung ein Ordnungsgeld.
Reaktion von UniCredit
Ein Sprecher von UniCredit erklärte, die Werbung habe dazu gedient, die „positive Vision" zu vermitteln, die UniCredit für die Commerzbank hege. Er räumte jedoch ein, dass die Übersetzung eines Wortes aus der englischen Originalerklärung ins Deutsche zu einer gewissen Mehrdeutigkeit geführt haben könnte. „Wir haben den Beitrag sofort entfernt und die Situation sowohl der Commerzbank als auch allen Anfragenden erklärt. Daher überrascht uns die Reaktion", so der Sprecher.
UniCredit-Chef Andrea Orcel hatte bereits am Montag das Geschäftsmodell der Commerzbank grundlegend kritisiert und gleichzeitig den Übernahmewunsch bekräftigt. Nach Ansicht von UniCredit sollte die Commerzbank ihren Fokus auf Deutschland und Polen verstärken und gleichzeitig ihre internationalen Aktivitäten zurückfahren. Diese seien „überdimensioniert, fragmentiert, risikoreicher, operativ komplex und ineffizient", so das Mailänder Geldhaus.
Beteiligung kurz vor der 30-Prozent-Schwelle
Die Mailänder Bank hält derzeit 26,77 Prozent der Commerzbank-Aktien und hat über Finanzinstrumente Zugriff auf weitere 3,22 Prozent der Anteile. Damit beläuft sich die Gesamtbeteiligung auf 29,99 Prozent — knapp unterhalb der entscheidenden 30-Prozent-Schwelle. Sobald diese Marke erreicht wird, wäre UniCredit gesetzlich verpflichtet, ein formelles Pflichtangebot für alle verbleibenden Commerzbank-Aktien abzugeben.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseUniCredit war 2024 in großem Stil bei dem Frankfurter Geldhaus eingestiegen und hat den Anteil seither stetig erhöht. Mitte März kündigte die Bank schließlich ein freiwilliges Umtauschangebot für alle Commerzbank-Aktien an. Es wird erwartet, dass die UniCredit-Aktionäre auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am 4. Mai der dafür notwendigen Kapitalerhöhung zustimmen.
Das Commerzbank-Management sowie die Bundesregierung lehnen eine feindliche Übernahme durch UniCredit weiterhin ab. Der Eingriff der BaFin zeigt, dass die Aufsichtsbehörden den Übernahmekampf genau beobachten und bereit sind, bei Verstößen gegen die Regeln des fairen Wettbewerbs einzuschreiten. Für Anleger bleibt die Situation rund um die Commerzbank-Aktie damit weiterhin hochdynamisch.


