Autobranche fordert Flexibilität beim Verbrenner-Aus
Diskussion über E-Fuels und alternative Technologien für klimafreundliche Mobilität entbrannt

Die Diskussion um das geplante Verbot von Verbrennungsmotoren im Jahr 2035 ist erneut entbrannt. Auslöser war ein Vorstoß von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, die Ausnahmen für synthetische Kraftstoffe, sogenannte E-Fuels, ins Gespräch gebracht hat. Luca de Meo, der Chef von Renault und Vorsitzende des Verbands der Europäischen Automobilhersteller (ACEA), fordert mehr Flexibilität und schlägt vor, das Ziel auf 2040 zu verschieben. Er betont, dass vollelektrische Fahrzeuge nur eine von mehreren möglichen Lösungen seien und plädiert für einen technologieoffenen Ansatz.
Auch die deutsche Automobilindustrie meldet sich zu Wort. Hildegard Müller, Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA), betont, dass zur Erreichung der Klimaziele jede verfügbare Technologie genutzt werden müsse. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder schließt sich dieser Meinung an und fordert die EU-Kommission auf, das Verbrennerverbot aufzuheben. Er sieht in E-Fuels und Wasserstoff große Potenziale für eine klimafreundliche Mobilität.
E-Fuels, die mithilfe erneuerbarer Energien synthetisch hergestellt werden, könnten Verbrennungsmotoren theoretisch klimaneutral betreiben. Allerdings sind sie derzeit noch verhältnismäßig teuer, und es ist unklar, ob sie in ausreichenden Mengen für den Einsatz in privaten Pkw produziert werden können. Auch bei Wasserstoffantrieben gibt es ähnliche Bedenken. Experten sehen deren Einsatz eher im Bereich von Taxiflotten, Bussen oder Lastwagen.
In Wuppertal werden bereits Busse des öffentlichen Nahverkehrs mit Wasserstoff betrieben, was zeigt, dass alternative Antriebstechnologien bereits genutzt werden. Dennoch bleibt die Frage offen, in welchem Umfang und zu welchen Kosten diese Technologien breiter eingesetzt werden können.
Renault-Chef de Meo äußerte sich nur vage zu alternativen Kraftstoffen und setzt vielmehr auf Plug-in-Hybride, die einen Verbrennungsmotor mit einem Elektromotor kombinieren. VW-Konzernchef Oliver Blume hingegen unterstützt die Doppelstrategie aus E-Mobilität und E-Fuels und sieht darin den richtigen Weg.
Im März 2023 hatten die EU-Länder und das Europaparlament das Aus für Neuwagen mit Diesel- und Benzinmotoren ab 2035 beschlossen. Der Beschluss hat vor allem in konservativen und rechtspopulistischen Kreisen für Kritik gesorgt. Ursula von der Leyen forderte in ihrem Grundsatzprogramm einen technologieneutralen Ansatz, bei dem auch E-Fuels berücksichtigt werden sollen.
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Zur AktienanalyseEine Überprüfung der Verbrennerentscheidung durch die EU-Kommission ist für 2026 vorgesehen. Falls Änderungen beschlossen werden, müsste der gesamte Gesetzgebungsprozess erneut durchlaufen werden. Möglicherweise könnten Ausnahmen für E-Fuel-Fahrzeuge auch durch einen delegierten Rechtsakt in das Regelwerk aufgenommen werden.
Akuten Handlungsbedarf sieht de Meo bei den CO2-Flottenzielen, die 2025 erneut verschärft werden sollen. Er warnt, dass die Automobilhersteller bei gleichbleibendem Absatztrend Milliarden an Bußgeldern zahlen müssten. Renault legt in Kürze seine Geschäftszahlen für das erste Halbjahr 2024 vor. Die Verkaufszahlen sind positiv: Der Absatz in Europa stieg um 6,7 Prozent, während der Markt nur um 5,5 Prozent wuchs. Besonders bemerkenswert ist der Anstieg der E-Auto-Verkäufe in der Region um 29,6 Prozent.


