Australien verklagt Amazon wegen unfairer Prime-Verträge mit Abonnenten
Die australische Wettbewerbsbehörde ACCC wirft Amazon vor, über eine Million Abonnenten durch einseitige Vertragsänderungen benachteiligt zu haben.

Australiens Verbraucherschutzbehörde ACCC (Australian Competition and Consumer Commission) hat Amazon verklagt. Der Vorwurf: Der US-Technologiekonzern habe bei der Einführung von Werbung in seinem Streaming-Dienst Prime Video unfaire Vertragsbedingungen gegenüber australischen Abonnenten angewendet und damit gegen Verbraucherschutzgesetze verstoßen.
Konkret wirft die ACCC Amazon vor, zwischen dem 1. November 2023 und dem 18. August 2025 unfaire Verträge mit mehr als einer Million Jahresabonnenten abgeschlossen zu haben. Diese Verträge enthielten laut Behörde fünf Klauseln, die es Amazon erlaubten, einseitig wesentliche nachteilige Änderungen an seinen Diensten vorzunehmen – ohne dass die Abonnenten einen vertraglichen Anspruch auf Rückerstattungen oder andere sinnvolle Entschädigungen gehabt hätten.
„Verbraucher, die Werbung vermeiden wollten, hatten keine andere Wahl, als mehr zu bezahlen, um den Dienst in der Form beizubehalten, für die sie sich ursprünglich angemeldet hatten", erklärte ACCC-Vorsitzende Gina Cass-Gottlieb. Die Aussage bringt das Kernproblem auf den Punkt: Wer Werbung nicht akzeptieren wollte, musste zusätzlich zahlen.
Hintergrund: Amazons Werbeeinführung bei Prime Video
Über ein Jahrzehnt lang war Prime Video ein werbefreies Streaming-Angebot, das als Teil des beliebten Prime-Abonnements von Amazon enthalten war. In Australien wurde Prime im Jahr 2018 eingeführt. Anfang 2024 begann Amazon dann mit der weltweiten Einführung von Werbung innerhalb des Dienstes.
Als Amazon in Australien begann, Werbung in Prime Video zu integrieren, teilte das Unternehmen seinen Abonnenten mit, dass sie eine zusätzliche monatliche Gebühr zahlen müssten, um den Dienst werbefrei zu halten. Der monatliche Preis für die werbefreie Option stieg dadurch auf 12,99 Australische Dollar. Zu diesem Zeitpunkt hatten laut ACCC bereits über 850.000 Menschen in Australien für ein ganzes Jahr Prime-Service im Voraus bezahlt.
„Diesen Abonnenten wurde für den Rest ihrer im Voraus bezahlten Laufzeit ein verschlechterter, werbefinanzierter Prime-Video-Dienst zur Verfügung gestellt, es sei denn, sie zahlten für die werbefreie Option", hielt die ACCC in ihrer Einreichung fest. Damit hatten Vorausbucher keine Möglichkeit, der Änderung zu entgehen, ohne zusätzliche Kosten zu tragen.
Amazons Reaktion und internationale Behördenprobleme
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Zur AktienanalyseEine Sprecherin von Amazon erklärte gegenüber der BBC, das Unternehmen prüfe „den von der ACCC eingereichten Fall im Detail". „Wir haben während der gesamten Untersuchung mit der ACCC kooperiert und konzentrieren uns weiterhin darauf, unseren australischen Kunden das beste Erlebnis zu bieten", fügte sie hinzu. Eine inhaltliche Stellungnahme zu den Vorwürfen blieb das Unternehmen damit vorerst schuldig.
Amazons Umgang mit seinen Nutzern stand bereits zuvor unter behördlicher Beobachtung – und das nicht nur in Australien. In den USA hat die Federal Trade Commission (FTC) in den vergangenen Jahren rechtliche Schritte gegen Amazon eingeleitet. Der Vorwurf dort lautete, das Unternehmen habe Personen ohne deren Zustimmung für Prime angemeldet und es ihnen anschließend erschwert, das Abonnement zu kündigen. Zudem stimmte Amazon der Zahlung einer Geldstrafe an die FTC zu, um Vorwürfe beizulegen, es habe für Opfer von Online-Shopping-Betrug eine „kafkaeske Tortur" geschaffen.
In Großbritannien hat die Regierung zudem Amazons Methoden bei der Auflistung von Verkaufswaren sowie die Ausbreitung gefälschter Produktbewertungen untersucht. Der australische Rechtsstreit reiht sich damit in ein globales Muster behördlicher Auseinandersetzungen mit dem Konzern ein – und dürfte auch für europäische Verbraucherschützer als Präzedenzfall von Interesse sein.

