Aston Martin hält Investoren bei umstrittenem 550-Millionen-Pfund-Deal im Dunkeln
Der britische Sportwagenhersteller verweigert Gläubigern Details zu Sicherheiten eines neuen Schuldenpakets – und schockiert damit den gesamten Kreditmarkt.

Aston Martin lässt seine Investoren und Gläubiger über die genaue Struktur eines umstrittenen Schuldenpakets in Höhe von 550 Millionen Britischen Pfund im Unklaren. Der Deal entzieht bestehenden Gläubigern Vermögenswerte zugunsten des neuen Kreditgebers HPS – einer Private-Credit-Firma, die zum BlackRock-Konzern gehört. Der finanziell angeschlagene Automobilhersteller hatte das Finanzierungspaket in der vergangenen Woche bekanntgegeben.
Das Paket umfasst ein befristetes Darlehen über 450 Millionen Britische Pfund sowie weitere 100 Millionen Britische Pfund, die in Zukunft abgerufen werden können. Aston Martin erklärte, die neue HPS-Finanzierung sei „durch bestimmte Vermögenswerte der Gruppe in einer neu gegründeten Tochtergesellschaft sowie durch bestimmte andere Vermögenswerte besichert". Welche Vermögenswerte konkret als Sicherheiten dienen, ließ das Unternehmen jedoch offen.
Gläubiger fordern Transparenz
Bestehende Gläubiger, denen Aston Martin mehr als 1,3 Milliarden Britische Pfund schuldet, fechten den Schritt an. Sie argumentieren, dass das Finanzierungsgeschäft gegen wesentliche Bedingungen der bestehenden Schuldenvereinbarungen verstößt, da Vermögenswerte ihrem Zugriff entzogen werden. In einer Telefonkonferenz zu den Geschäftszahlen am Mittwoch versuchten sowohl Kreditgeber als auch Aktienanalysten zu klären, welche Vermögenswerte HPS als Sicherheiten verpfändet wurden.
Aston Martin weigerte sich jedoch, Details preiszugeben, und verteidigte das Geschäft als „wichtig für das Unternehmen als Ganzes". Finanzvorstand Doug Lafferty erklärte auf die Frage eines Analysten: „Alle Informationen im Zusammenhang mit der Transaktion haben wir in unseren früheren Mitteilungen dargelegt, sodass es heute nichts weiter offenzulegen gibt." Eine dem Unternehmen nahestehende Person betonte, Aston Martin komme seinen Offenlegungspflichten in vollem Umfang nach.
Die Reaktion am Markt fiel dennoch scharf aus. „Es ist völlig absurd... so etwas habe ich noch nie gesehen", sagte ein High-Yield-Portfoliomanager, der selbst keine Schuldtitel von Aston Martin hält. „Das wird einen Großteil des Marktes verärgern." Die Weigerung hat die Spannungen zwischen dem Unternehmen und seinen Kreditgebern spürbar verschärft.
Geistiges Eigentum und Wales-Werk im Fokus
Investoren wollen insbesondere verstehen, ob die wertvollen geistigen Eigentumsrechte des Unternehmens als sogenannte „unrestricted assets" – also unbeschränkte Vermögenswerte – eingestuft und an HPS verpfändet wurden. Eine solche Einstufung würde bedeuten, dass diese Rechte dem Zugriff der bestehenden Gläubiger vollständig entzogen wären. Ebenfalls unter Beobachtung steht das Aston-Martin-Werk in Wales, das 2019 mit finanzieller Unterstützung der walisischen Regierung eröffnet wurde, aber weit unter seiner vollen Kapazität arbeitet.
Die neue Finanzierung wurde unter anderem zur Rückzahlung einer revolvierenden Kreditfazilität in Höhe von 170 Millionen Britischen Pfund sowie eines Teils einer weiteren Fazilität über 50 Millionen Britische Pfund verwendet. Diese war von einem Konsortium bereitgestellt worden, das vom Aston-Martin-Vorsitzenden Lawrence Stroll unterstützt wird.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseVerbindung zu Formel 1 und Stroll-Interessen
Anfang des Jahres hatte Aston Martin zudem Pläne angekündigt, 50 Millionen Britische Pfund durch den Verkauf der Namensrechte für das Formel-1-Rennteam einzunehmen. Der Verkauf der Markenrechte an die Holdinggesellschaft des F1-Teams, AMR GP Holdings, kam faktisch einer Kapitalspritze von Stroll gleich, der AMR indirekt kontrolliert. HPS hält eine Minderheitsbeteiligung an AMR GP Holdings, die das Unternehmen im Jahr 2024 erworben hat.
Neben der mangelnden Transparenz haben einige Investoren infrage gestellt, ob die jüngsten Finanzierungsgeschäfte bestimmten Aktionären wie Stroll zugutegekommen sind. Der 50-Millionen-Pfund-Deal wurde von bestehenden Aktionären kritisiert, die die Bewertung als zu niedrig einstuften – schließlich sicherte sich Stroll damit die dauerhaften Rechte zur Nutzung des Namens Aston Martin für das Rennteam. Aston Martin selbst lehnte eine Stellungnahme ab.


