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Australiens Social-Media-Verbot für Jugendliche kaum wirksam

Sechs Monate nach Inkrafttreten zeigt das weltweite Pioniergesetz kaum Wirkung – Premierminister Albanese will nun nachschärfen.

Australiens Social-Media-Verbot für Jugendliche kaum wirksam

Australiens Premierminister Anthony Albanese hat angekündigt, das weltweit erste Social-Media-Verbot für Kinder unter 16 Jahren verschärfen zu wollen. Anlass ist eine neue Studie, die belegt, dass das seit Dezember 2024 geltende Gesetz kaum Auswirkungen auf die tatsächliche Nutzung durch Jugendliche hat. Die Regierung plant nun einen sogenannten Belastungstest für das Gesetz.

Das Verbot untersagt Plattformen wie Instagram von Meta und YouTube von Google, Konten für unter 16-Jährige bereitzustellen. „Wir wollen sicherstellen, dass die Gesetze so streng wie möglich sind und allen rechtlichen Anfechtungen standhalten", sagte Albanese gegenüber der Australian Broadcasting Corp. Ein wesentlicher Schwerpunkt liege dabei darauf, die eSafety Commission – die Internet-Regulierungsbehörde des Landes – mit ausreichenden Befugnissen auszustatten. Konkrete Details zu geplanten Maßnahmen nannte der Premierminister jedoch nicht.

Studie: 85 Prozent der Jugendlichen weiterhin online

Eine in dieser Woche im renommierten British Medical Journal veröffentlichte Studie zeichnet ein ernüchterndes Bild. Unter 408 befragten Heranwachsenden nutzten drei Monate nach Inkrafttreten des Verbots noch immer 85 Prozent der australischen 12- bis 15-Jährigen soziale Medien. „Trotz der Absicht des Verbots, den Zugang zu Social-Media-Plattformen zu verzögern und das Potenzial für Online-Schäden zu verringern, wurden kaum Belege für eine unmittelbare wesentliche Reduzierung der gemeldeten Social-Media-Nutzung durch Jugendliche gefunden", heißt es in dem Artikel.

Zwei Drittel der minderjährigen Nutzer umgingen das Verbot, indem sie selbst ein Alter von über 16 Jahren angaben oder ein Selfie posteten, das von der Plattform als Nachweis eines Alters über 16 Jahren akzeptiert wurde. Die Lücken in der Altersverifikation erweisen sich damit als zentrales Problem des Gesetzes. Als das Verbot im Dezember in Kraft trat, gab es zunächst Berichte über Millionen geschlossener Konten – doch Eltern und Studien zeichneten schnell ein anderes Bild.

Rechtliche Schritte und internationale Signalwirkung

Die eSafety Commission und Kommunikationsministerin Anika Wells bereiten unterdessen rechtliche Schritte gegen mehrere Plattformen vor. Diesen drohen Höchststrafen von 49,5 Millionen Australischen Dollar (rund 34 Millionen US-Dollar), falls festgestellt wird, dass sie das Verbot systematisch nicht durchgesetzt haben. Die Regulierungsbehörde lehnte eine Stellungnahme zu den laufenden Vorbereitungen ab.

Gleichzeitig wehrt sich die Plattform Reddit juristisch gegen das Verbot. Reddit hat vor dem australischen High Court Klage eingereicht, die sich derzeit noch in der Phase der Voranhörungen befindet. Eine unmittelbare Stellungnahme von Reddit war nicht zu erhalten.

Australiens Experiment wird weltweit aufmerksam verfolgt. Zahlreiche Länder suchen angesichts wachsender Sorgen um die psychische und physische Gesundheit von Jugendlichen nach ähnlichen Lösungen. Großbritannien kündigte diesen Monat geplante Beschränkungen an, die sogar noch weiter gehen: Dort sollen auch Gaming- und Live-Streaming-Plattformen von den Regelungen erfasst werden. Für deutsche Privatanleger und Beobachter ist das australische Modell damit ein wichtiger Gradmesser dafür, wie regulatorische Eingriffe in die Geschäftsmodelle großer Tech-Konzerne in der Praxis wirken – und wo ihre Grenzen liegen.

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