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Babyboomer gehen massenhaft früher in den Ruhestand

IW warnt vor Milliardenkosten und fordert Einschränkungen beim vorzeitigen Renteneintritt

Babyboomer gehen massenhaft früher in den Ruhestand

Fast jeder zweite Babyboomer geht vorzeitig in Rente – das zeigt eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Die Untersuchung basiert auf Daten der Rentenversicherung und betrachtet die geburtenstarken Jahrgänge von 1954 bis 1969. Besonders auffällig ist dabei, dass Bessergestellte überdurchschnittlich oft den frühzeitigen Ruhestand in Anspruch nehmen.

Von den Jahrgängen 1954 bis 1957, die bis 2023 das Regelrentenalter erreicht haben, sind rund 1,8 Millionen Menschen vorzeitig in den Ruhestand gegangen. Das entspricht 44 Prozent aller Angehörigen dieser Jahrgänge und mehr als 55 Prozent der damaligen Neurentner laut Rentenversicherung. Auch unter den Babyboomern der Jahrgänge 1958 bis 1960, die Ende 2023 die Regelaltersgrenze noch nicht erreicht hatten, befanden sich bereits rund 900.000 im vorzeitigen Ruhestand.

Laut IW bezogen im Jahr 2023 insgesamt 4,5 Millionen der rund 19,5 Millionen Babyboomer eine Altersrente. Mit dem Jahrgang 1964 steht der Höhepunkt dieser geburtenstarken Generation kurz vor dem Erreichen der Regelaltersgrenze – ab 2031 ist auch für diese Gruppe der Ruhestand mit 67 Jahren vorgesehen. Sollte sich der Trend nicht ändern, rechnet das IW ab 2025 jährlich mit mindestens einer Million zusätzlicher Frühverrentungen unter Babyboomern.

Die Ökonomen des IW warnen, dass dieser Trend die Rentenkasse zunehmend belasten wird. Bei gleichzeitiger Alterung der Gesellschaft und schrumpfender Zahl von Einzahlenden drohen erhebliche finanzielle Herausforderungen. Bereits jetzt ist abzusehen, dass sich die Rentenausgaben von aktuell 372 Milliarden Euro bis 2045 mehr als verdoppeln könnten – vor allem, wenn das Rentenniveau bei 48 Prozent stabil gehalten werden soll.

Besonders häufig nutzen besser Verdienende mit langer Versicherungszeit die Möglichkeit eines vorzeitigen, teils abschlagsfreien Renteneintritts. Diese Regelung betrifft vor allem Personen mit höherem Einkommen, guter Ausbildung und häufig technischen oder industriellen Fachberufen. Geringverdiener hingegen müssen aus wirtschaftlichen Gründen oft länger arbeiten.

Das IW fordert deshalb, den vorzeitigen Renteneintritt stärker zu begrenzen. Auch innerhalb der Politik gibt es entsprechende Überlegungen: Bundeskanzler Friedrich Merz kündigte eine Rentenreformkommission an, die in dieser Legislaturperiode Vorschläge erarbeiten soll. Die IW-Studienautorin Ruth Maria Schüler plädiert dafür, die bestehenden Möglichkeiten zum früheren Rentenbezug in dieser Kommission kritisch zu hinterfragen.

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