Aston Martin: Gläubiger drohen mit Klage wegen Markenrechte-Verkauf
Bestehende Gläubiger fechten ein 550-Millionen-Pfund-Finanzierungspaket an und warnen vor rechtlichen Schritten gegen den Automobilhersteller.

Die Gläubiger von Aston Martin haben dem finanziell angeschlagenen Automobilhersteller mit rechtlichen Schritten gedroht. Auslöser ist ein umstrittenes Finanzierungspaket in Höhe von 550 Millionen Britischen Pfund, das der Sportwagenhersteller mit der BlackRock-Tochter HPS abgeschlossen hat. Die Gläubiger befürchten, dass dabei Vermögenswerte aus ihrem Sicherheitenpool abgezogen werden.
Das Finanzierungspaket umfasst ein befristetes Darlehen über 450 Millionen Britische Pfund sowie weitere 100 Millionen Britische Pfund, die Aston Martin künftig abrufen kann. Dem Unternehmen schuldet die bestehende Gläubigergruppe insgesamt 1,3 Milliarden Britische Pfund. Sie argumentiert, dass die neue Finanzierung gegen wesentliche Bedingungen der bestehenden Verbindlichkeiten verstößt.
Am vergangenen Sonntag übermittelte die Gruppe der Anleihegläubiger dem Vorstand von Aston Martin ein vorprozessuales Mahnschreiben – im Englischen als „Letter before action" bezeichnet. Darin warnten sie, dass sie möglicherweise gezwungen seien, rechtliche Schritte einzuleiten, um die HPS-Transaktion rückgängig zu machen und die Veräußerung bestimmter IP-Vermögenswerte (geistiges Eigentum) zu blockieren.
Der Kern des Streits: Markenrechte an Authentic Brands
Wie mit der Angelegenheit vertraute Personen berichten, hängt ein Teil des Geschäfts davon ab, dass Aston Martin 50,1 Prozent seines sogenannten nicht-automobilen geistigen Eigentums an den US-amerikanischen Markenentwickler Authentic Brands überträgt. HPS ist selbst ein Investor bei Authentic Brands. Die zusätzlichen 100 Millionen Britischen Pfund, die Aston Martin bei HPS abrufen könnte, sind laut den Informanten an den Vollzug genau dieser Transaktion geknüpft.
Aston Martin hat sich bisher geweigert, Einzelheiten des Geschäfts mit HPS offenzulegen. Dadurch wurden die bestehenden Gläubiger über die genaue Vereinbarung im Unklaren gelassen. Das Unternehmen lehnte es auch ab, Einzelheiten zu nennen, als es in der vergangenen Woche während einer Analystenkonferenz zu den Geschäftszahlen befragt wurde. Finanzvorstand Doug Lafferty verteidigte das Geschäft lediglich als „wichtig für das Unternehmen als Ganzes".
Die bestehenden Gläubiger sind der Ansicht, dass das neue Finanzierungspaket und die Veräußerung der IP-Rechte den Wert ihrer Sicherheiten mindern würden. Zudem wurde ihnen die Möglichkeit verweigert, dem Unternehmen selbst eine neue Finanzierung bereitzustellen. Aston Martin erklärte zwar, die neue HPS-Finanzierung sei „gegen bestimmte Vermögenswerte der Gruppe in einer neu gegründeten Tochtergesellschaft sowie gegen bestimmte andere Vermögenswerte besichert", lehnte es aber ab, den Anleihegläubigern zu erläutern, welche Sicherheiten ihrem Zugriff entzogen wurden.
Verbindungen zu Formel 1 und Lawrence Stroll
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Zur AktienanalyseDer Streit um die Markenrechte hat auch eine Formel-1-Dimension. Aston Martin hat in diesem Jahr bereits 50 Millionen Britische Pfund durch den Verkauf der Rechte zur Nutzung seines Namens für das Formel-1-Team eingenommen, das unter seinem Namen antritt. Der Käufer war AMR GP Holdings, die Holdinggesellschaft des F1-Teams, die von Lawrence Stroll indirekt kontrolliert wird. Dieser Verkauf markierte faktisch eine Kapitalspritze von Stroll an den Automobilhersteller.
In den ersten sechs Monaten des Jahres entstanden Aston Martin laut eigenen Angaben „Netto-Marketingaufwendungen" für Sponsoring in Höhe von etwas mehr als 19 Millionen Britischen Pfund. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um Zahlungen von Aston Martin an AMR für die Nutzung des eigenen Namens – eine direkte Folge des zuvor erfolgten Rechteverkaufs. HPS hält zudem eine Minderheitsbeteiligung an AMR. HPS reagierte nicht auf eine Anfrage zur Stellungnahme, Aston Martin lehnte eine Stellungnahme ebenfalls ab.


