AstraZeneca, Lloyds und GSK mit starkem Quartalswachstum
Drei britische Schwergewichte überzeugen mit höheren Gewinnen – während Tausende britische Unternehmen in finanzieller Notlage stecken.

AstraZeneca, die Lloyds Banking Group und GSK haben für das erste Quartal 2026 deutlich höhere Gewinne gemeldet. Die Ergebnisse der drei britischen Konzerne setzen ein positives Signal für den Londoner Markt, der zuletzt durch Unternehmensabwanderungen unter Druck stand. Gleichzeitig zeigt ein neuer Bericht des Restrukturierungsspezialisten Begbies Traynor, dass die finanzielle Lage vieler britischer Unternehmen angespannt bleibt.
Der FTSE 100 wird zum Handelsstart rund 0,1 Prozent tiefer bei 10.320,69 Punkten erwartet. Das britische Pfund notiert schwächer bei 1,3500 US-Dollar gegenüber 1,3505 US-Dollar zum vorherigen Londoner Börsenschluss.
AstraZeneca: Onkologie treibt Umsatz auf 15,29 Milliarden Dollar
Das Pharmaunternehmen AstraZeneca aus Cambridge verzeichnete im ersten Quartal einen Umsatzanstieg von 13,59 Milliarden US-Dollar im Vorjahr auf 15,29 Milliarden US-Dollar. Der Vorsteuergewinn kletterte von 3,40 Milliarden auf 3,91 Milliarden US-Dollar, das verwässerte Ergebnis je Aktie verbesserte sich von 1,87 auf 1,97 US-Dollar. Treiber des Wachstums waren zweistellige Zuwächse in der Onkologie sowie bei Behandlungen für seltene Krankheiten.
Für das Gesamtjahr 2026 erwartet AstraZeneca ein Umsatzwachstum im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich. Das Kernergebnis je Aktie soll im niedrigen zweistelligen Prozentbereich zulegen. Die Gesamtdividende für 2026 plant der Konzern bei 3,30 US-Dollar je Aktie, nach 3,20 US-Dollar im Vorjahr. Das Unternehmen sieht sich auf Kurs, seine strategischen Ziele für 2030 zu erreichen.
Lloyds Banking Group: Vorsteuergewinn springt um 33 Prozent
Die Lloyds Banking Group meldete für das erste Quartal einen Anstieg des Vorsteuergewinns um 33 Prozent auf 2,03 Milliarden GBP, verglichen mit 1,52 Milliarden GBP im Vorjahreszeitraum. Das Nettoeinkommen stieg um 9 Prozent auf 4,79 Milliarden GBP. Der zugrunde liegende Nettozinsertrag legte um 8 Prozent auf 3,57 Milliarden GBP zu, gestützt durch eine höhere Nettozinsmarge von 3,17 Prozent nach 3,03 Prozent im Vorjahr.
Die Eigenkapitalrendite (Return on Tangible Equity) verbesserte sich deutlich von 12,6 auf 17,0 Prozent. Die Betriebskosten sanken um 3 Prozent auf 2,47 Milliarden GBP, während die zugrunde liegende Risikovorsorge leicht von 309 auf 295 Millionen GBP zurückging. Die CET1-Kapitalquote liegt bei soliden 13,4 Prozent. Chief Executive Charlie Nunn sprach von „anhaltender Stärke in der finanziellen Performance" und einem „widerstandsfähigen Geschäftsmodell" angesichts wirtschaftlicher Unsicherheiten.
Für 2026 hebt Lloyds seine Prognose für den zugrunde liegenden Nettozinsertrag an und erwartet nun mehr als 14,9 Milliarden GBP. Die Bank bestätigt zudem eine Eigenkapitalrendite von über 16 Prozent sowie eine Cost-Income-Ratio von unter 50 Prozent.
GSK: Specialty Medicines als Wachstumsmotor
GSK steigerte seinen Umsatz im ersten Quartal von 7,52 Milliarden GBP auf 7,63 Milliarden GBP. Der Vorsteuergewinn erhöhte sich leicht von 2,11 auf 2,14 Milliarden GBP, da eine verbesserte operative Leistung höhere Investitionen ausglich. Das Ergebnis je Aktie stieg von 39,7 auf 43,2 Pence. Wachstumstreiber waren Spezialmedikamente in den Bereichen Onkologie, HIV und Immunologie sowie höhere Lizenzerträge.
GSK generierte im Quartal 1,4 Milliarden GBP an Cashflow aus der laufenden Geschäftstätigkeit und 800 Millionen GBP an freiem Cashflow. Das laufende Aktienrückkaufprogramm im Volumen von 2 Milliarden GBP ist bereits zu 1,7 Milliarden GBP abgeschlossen. CEO Luke Miels erklärte: „GSK ist stark in das Jahr 2026 gestartet, mit einer guten Performance unserer wichtigsten Wachstumstreiber." Für das Gesamtjahr bestätigt GSK ein Umsatzwachstum von 3 bis 5 Prozent sowie ein Wachstum des bereinigten Betriebsergebnisses von 7 bis 9 Prozent.
Britische Unternehmen unter wachsendem Druck
Während die Großkonzerne glänzen, zeigt ein Bericht von Begbies Traynor ein besorgniserregendes Bild für die britische Unternehmenslandschaft insgesamt. Die Zahl der Firmen in „kritischer Notlage" stieg im ersten Quartal um rund 37 Prozent auf 62.193, verglichen mit dem Vorjahreszeitraum. Die Zahl der Unternehmen in „erheblicher" Bedrängnis wuchs um 9,6 Prozent auf 634.867.
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Zur AktienanalyseAls Ursachen nennt der Bericht höhere Steuern – darunter gestiegene Sozialversicherungsbeiträge –, schwaches Verbrauchervertrauen sowie Inflation bei Energie und Rohstoffen im Zusammenhang mit dem Konflikt im Nahen Osten. Besonders hart trifft es konsumnahe Branchen:
- Hotels und Beherbergungsbetriebe: 69 % melden kritische Notlage
- Freizeit- und Kulturbetriebe: 66 % betroffen
- Sport- und Gesundheitsclubs: 51 % unter schwerem Druck
Julie Palmer, Managing Partner bei BTG, warnte: „Unternehmen, die auf diskretionäre Ausgaben angewiesen sind, werden gehofft haben, dass das Verbrauchervertrauen in diesem Jahr zurückkehrt, aber ich befürchte, sie werden enttäuscht werden."
Weitere Meldungen: Aston Martin und St. James's Place
Aston Martin steigerte seinen Umsatz im ersten Quartal um 16 Prozent auf 270,4 Millionen GBP. Der Vorsteuerverlust verringerte sich von 79,6 auf 65,5 Millionen GBP, die Bruttomarge verbesserte sich von 27,9 auf 34,7 Prozent. Der Luxusautohersteller hält an seinem Ausblick für 2026 fest und erwartet eine Bruttomarge im hohen 30-Prozent-Bereich.
Der Vermögensverwalter St. James's Place meldete ein verwaltetes Vermögen von 216,95 Milliarden GBP zum 31. März, gegenüber 188,59 Milliarden GBP im Vorjahr. Die Bruttozuflüsse stiegen leicht auf 5,23 Milliarden GBP, während die Nettozuflüsse von 1,69 auf 1,53 Milliarden GBP zurückgingen. Die Kundenbindungsrate blieb mit 95,3 Prozent stabil. Als positives Signal für den Londoner Markt kündigte zudem PureTech Health an, sein Nasdaq-Listing aufzugeben und sich vollständig auf die Notierung in London zu konzentrieren.


