Atlassian-CEO kauft Aktien für 250 Millionen US-Dollar nach Rekordquartal
Starke Q4-Zahlen und ein massiver Insiderkauf signalisieren: Atlassian sieht KI als Chance, nicht als Bedrohung.

Mike Cannon-Brookes, CEO und Mitbegründer des australischen Softwareunternehmens Atlassian, hat angekündigt, Aktien seines eigenen Unternehmens im Wert von 250 Millionen US-Dollar zu erwerben. Die Ankündigung folgt auf starke Quartalsergebnisse, die Befürchtungen zerstreuten, Künstliche Intelligenz (KI) könnte das Geschäftsmodell des Unternehmens gefährden. Die Atlassian-Aktie reagierte im nachbörslichen Handel in New York mit einem Kurssprung von 36 Prozent.
Das an der Nasdaq notierte Unternehmen meldete für das vierte Quartal einen Umsatzanstieg von 28 Prozent auf 1,8 Milliarden US-Dollar. Der Nettogewinn belief sich auf 139 Millionen US-Dollar – eine deutliche Trendwende gegenüber dem Verlust von 24 Millionen US-Dollar im Vorjahreszeitraum. Bemerkenswert: Atlassian hatte seit seinem Börsengang im Jahr 2015 jedes Jahr Verluste vor Steuern ausgewiesen.
Abkehr von der „SaaSpokalypse"
Atlassian gehörte zu den Unternehmen, die am stärksten von der sogenannten „SaaSpokalypse" betroffen waren – ein Begriff, der Anfang des Jahres geprägt wurde, um den Ausverkauf von Software-as-a-Service-Unternehmen zu beschreiben, die als besonders durch KI gefährdet gelten. In Australien kursierte dafür auch der Begriff „SaaSaccre". Hintergrund der Sorgen: KI könnte den Bedarf an Kollaborationssoftware wie Jira und Confluence verringern und gleichzeitig durch Stellenstreichungen bei Kunden die Abonnement-Einnahmen schmälern.
Im März hatte Atlassian selbst 1.600 Stellen gestrichen, was einem Zehntel der weltweiten Belegschaft entspricht. Dieser Schritt hatte die Skepsis der Märkte gegenüber dem Unternehmen weiter verstärkt. Die nun vorgelegten Zahlen markieren jedoch eine klare Wende in der Wahrnehmung.
Cannon-Brookes wies das gängige Narrativ über KI als Bedrohung für sein Unternehmen entschieden zurück. „Wir akzeptieren das gängige Narrativ nicht", sagte er gegenüber der Financial Times. Die Kunden würden KI zwar nutzen, täten dies jedoch innerhalb der Produkte des Unternehmens – was Atlassian eher stärke als schwäche.
Optimismus trotz gesunkenem Privatvermögen
Cannon-Brookes, dessen Vermögen laut Bloomberg rund 8,4 Milliarden US-Dollar beträgt, sah sein Nettovermögen in diesem Jahr um ein Fünftel sinken. Dennoch hält er an seiner positiven Einschätzung fest. „Das Beste liegt noch vor uns. Ich halte es für eine logische Entscheidung", sagte er zur geplanten Aktieninvestition, die seine bereits bestehende 20-prozentige Beteiligung an dem Unternehmen weiter stärken wird. Atlassian wurde von Cannon-Brookes gemeinsam mit seinem Studienfreund Scott Farquhar gegründet.
Für das Geschäftsjahr 2027 stellt das Unternehmen ein Umsatzwachstum von 13 Prozent sowie stärkere Margen in Aussicht. Atlassian arbeite zudem aktiv mit Kunden zusammen, um die Rendite von KI-Investitionen zu verbessern – in einer Zeit, in der viele Unternehmen enorme Summen für KI ausgeben, ohne klare Vorstellungen von den angestrebten Ergebnissen zu haben.
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Zur AktienanalyseAnalysten sehen KI-Gewinner entstehen
Rob Oliver, Analyst beim US-Investmenthaus Baird, bewertet die Entwicklung positiv. „Hinter den Zahlen sehen wir einen KI-Gewinner entstehen", schrieb er in einer Mitteilung. Der massive Insiderkauf von 250 Millionen US-Dollar durch Cannon-Brookes unterstreiche dessen Überzeugung, dass das Unternehmen „auf dem richtigen Weg ist, KI-Werte zu liefern und zu nutzen". Die Wachstums- und Gewinnverbesserung stütze eine positive Einschätzung der Unternehmensaussichten, so Oliver weiter.
Ein hochrangiger Banker sagte der FT unterdessen, dass einige australische Unternehmen begonnen hätten, ihre KI-Investitionen zu kürzen, nachdem die Ausgaben exponentiell gestiegen waren. Viele hätten noch nicht herausgefunden, wofür sie KI tatsächlich einsetzen wollten. Cannon-Brookes hingegen sieht australische Unternehmen generell als „sehr zukunftsorientiert" in Bezug auf die Einführung neuer Technologien.


