Australiens Social-Media-Verbot: Erste Bilanz nach einem Monat
Einen Monat nach Inkrafttreten des weltweit ersten umfassenden Social-Media-Verbots für unter 16-Jährige zeigt sich in Australien ein gemischtes Bild: Während einige Jugendliche die neue Freiheit genießen, suchen andere nach Umgehungsmöglichkeiten.

Australien hat als erstes Land weltweit ein weitreichendes Verbot von Social-Media-Plattformen für Jugendliche unter 16 Jahren eingeführt. Nach einem Monat zeigen sich erste Auswirkungen – und Herausforderungen bei der Umsetzung.
Drastische Maßnahmen mit hohen Strafen
Das Online Safety Amendment Act verpflichtet große Plattformen wie Instagram (Meta), TikTok (ByteDance), YouTube (Alphabet), X (Elon Musk) und Reddit zur Implementierung von Altersverifizierungssystemen. Diese umfassen Gesichtsschätzung per Selfie, hochgeladene Ausweisdokumente oder verknüpfte Bankdaten. Bei Verstößen drohen den Tech-Konzernen Geldstrafen von bis zu 49,5 Millionen Australischen Dollar (rund 32 Millionen US-Dollar). Wichtig: Die Sanktionen richten sich ausschließlich gegen die Unternehmen, nicht gegen Eltern oder Jugendliche.
Geteilte Reaktionen bei den Betroffenen
Die 14-jährige Amy berichtet der BBC, sie fühle sich "frei" ohne den Druck, eine Präsenz auf Snapchat aufrechterhalten zu müssen. Andere Jugendliche zeigen sich jedoch kreativ bei der Umgehung: Die Downloads von VPN-Apps, die den Standort verschleiern, stiegen vor dem Verbot sprunghaft an. Auch alternative Plattformen wie Lemon8, Yope und Discord verzeichneten zunächst deutlich mehr Downloads.
Regierung reagiert auf Umgehungsversuche
Die australische Regierung hat bereits nachgesteuert. Lemon8 unterwarf sich nach Selbsteinschätzung den Altersbeschränkungen, Yope wurde zur entsprechenden Prüfung aufgefordert. Die VPN-Downloads sind mittlerweile wieder auf Normalniveau gesunken, da Social-Media-Plattformen diese im Rahmen des Gesetzes erkennen sollen.
Tech-Konzerne üben Kritik
Meta gab bekannt, bereits über 500.000 Konten von unter 16-Jährigen in Australien gesperrt zu haben. Gleichzeitig fordert der Konzern, die Altersverifizierung auf App-Stores auszuweiten. Die Argumentation: Jugendliche nutzen wöchentlich über 40 Apps, von denen viele nicht unter das Verbot fallen – schädliche Inhalte bleiben damit zugänglich.
Reddit geht noch weiter und hat rechtliche Schritte gegen die australische Regierung eingeleitet. Das Unternehmen kritisiert das Verbot als ineffizient und sieht die Meinungsfreiheit junger Menschen eingeschränkt. Jugendliche würden von "altersgerechten Gemeinschaftserlebnissen einschließlich politischer Diskussionen" isoliert.
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Zur AktienanalyseDie australische Vorreiterrolle findet international Beachtung. Der britische Premierminister Keir Starmer zeigte sich besorgt über die Bildschirmzeit von Kindern und forderte ein Verbot nach australischem Vorbild. In den USA ergab eine Fox News-Umfrage unter über 1.000 registrierten Wählern eine Zustimmung von 64 Prozent für ein Social-Media-Verbot für Jugendliche. Zwei Drittel der befragten Eltern befürworteten die Maßnahme, 36 Prozent lehnten sie ab.
Gesundheitsschutz als Hauptargument
Die australische Regierung begründet das Verbot mit dem Schutz Jugendlicher vor süchtig machenden Algorithmen und psychischen Gesundheitsschäden. Als Risiken nennt sie verminderten Schlaf, erhöhten Stress und die fesselnde Wirkung der Plattformen. Kritiker halten die Maßnahme jedoch für wirkungslos und befürchten soziale Isolation der Jugendlichen.


