Automobilbranche im Wandel: Stellantis setzt auf Diesel, VW-Cashflow sorgt für Aufsehen
Während die Inflation nachlässt, verfolgen Autobauer unterschiedliche Strategien. Rheinmetall steigt aus Zuliefergeschäft aus.

Die globale Automobilindustrie befindet sich in einem tiefgreifenden Umbruch. Während makroökonomische Daten Entlastung signalisieren, schlagen große Hersteller strategisch unterschiedliche Wege ein. Besonders auffällig: Stellantis schwimmt gegen den Elektro-Trend, Volkswagen überrascht mit revidierten Finanzzahlen, und Rheinmetall verabschiedet sich aus dem Zuliefergeschäft.
Die jüngsten Entwicklungen zeigen divergierende Trends bei Antriebsstrategien, Unternehmensfinanzierung und Branchenstruktur. Für Anleger ergeben sich daraus unterschiedliche Chancen und Risiken in einem volatilen Marktumfeld.
Inflationsdruck lässt nach
Eine positive Nachricht für Verbraucher und Industrie: Die Jahresinflation verlangsamte sich im Januar auf 2,4 Prozent und unterschritt damit die Erwartungen der Ökonomen. Maßgeblich trugen sinkende Preise für Benzin und Gebrauchtwagen zu dieser Entwicklung bei. Dies dämpft Befürchtungen, dass kürzlich verhängte Zölle der Trump-Administration eine anhaltende Inflationswelle auslösen könnten.
Allerdings spüren Verbraucher weiterhin den Druck früherer Preissteigerungen. Die Kosten für Bekleidung, Fernseher und Flugtickets stiegen im Januar weiter an. Die Entlastung bleibt somit selektiv und noch nicht flächendeckend spürbar.
Stellantis schwimmt gegen den Strom
Gegen den globalen Elektrifizierungstrend weitet Stellantis, Mutterkonzern von Opel, sein Dieselangebot in Europa aus. Das Unternehmen bestätigte Pläne, Dieselmotoren im Portfolio zu behalten und bei mindestens sieben Modellen die Antriebsauswahl zu erweitern. Betroffen sind unter anderem Opel Astra, Citroën Berlingo und Peugeot 308.
Stellantis begründet diesen Schritt mit aktueller Kundennachfrage, die für Wachstum notwendig sei. Dies steht im krassen Gegensatz zur Marktentwicklung: Vor dem Abgasskandal lag der Diesel-Anteil bei Neuzulassungen in Europa bei über 50 Prozent, 2025 sind es laut ACEA nur noch 7,7 Prozent. Die Kehrtwende folgt auf Abschreibungen von über 22 Milliarden Euro aus der gescheiterten Nur-Elektro-Strategie.
CEO Antonio Filosa wird im Mai die konkrete Antriebsstrategie für die Zukunft präsentieren. Analysten beobachten gespannt, wie Stellantis den Spagat zwischen kurzfristiger Profitabilität und langfristiger Wettbewerbsfähigkeit meistern will.
Rheinmetall konzentriert sich auf Rüstung
Rheinmetall finalisiert den Verkauf seines angeschlagenen Autozuliefergeschäfts, das unter rückläufigen Umsätzen und Gewinnen leidet. Mit Arbeitnehmervertretern und der IG Metall wurden umfassende Übergangsvereinbarungen getroffen. Diese sichern für drei Jahre Arbeitsplätze und Standorte an den betroffenen deutschen Standorten – eine Garantie, die auch für den künftigen Käufer bindend sein wird.
Rheinmetall strebt an, den finalen Kaufvertrag bis Ende März zu unterzeichnen. Die Veräußerung ist Teil der Strategie, sich auf das profitable und schnell wachsende Rüstungsgeschäft zu konzentrieren. Der Ausstieg aus dem volatilen Automotive-Sektor markiert eine klare strategische Neuausrichtung des Konzerns.
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Zur AktienanalyseVW-Cashflow sorgt für Diskussionen
Volkswagen steht nach einer Aufwärtsrevision der Netto-Cashflow-Prognose für 2025 um sechs Milliarden Euro im Fokus. CFO Arno Antlitz hatte im September noch mit etwa null Euro gerechnet – die Entdeckung zusätzlicher sechs Milliarden Euro sorgt nun für Aufsehen. Während manche von einem "Bonus-Wunder" sprechen, hat die verbesserte Prognose weitreichende Konsequenzen.
Der erhöhte Cashflow ist entscheidend für die Bonität des Konzerns, die Finanzierungsoptionen und vor allem für die Dividendenhöhe 2025. Spekulationen ranken sich um den Nutzen für Großaktionäre, insbesondere die Familie Porsche-Piëch. Deren Holding Porsche SE hat sieben Milliarden Euro Schulden für den Erwerb einer Sperrminorität an der Porsche AG aufgenommen.
Diese Schulden werden maßgeblich durch VW-Dividenden bedient. Berichten zufolge sind einzelne Familienmitglieder, darunter Hans Michel Piëch, der 2017 den Anteil seines Bruders Ferdinand für eine Milliarde Euro kaufte, besonders auf diese Ausschüttungen angewiesen. Die VW-Dividendenausschüttungsquote würde bei etwa 30 Prozent liegen – unter dem DAX-Durchschnitt, aber ausreichend, um Aktionärsinteressen zu bedienen, während die Konzernlage prekär bleibt.


