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Australiens Aufsichtschef fordert Regulierungsreform für mehr Kapitalflüsse

Scheidender ASIC-Chef Joe Longo warnt: Überkomplexe Vorschriften ersticken Start-ups und schrecken Börsengänge ab.

Australiens Aufsichtschef fordert Regulierungsreform für mehr Kapitalflüsse

Australien leidet unter einem regulatorischen Dickicht, das Innovationen hemmt und den IPO-Markt austrocknet. Das erklärte Joe Longo, der scheidende Vorsitzende der Australian Securities and Investments Commission (ASIC), kurz vor dem Ende seiner fünfjährigen Amtszeit. Er forderte eine grundlegende Überarbeitung der Unternehmensvorschriften, um ausländisches Kapital anzuziehen und Start-ups zu stärken.

„Australien hat, in guter Absicht, die Komplexität erhöht, sodass die Gesetzgebung mittlerweile fast undurchdringlich ist", sagte Longo gegenüber Reuters. Der von der ASIC verwaltete Corporations Act – das australische Aktiengesetz – umfasst inzwischen mehr als 3.300 Seiten. Banker und Anwälte kritisieren das Regelwerk seit Jahren als zu belastend.

Schwacher IPO-Markt als Warnsignal

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Im ersten Quartal 2025 wurden in Australien Börsengänge im Wert von lediglich 11 Millionen US-Dollar durchgeführt. Laut Daten des Finanzdienstleisters LSEG ist dies einer der niedrigsten Werte seit der globalen Finanzkrise 2008. Zum Vergleich: Im ersten Quartal 2021 sammelten Unternehmen noch 542,2 Millionen US-Dollar über Börsengänge ein – ein Rückgang, der die strukturellen Probleme des australischen Kapitalmarkts deutlich unterstreicht.

Zwar hat sich der IPO-Markt gegenüber Anfang 2025 leicht erholt, als es überhaupt keine Neunotierungen gab. Dennoch bleibt das Niveau weit hinter den Erwartungen zurück. Ein übermäßig komplexes regulatorisches Umfeld erhöht die Compliance-Kosten, verzögert Entscheidungsprozesse und schreckt neue Marktteilnehmer ab – so die einhellige Einschätzung von Bankern und Anwälten.

Die ASIC hat unter Longos Führung bereits Maßnahmen ergriffen, um die Kapitalmärkte zu beleben. Dazu gehörte unter anderem die Verkürzung des üblichen 20-wöchigen Börsenzulassungsprozesses um eine Woche. Zudem hat die Behörde die Regierung und die Australian Securities Exchange (ASX) aufgefordert, weniger strenge Offenlegungspflichten und eine Lockerung einiger Anforderungen für börsennotierte Unternehmen zu prüfen.

Grenzen der Regulierungsbehörde

Longo räumte jedoch ein, dass die ASIC selbst nur begrenzte Handlungsmöglichkeiten hat. „Wir haben in diesem Bereich viel Arbeit geleistet, und das konsistente Feedback war, dass die ASIC selbst nicht viel mehr tun konnte", sagte er. Die eigentliche Reform müsse auf gesetzgeberischer Ebene stattfinden – und genau dort sieht Longo den größten Nachholbedarf.

„Ich denke, wir sind nicht gut in der Rechtsreform", betonte der scheidende Behördenchef offen. Gleichzeitig zeigte er sich zuversichtlich, was die grundlegende Aufstellung der australischen Regulierungsarchitektur betrifft: „Ich glaube, das wird auch im Ausland respektiert und anerkannt." Das eigentliche Problem liege in der regulatorischen Komplexität, nicht in der Qualität der Aufsicht selbst.

Longo wird von der stellvertretenden Vorsitzenden der ASIC, Sarah Court, abgelöst. Australien steht vor der Herausforderung, Produktivität zu steigern, ausländisches Kapital anzuziehen und ein innovationsfreundliches Umfeld für Start-ups zu schaffen – Ziele, die ohne eine tiefgreifende Vereinfachung des Regelwerks kaum erreichbar scheinen.

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