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Australiens Gas-Überprüfung verfehlt Ziel der Angebotserhöhung

Branchenvertreter warnen: Die neue 20-Prozent-Reservierungspflicht für heimische Gasmärkte gefährdet Investitionen und Exportpartnerschaften.

Australiens Gas-Überprüfung verfehlt Ziel der Angebotserhöhung

Die australische Gasindustrie schlägt Alarm. Cecile Wake, Vorsitzende von Australian Energy Producers (AEP) und Landeschefin von Shell Australia, erklärte auf der AEP-Konferenz in Adelaide, dass die Gasmarkt-Überprüfung der Regierung ihr erklärtes Ziel – die Erhöhung des Angebots – verfehle. Die im Dezember angekündigte Überprüfung mündete in eine Entscheidung, die Energieexporteure verpflichtet, 20 Prozent ihres Erdgases für die heimischen Märkte an der australischen Ostküste zu reservieren.

Wake betonte, man müsse die „falsche Wahl" zwischen einem gut versorgten heimischen Gasmarkt und einer starken Flüssigerdgas-Industrie (LNG) vermeiden. Australien ist einer der weltgrößten LNG-Exporteure und beliefert insbesondere asiatische Handelspartner. Die neue Reservierungspflicht betrifft vor allem die drei LNG-Exporteure in Queensland – darunter Shell Australia.

Unklarheiten und Branchenkritik

Branchenvertreter beklagen, dass viele Details der neuen Regelung noch ungeklärt sind. Offen bleibt unter anderem, ob Gasmärkte, die nicht physisch mit dem Markt an der Ostküste verbunden sind, ebenfalls unter das Reservierungssystem fallen. Das System soll ab Juli nächsten Jahres in Kraft treten und bestehende Verträge nicht beeinträchtigen. Eine Übergewinnsteuer von 25 Prozent auf Gasexporte schloss die Regierung hingegen aus.

Westaustralien verfügt bereits über eine eigene Reservierungspolitik für heimisches Gas – dort liegt die Quote bei 15 Prozent. Die neue Ostküsten-Regelung geht damit deutlich weiter und stellt die betroffenen Unternehmen vor neue strategische Herausforderungen.

In einer Podiumsdiskussion auf der Konferenz machte Wake deutlich, dass alle Produzenten übereinstimmend warnen: Die Reservierungspolitik könnte zu einem Überangebot führen, das die Preise drückt und letztlich Investitionen in neue Gasexplorationen und -erschließungen entmutigt. „Es wird das Vertrauen regionaler Handelspartner darin massiv verringern, wie ernst es der Regierung ist, wenn sie sagt, dass Australien ein sicherer und zuverlässiger Partner für die Länder in der Region sein wird", sagte Wake.

Santos-CEO warnt vor ruinösen Folgen

Besonders deutliche Worte fand Kevin Gallagher, CEO von Santos. Sein Unternehmen betreibt das Gladstone-LNG-Projekt in Queensland und ist als einziger der drei Exporteure auf Gas von Drittanbietern angewiesen. Gallagher warnte, niedrigere Preise könnten „Unternehmen ruinieren". „Das muss sehr, sehr sorgfältig durchdacht werden", sagte er.

Der Hintergrund der Debatte ist ernst: Laut Zahlen des australischen Energiemarktbetreibers AEMO könnte es an der Ostküste bis zum Ende des Jahrzehnts zu Gasknappheit kommen. Die Regierung steht damit vor einem Dilemma – sie muss die heimische Versorgungssicherheit gewährleisten, ohne die Exportindustrie und das Vertrauen internationaler Partner zu beschädigen.

Australien hat zudem eine Reihe von Abkommen vorgestellt, um die Versorgung des Landes mit raffinierten Produkten und Rohöl nach einer möglichen Schließung der Straße von Hormus durch seine größten LNG-Importpartner sicherzustellen. Dies unterstreicht die geopolitische Dimension der australischen Energiepolitik.

Der stellvertretende Ressourcenminister Anthony Chisholm signalisierte Gesprächsbereitschaft: Die Regierung plane in den kommenden Wochen Konsultationen mit der Industrie, und die Labor-Partei fühle sich dem Dialog verpflichtet. Ob diese Gespräche die Bedenken der Branche ausräumen können, bleibt abzuwarten.

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