Australien warnt: Chinesischer Staatseinkäufer bedroht Eisenerzpreise
Ein australischer Regierungsbericht sieht die CMRG als mittelfristiges Risiko für Eisenerzpreise und damit für Exporterlöse.

Australien hat offiziell vor den Risiken gewarnt, die der staatlich unterstützte chinesische Eisenerz-Einkäufer China Mineral Resources Group (CMRG) für die Eisenerzpreise darstellt. Das Ministerium für Industrie, Wissenschaft und Ressourcen veröffentlichte in seinem Quartalsbericht zu Ressourcen und Energie eine seltene Einschätzung: Die Aktivitäten der CMRG könnten den Referenzpreis für Eisenerz mittelfristig nach unten drücken.
Australien ist der weltweit größte Exporteur von Eisenerz – dem wichtigsten Exportgut des Landes. China kauft rund drei Viertel des gesamten Seehandelsvolumens, was die enge wirtschaftliche Verflechtung beider Länder in diesem Rohstoffbereich verdeutlicht. Entsprechend groß ist die Aufmerksamkeit der australischen Regierung für Entwicklungen auf dem chinesischen Eisenerzmarkt.
CMRG verstärkt Druck auf Bergbaukonzerne
Die CMRG wurde 2022 gegründet, um die Einkaufsmacht chinesischer Stahlwerke zu bündeln und die Verhandlungsposition gegenüber großen Lieferanten wie BHP, Rio Tinto und Fortescue zu stärken. In diesem Jahr hat die Organisation ihre Aktivitäten auf dem Eisenerzmarkt merklich intensiviert – unter anderem in einem vielbeachteten Streit mit BHP. „Die CMRG hat versucht, Änderungen bei den Preismechanismen der Bergbauunternehmen herbeizuführen, mit dem Ziel, die Kosten für chinesische Stahlwerke zu senken. Dies könnte den Referenzpreis mittelfristig nach unten treiben", zitiert das Ministerium aus seinem Bericht.
Besonders brisant: Die CMRG soll laut einem Reuters-Bericht einige inländische Stahlwerke aufgefordert haben, bestimmte im Hafen gelagerte Eisenerzprodukte von Fortescue nicht abzunehmen. Fortescue lehnte eine Stellungnahme dazu ab, die CMRG reagierte nicht auf eine Anfrage zur Stellungnahme. Dieser Schritt wird als gezielter Druckmittel im laufenden Preisstreit gewertet.
Die australische Ressourcenministerin Madeleine King hatte bereits im Jahresverlauf erklärt, dass die Regierung die Entwicklungen „aktiv beobachte", da Eisenerz für die Wirtschaft und den Bundeshaushalt von großer Bedeutung sei. Die Sorge gilt dabei vor allem möglichen Änderungen an Preisvereinbarungen oder sinkenden Referenzpreisen, die Gewinne und Steuereinnahmen der australischen Regierung beeinträchtigen könnten.
Exportprognosen dennoch deutlich angehoben
Trotz dieser Warnung fiel der Gesamtbericht überwiegend positiv aus. Die Regierung hob ihre Prognose für den Wert der Rohstoffexporte im am 1. Juli begonnenen Geschäftsjahr um 11 Prozent auf 416 Milliarden australische Dollar (rund 286 Milliarden US-Dollar) an. Als Treiber gelten gestiegene Gold- und Energiepreise, die unter anderem durch den Konflikt im Nahen Osten befeuert wurden. Aufgrund von Marktvolatilität war im März kein Quartalsbericht erschienen.
Die Regierung korrigierte zudem ihre Preisprognosen für mehrere Rohstoffe nach oben:
Eisenerz:
Erwarteter Preis nun bei 91 US-Dollar pro Tonne, zuvor 85 US-Dollar (aktueller Handelspreis: 98,50 US-Dollar/t)
Gold:
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Zur AktienanalysePrognose angehoben auf 4.792 US-Dollar pro Unze, gegenüber zuvor 4.049 US-Dollar (aktueller Spotpreis: 4.063 US-Dollar/oz)
LNG:
Erwartete Preise von über 16 US-Dollar pro Million britischer Wärmeeinheiten statt zuvor 11,30 US-Dollar, mit einem erwarteten Rückgang auf rund 11 US-Dollar bis 2028 (aktueller asiatischer LNG-Spotpreis: 15,35 US-Dollar)
Die Eisenerzpreis-Thematik bleibt damit ein mahnender Schatten über einem ansonsten optimistischen Ausblick. Für deutsche Investoren, die in australische Rohstoffkonzerne oder den Bergbausektor investiert sind, ist die Entwicklung rund um die CMRG ein wichtiger Faktor: Sollte es der chinesischen Einkaufsorganisation gelingen, strukturell niedrigere Preise durchzusetzen, hätte dies direkte Auswirkungen auf die Margen und Gewinne der großen Eisenerzproduzenten.


