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Australiens Social-Media-Verbot für Kinder zeigt kaum Wirkung

Trotz weltweitem Pioniergesetz nutzen über 80 Prozent der australischen Jugendlichen weiterhin Social Media – die Regierung bleibt standhaft.

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Australiens Social-Media-Verbot für Kinder zeigt kaum Wirkung

Australien hat als erstes Land der Welt ein gesetzliches Verbot der Social-Media-Nutzung für Kinder unter 16 Jahren eingeführt – doch die Wirkung bleibt bislang überschaubar. Daten der australischen Regulierungsbehörde eSafety zeigen, dass mehr als acht von zehn Jugendlichen drei Monate nach Inkrafttreten der Beschränkungen am 10. Dezember weiterhin aktiv auf sozialen Plattformen unterwegs sind. Die Nutzungsfrequenz bei Kindern zwischen 10 und 15 Jahren entsprach im März in etwa jener vor dem Verbot.

Die australische Regierung verteidigt das Gesetz dennoch entschieden. Andrew Leigh, stellvertretender Minister für Produktivität, Wettbewerb, Wohltätigkeitsorganisationen und das Schatzamt, erklärte, die Beschränkungen hätten die Diskussionen unter Eltern verändert und zur Schließung von Millionen von Konten geführt. Leigh räumte dabei offen ein, dass die Regierung niemals eine vollständige Einhaltung erwartet habe.

Vergleich mit Alkohol-Mindestalter

Der Minister zog einen aufschlussreichen Vergleich: Ähnlich wie Gesetze zum Mindestalter für Alkoholkonsum bleibe auch dieses Verbot trotz Verstößen sinnvoll und in Kraft. Diese Argumentation verdeutlicht die politische Haltung der australischen Mitte-Links-Labor-Regierung – Wirksamkeit wird nicht allein an vollständiger Compliance gemessen, sondern auch an gesellschaftlichen Signalwirkungen.

Begründet wurde das Verbot mit Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen sozialer Medien auf die psychische und physische Gesundheit von Kindern. Die Maßnahme wird von Regierungen weltweit aufmerksam beobachtet und gilt als Blaupause für ähnliche Gesetzgebungsvorhaben in anderen Ländern. Gleichzeitig stieß sie auf erhebliche Kritik seitens großer Technologieunternehmen, von denen viele ihren Sitz in den USA haben.

Eltern weniger informiert als erwartet

Die eSafety-Studie förderte ein weiteres beunruhigendes Ergebnis zutage: Eltern waren sich der Online-Aktivitäten ihrer Kinder nach Einführung des Verbots weniger bewusst als zuvor. Dies verdeutlicht die grundlegende Schwierigkeit, Altersbeschränkungen bei weit verbreiteten digitalen Diensten effektiv durchzusetzen. Die Ergebnisse stimmten weitgehend mit vorläufigen Zahlen überein, die die eSafety-Behörde bereits im März veröffentlicht hatte.

Ein zentrales Merkmal des australischen Ansatzes ist die Verteilung der Verantwortung: Nicht Kinder oder Eltern werden bei Verstößen bestraft, sondern die Social-Media-Plattformen selbst. Sie sind verpflichtet, minderjährige Nutzer von der Kontoerstellung auszuschließen. Die Labor-Regierung hat inzwischen strengere Durchsetzungsmaßnahmen vorgeschlagen – darunter eine Verdoppelung der Höchststrafe für Technologieunternehmen, die die Beschränkungen nicht einhalten.

Für deutsche Beobachter ist das australische Experiment besonders relevant: Auch in Deutschland und der EU wird intensiv über den Schutz von Minderjährigen im digitalen Raum diskutiert. Die australischen Erfahrungen – sowohl die politischen Erfolge als auch die Durchsetzungsprobleme – dürften die europäische Debatte maßgeblich beeinflussen.

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