Australien rettet Rio Tintos Aluminiumhütte mit 1,76 Milliarden Dollar
Australien sichert A$2,5 Milliarden für den Weiterbetrieb der Tomago-Hütte – ab 2033 vollständig mit erneuerbaren Energien.

Australien hat am Donnerstag ein milliardenschweres Finanzpaket angekündigt, um die Aluminiumhütte Tomago des Bergbaukonzerns Rio Tinto zu retten. Insgesamt stellen die australische Bundesregierung und der Bundesstaat New South Wales gemeinsam A$2,5 Milliarden (rund 1,76 Milliarden US-Dollar) bereit. Damit soll der Betrieb der Anlage über das Jahr 2028 hinaus gesichert werden.
Die Tomago-Hütte ist der größte Stromverbraucher Australiens und befindet sich derzeit im Übergang zu erneuerbaren Energien. Die Vereinbarung sieht vor, die Erzeugung von 3 Gigawatt neuer Energie für die Schmelzhütte zu unterstützen. Ein neuer Stromabnahmevertrag soll eine „zuverlässige, international wettbewerbsfähige" Versorgung gewährleisten, die ab 2033 zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen stammen wird.
Schließungsdrohung abgewendet
Rio Tinto hatte im Oktober gewarnt, dass Tomago zur Schließung gezwungen sein könnte, falls keine kommerziell tragfähige Stromversorgung über 2028 hinaus gesichert werden kann. Die Hütte beschäftigt mehr als 1.000 Vollzeitmitarbeiter sowie 200 externe Dienstleister – ihr Verlust hätte erhebliche wirtschaftliche Folgen für die Region gehabt. Die Bundesregierung hatte bereits im Dezember angekündigt, eine langfristige Energieversorgung zu Festpreisen anstreben zu wollen.
Jérôme Pécresse, CEO von Rio Tinto Aluminium & Lithium, kommentierte die Einigung: „Dies bedeutet, dass Australien eine kritische nationale Fertigungskapazität behält und Tomago Aluminium dabei unterstützt wird, weiterhin wettbewerbsfähig das für die globale Energiewende benötigte Aluminium zu produzieren."
Investitionen und Dekarbonisierung
Im Rahmen der Vereinbarung verpflichtet sich Tomago, mindestens A$1,1 Milliarden in die Anlage zu investieren. Davon entfallen A$100 Millionen auf die Förderung weiterer Dekarbonisierungsmaßnahmen in der Schmelzhütte. Rio Tinto erklärte, dass die Umstellung die direkten und indirekten Kohlenstoffemissionen des Werks um ein Viertel senken werde.
Tomago Aluminium wird einen zehnjährigen Stromvertrag mit einer Laufzeit von 2029 bis 2038 abschließen, sobald der aktuelle Vertrag mit AGL Energy über kohlebefeuerte Energie Ende 2028 ausläuft. Lokalen Medienberichten zufolge soll die Hütte ab 2028 Strom vom staatlichen Unternehmen Snowy Hydro beziehen. Snowy Hydro selbst gab dazu zunächst keine Stellungnahme ab.
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Zur AktienanalyseTomago wurde wie mehrere andere australische Schmelzhütten im letzten Jahrhundert errichtet, um von reichlich vorhandenem und günstigem Kohlestrom zu profitieren. Mit dem Wandel hin zu erneuerbaren Energien sind die Betriebskosten deutlich gestiegen, was die Wettbewerbsfähigkeit der energieintensiven Aluminiumproduktion unter Druck setzt.
Die jüngste Rettungsmaßnahme für Tomago reiht sich in eine Reihe staatlicher Stützungsaktionen ein. Insgesamt haben Bundes- und Landesregierungen bereits mehr als A$5 Milliarden zugesagt, um weitere Industrieanlagen zu unterstützen – darunter die Boyne-Schmelzhütte von Rio Tinto, die Mt-Isa-Kupferhütte von Glencore, zwei Schmelzhütten der Trafigura-Tochter Nyrstar sowie das Stahlwerk Whyalla.
Tomago Aluminium ist ein unabhängig geführtes Joint Venture, das sich mehrheitlich im Besitz von Rio Tinto befindet, neben Gove Aluminium Finance und Norsk Hydro. Die Anlage spielt eine Schlüsselrolle in der australischen Industrieproduktion und gilt als strategisch bedeutsam für die Versorgung mit Aluminium – einem Werkstoff, der für die globale Energiewende unverzichtbar ist.


