Asien-Strategie: BCA setzt auf China, Goldman Sachs auf Japan
Institutionelle Analysten empfehlen taktische Rotation von Südkorea nach China und sehen strukturelles Aufwärtspotenzial in Japan.

Zwei der einflussreichsten Investmentanalysten der Welt positionieren sich neu für asiatische Aktienmärkte. BCA Research empfiehlt eine taktische Rotation von südkoreanischen in chinesische Aktien, während Goldman Sachs sein Kursziel für den japanischen TOPIX-Index anhebt. Die Strategien unterscheiden sich grundlegend: hier ein kurzfristiger Mean-Reversion-Trade, dort eine strukturell bullische Langfristthese.
BCA Research hat chinesische Aktien in Schwellenländer-Portfolios auf „Übergewichten" hochgestuft und Südkorea gleichzeitig auf „Untergewichten" herabgestuft. Die Empfehlung gilt für einen Zeitraum von drei Monaten und zielt auf eine Rückkehr zum Mittelwert ab, da chinesische Aktien im Verhältnis zum südkoreanischen KOSPI auf Rekordtiefs gefallen sind.
BCA warnt vor Panikverkäufen am KOSPI
Der KOSPI, der am 22. Juni seinen Höchststand erreichte, steht laut BCA unter erheblichem Druck. Ausgelöst wurde die Schwäche durch eine Welle spekulativer Retailinvestoren, die auf Marginkredite, gehebelte ETFs und kurzfristige Optionen setzen. Ausländische Investoren agieren als aggressive Nettoverkäufer, was den Index anfällig für Panikverkäufe macht. BCA prognostiziert einen weiteren Rückgang des KOSPI von 15 bis 20 Prozent, bevor der Index seinen 200-Tage-Durchschnitt erreicht. Die Marktbreite ist dabei schwach: Nur 20 Prozent der Indexkomponenten notieren oberhalb dieses technischen Schlüsselniveaus.
Trotz der taktisch positiven Einschätzung für China betonen die BCA-Analysten ausdrücklich, dass es sich nicht um eine langfristige strukturelle Neuausrichtung handelt. Die Profitabilität chinesischer TMT-Aktien werde zyklisch nicht besser sein als jene südkoreanischer Halbleiterproduzenten, so die Einschätzung. Südkoreanische Hardwarehersteller behalten demnach ihr überlegenes mittel- bis langfristiges Ertragspotenzial. China kämpft weiterhin mit strukturellen Gegenwind: schleppende Binnennachfrage, Preiskriege und Deflationsdruck belasten die Fundamentaldaten.
Besonders auffällig sind die extremen Bewertungen chinesischer KI-Hardwarelieferanten. BCA nennt konkrete Beispiele: Cambricon Technologies wird mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 209 gehandelt, Accelink Technologies mit 136, Zhongji Innolight mit 61 und Eoptolink Technology mit 52. Diese Niveaus signalisieren erhebliche Bewertungsrisiken in diesem Segment.
Goldman Sachs hebt TOPIX-Ziel auf 4.500 Punkte an
Goldman Sachs bleibt strukturell optimistisch für Japan und erhöht das 12-Monats-Kursziel für den TOPIX von 4.400 auf 4.500 Punkte. Ausgehend vom jüngsten Schlusskurs von 4.011,31 Punkten entspricht dies einem Aufwärtspotenzial von rund 12 Prozent. Haupttreiber der Revision ist ein schwächerer Yen: Goldman Sachs erwartet, dass der USD/JPY-Kurs in drei Monaten auf 162 und innerhalb von zwölf Monaten auf 165 steigt.
Die Yen-Schwäche wirkt als bedeutender Rückenwind für japanische Exporteure und multinationale Konzerne. Goldman Sachs prognostiziert für den TOPIX ein Gewinnwachstum je Aktie von 13 Prozent im Geschäftsjahr 2026, gefolgt von 11 Prozent in FY27 und 9 Prozent in FY28. Die Bewertungen bleiben mit einem Forward-KGV von 16 bis 17 attraktiv, und der TOPIX hat sich trotz kurzfristiger Volatilität robust gezeigt – er liegt nur 2 Prozent unter seinem Juni-Rekordhoch.
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Zur AktienanalyseRegionale Kapitalflüsse zeigen gespaltenes Bild
Die Kapitalflussdaten offenbaren eine deutliche regionale Spaltung. Nordamerikanische Investoren kauften im Juni netto japanische Aktien im Wert von 600 Milliarden Yen, während europäische Investoren netto 1,5 Billionen Yen abzogen. Mitte Juli verkauften ausländische Investoren zwar Kassaaktien im Wert von 286 Milliarden Yen, doch inländische Retailinvestoren und lokale Institutionen absorbierten das Angebot.
Goldman Sachs hält an einer Übergewichtung zyklischer und Finanzsektoren fest – konkret Maschinenbau, IT & Services, Banken, Stahl und Elektroapparate. Defensive Sektoren wie Versorger, Lebensmittel und Pharma werden hingegen untergewichtet. Diese Sektorpräferenz spiegelt sich in der jüngsten Marktentwicklung wider: Industrieschwergewichte wie Mitsubishi Corp und Inpex Corp legten jeweils 11 Prozent zu, während Konsumgüter- und Technologiewachstumswerte wie Cover Corp und Takashimaya unter erheblichem Verkaufsdruck standen.


