Asiatische Währungen gemischt: Dollar stabilisiert sich nach Fed-Entscheid
US-Dollar-Index fällt leicht auf 102,17 – Anleger warten auf PCE-Daten und EZB-Entscheidung.

Die asiatischen Währungen haben am Donnerstag uneinheitlich tendiert, nachdem sich der US-Dollar nach der jüngsten Zinsentscheidung der Federal Reserve wieder stabilisiert hatte. Der US-Dollar-Index sank leicht auf 102,17, nachdem der Greenback im Anschluss an die Pressekonferenz von Fed-Vorsitzendem Kevin Warsh von einem Zwei-Wochen-Hoch eingebrochen war. Euro und Pfund Sterling notierten derweil unverändert.
Im Zentrum des Interesses steht nun der persönliche Konsumausgaben-Preisindex (PCE) für September, der später am Donnerstag veröffentlicht wird. Anleger erhoffen sich davon neue Hinweise auf die künftigen Zinsaussichten in den USA. Zusätzlich warten die Märkte auf die geldpolitische Ankündigung der Europäischen Zentralbank (EZB), die ebenfalls am Donnerstag erwartet wird.
Die Federal Reserve hatte ihren Leitzins am Mittwoch in einer Abstimmung mit zehn zu zwei Stimmen unverändert bei 3,75% bis 4,00% belassen. Gleichzeitig wertete die Notenbank ihre Einschätzung des Wirtschaftswachstums auf und beschrieb die Aktivität als mit starkem Tempo expandierend. Damit legte die Fed weitere Änderungen der Kreditkosten vorerst auf Eis, da die politischen Entscheidungsträger zusätzliche Belege für die Entwicklung der Inflation abwarten wollen. Die nächste Sitzung findet erst nach den US-Zwischenwahlen in der kommenden Woche statt.
Die Details
Beim Yen zeigte sich eine leichte Bewegung: Das USD/JPY-Paar fiel marginal um 0,1% auf 157,76, was den Yen gegenüber dem Dollar etwas fester notieren ließ. Der australische Dollar notierte bei $0,7055, während der neuseeländische Dollar bei $0,5622 lag.
Fed-Chef Warsh zeigte sich zuversichtlich, dass die Inflation ohne eine signifikante Verlangsamung des Wirtschaftswachstums oder einen Anstieg der Arbeitslosigkeit wieder auf das Ziel der Fed von 2% zurückkehren könnte. Seine Pressekonferenz bot jedoch wenig Klarheit darüber, ob es im Dezember zu einer weiteren Erhöhung kommen würde. In der Folge senkten Händler ihre Erwartungen für Zinserhöhungen im Jahr 2027. Laut dem CME-FedWatch-Tool bewerten die Märkte derzeit noch immer eine Wahrscheinlichkeit von 78% für eine Zinserhöhung im Dezember.
Für die EZB erwarten Marktteilnehmer allgemein, dass diese ihren Einlagenzins unverändert bei 2,50% belassen wird. Der neuseeländische Dollar stabilisierte sich bei $0,5622 und verlor 0,1%, nachdem er am Mittwoch zunächst bis auf rund $0,5585 gefallen war – ein Rückgang von bis zu 1,7%. Dieser starke Einbruch folgte auf die unerwartete Entscheidung der Reserve Bank of New Zealand, ihren offiziellen Cash-Rate bei 2,75% zu halten, entgegen den Markterwartungen.
Der australische Dollar notierte bei $0,7055 nahe einem Ein-Monats-Hoch. Zuvor hatten quartalsweise Inflationsdaten gezeigt, dass die Verbraucherpreise im dritten Quartal um 1,3% gestiegen waren, was eine Beschleunigung gegenüber 0,6% im Vorquartal darstellt. Der Gouverneur der Reserve Bank of Australia, Michele Bullock, sagte Gesetzgebern, die Zentralbank werde auf ihrer nächsten Sitzung in der kommenden Woche beurteilen, ob die vier Zinserhöhungen dieses Jahres ausreichen, um die Inflation wieder auf das Zielniveau zu bringen.
Die regionalen Bewegungen fielen uneinheitlich aus. Das USD/CNH-Paar und das USD/CNY-Paar notierten unverändert. Das USD/KRW-Paar fiel um 0,6% auf 1.333,51, was auf einen stärkeren südkoreanischen Won hindeutet. In anderen Regionen handelte das USD/SGD-Paar flach, während das USD/INR-Paar um 0,07% auf 95,290 stieg und das USD/THB-Paar um 0,16% auf 33,744 zulegte. Das USD/TWD-Paar stieg um 0,5% auf 32,554, was auf einen schwächeren taiwanesischen Dollar hinweist.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 30.07.2026 berichtete aktien.news, dass asiatische Währungen nach einer Fed-Pause schwach tendierten und in engen Bandbreiten handelten. Damals hatte Fed-Chef Kevin Warsh bekräftigt, dass die Inflation erst zum Zielwert zurückkehren müsse, bevor weitere geldpolitische Schritte in Betracht kämen – eine Aussage, die die Erwartungen an ein längerfristig hohes Zinsniveau in den USA untermauerte.
Am 25.06.2026 meldete aktien.news, dass sich die meisten asiatischen Währungen bei nachgebendem US-Dollar leicht erholten, der Greenback aber weiterhin nahe einem 13-Monats-Hoch notierte. Schon damals richteten sich die Blicke der Marktteilnehmer auf den US-Bericht zu den persönlichen Konsumausgaben (PCE), dem bevorzugten Inflationsmaßstab der Federal Reserve.
Am 17.06.2026 hatte aktien.news berichtet, dass sich der US-Dollar vor der Fed-Entscheidung unter Kevin Warsh stabilisierte. Der US-Dollar-Index notierte damals weitgehend unverändert bei 99,55 und bewegte sich damit in der Nähe eines Zehntages-Tiefs. Im Mittelpunkt stand die erste geldpolitische Sitzung der Fed unter dem neuen Vorsitzenden Warsh, der den Fed-Vorsitz im Vormonat übernommen hatte.
Was das für Anleiter bedeutet
Für deutsche Privatanleger sind die Bewegungen an den Devisenmärkten vor allem über die Wechselkurse zum Euro und über die internationalen Kapitalströme relevant. Ein stabiler bis fester US-Dollar wirkt sich traditionell auf die Bewertung von US-Anlagen aus, die in Euro gehalten werden. Die uneinheitlichen Bewegungen in Asien zeigen, dass die einzelnen Notenbanken unterschiedliche Wege gehen: Während die Fed ihren Leitzins unverändert ließ, hielt die Reserve Bank of New Zealand ihren Cash-Rate entgegen den Erwartungen ebenfalls stabil, und die Reserve Bank of Australia prüft, ob ihre bisherigen Zinserhöhungen ausreichen.
Die Unsicherheit über den weiteren Zinspfad der Fed bleibt bestehen. Die Pressekonferenz von Warsh lieferte keine klare Richtungsaussage für Dezember, während die Märkte laut CME-FedWatch weiterhin eine Wahrscheinlichkeit von 78% für eine Zinserhöhung im Dezember einpreisen. Anleger sollten daher die anstehenden Datenpunkte – insbesondere den PCE-Preisindex und die EZB-Entscheidung – aufmerksam verfolgen.
Ausblick
Der PCE-Preisindex für September wird später am Donnerstag veröffentlicht und dürfte neue Hinweise auf die Zinsaussichten liefern. Ebenfalls am Donnerstag wird die geldpolitische Ankündigung der EZB erwartet, bei der allgemein ein unveränderter Einlagenzins von 2,50% prognostiziert wird. Die nächste Sitzung der Federal Reserve findet erst nach den US-Zwischenwahlen in der kommenden Woche statt. Die Reserve Bank of Australia will auf ihrer nächsten Sitzung in der kommenden Woche beurteilen, ob die vier Zinserhöhungen dieses Jahres ausreichen, um die Inflation wieder auf das Zielniveau zu bringen.
Kurz erklärt
- Leitzins: Der zentrale Zinssatz, den eine Notenbank für die Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld festlegt.
- PCE-Preisindex: Ein Maß für die Preisentwicklung privater Konsumausgaben und bevorzugter Inflationsindikator der US-Notenbank.
- Einlagenzins: Der Zinssatz, den Geschäftsbanken für bei der Zentralbank gehaltene Einlagen erhalten.
- Cash-Rate: Der geldpolitische Leitzins der neuseeländischen Notenbank.
- US-Dollar-Index: Ein Maßstab für die Wertentwicklung des US-Dollars gegenüber einem Korb wichtiger Weltwährungen.
