Azubi-Zahlen 2025: Rückgang um 2,8 Prozent auf 461.800 neue Verträge
Das Statistische Bundesamt meldet erneut weniger Ausbildungsstarts – Experten schlagen Alarm und fordern strukturelle Reformen.

Die duale Berufsausbildung in Deutschland verliert weiter an Zugkraft. Laut aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes sank die Zahl neu abgeschlossener Ausbildungsverträge im Jahr 2025 um 2,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr – auf nunmehr 461.800 Verträge. Das entspricht einem Rückgang von 13.300 Ausbildungsverhältnissen.
Damit setzt sich ein Trend fort, der 2024 begann. Zuvor hatte es in den Jahren 2021 bis 2023 noch leichte Zuwächse bei den Ausbildungsstarts gegeben. Der erneute Rückgang gibt Arbeitsmarktexperten Anlass zur Sorge.
Einzigartiges System unter Druck
Die duale Berufsausbildung verbindet theoretischen Unterricht in der Berufsschule mit praktischer Arbeit im Betrieb. Dieses Modell gilt international als nahezu einzigartig und hat sich in Deutschland über Jahrzehnte als äußerst erfolgreich erwiesen. Umso beunruhigender wirkt der anhaltende Rückgang für Fachleute.
Bettina Kohlrausch, Direktorin des gewerkschaftsnahen Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI), formuliert es deutlich: „Der Rückgang der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im dualen System ist besorgniserregend." Besonders kritisch sei dies, weil das System vor allem jungen Menschen ohne Hochschulreife stabile und erfolgreiche Berufseinstiege ermögliche.
Für Privatanleger ist dieser Trend durchaus relevant: Ein schrumpfendes Fachkräfteangebot kann mittelfristig die Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen belasten – ein Faktor, den Investoren bei der Bewertung heimischer Aktien im Blick behalten sollten.
Nicht zu wenige Plätze, sondern zu wenige Bewerber
Nico Schönfeldt, Ausbildungsexperte der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), stellt klar: An einem Mangel an Ausbildungsplätzen liegt es nicht. Die Bundesagentur für Arbeit verzeichne mehr unbesetzte Ausbildungsstellen als unvermittelte Bewerberinnen und Bewerber. Das Problem liegt also auf der Nachfrageseite.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseSchönfeldt plädiert daher für gezielte Maßnahmen, um junge Menschen und Betriebe besser zusammenzubringen. „Eine systematische, praxisnahe Berufsorientierung sowie frühzeitige Praktika können dazu beitragen, mehr junge Menschen für die duale Ausbildung zu gewinnen", so der DIHK-Experte.
WSI-Direktorin Kohlrausch setzt hingegen auf strukturelle Reformen: „Es braucht dringend eine Weiterentwicklung der Ausbildungsgarantie, die wirklich jedem Jugendlichen einen individuellen Rechtsanspruch auf Ausbildung ermöglicht." Beide Positionen verdeutlichen, dass die Herausforderung sowohl auf politischer als auch auf unternehmerischer Ebene angegangen werden muss.
Die Fachkräftesicherung bleibt damit eines der zentralen wirtschaftspolitischen Themen in Deutschland – mit direkten Auswirkungen auf die langfristige Leistungsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts.


