Asiatische Ölimporteure reagieren auf Russland-Sanktionen
Indien steigert Käufe, China setzt auf Lieferungen aus Angola und Brasilien

Asiens Rohölmärkte reagieren derzeit zügig auf die jüngsten Sanktionen gegen Russland, das als einer der wichtigsten Lieferanten gilt. Die Importeure in Asien sichern sich aktuell noch verfügbare Frachtmengen, während sie sich gleichzeitig nach alternativen Bezugsquellen für die kommenden Monate umsehen. Die Erdölimporte des Kontinents, der als weltweit größter Rohölabnehmer gilt, belaufen sich im Februar voraussichtlich auf rund 3,23 Millionen Barrel pro Tag. Dies entspricht einem Rückgang um etwa 7,4 Prozent im Vergleich zu den 3,49 Millionen Barrel pro Tag im Januar. Dabei zeigt sich, dass Indien seine Käufe erhöht, während China seine Importe zurückfährt.
In Asien zählen neben Indien und China nur noch Myanmar zu den Abnehmern von russischem Seerohöl, wobei die Mengen Myanmars gering ausfallen. Indiens Einfuhren werden im Februar laut Daten von LSEG Oil Research auf ein Drei-Monats-Hoch von mindestens 1,71 Millionen Barrel pro Tag geschätzt. Diese Zahl könnte noch steigen, da weitere Lieferungen bewertet werden. Indien hat sich seit dem Rückzug europäischer Abnehmer infolge westlicher Sanktionen zum größten Abnehmer russischen Rohöls entwickelt. Erlaubt wurden die Käufe ursprünglich zu vergünstigten Preisen, da westliche Staaten versuchten, die weltweite Ölversorgung aufrechtzuerhalten und gleichzeitig die russischen Einnahmen nach dem Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 zu begrenzen.
Die jüngste Sanktionsrunde der USA, die im Januar unter dem damaligen Präsidenten Joe Biden erlassen wurde, richtet sich gegen die sogenannte Schattenflotte russischer Tanker. Ziel dieser Maßnahmen ist es, die Lieferung russischen Öls über diese Schiffe zu unterbinden. Als Reaktion darauf bemühten sich indische Raffinerien, noch vor Inkrafttreten der Regelungen möglichst viele Frachtmengen zu erwerben, was die Einfuhrzunahme im Februar erklärt. Für März wird hingegen mit einem Rückgang gerechnet.
Chinesische Raffinerien haben hingegen rascher auf die Sanktionen reagiert und ihre Käufe russischen Öls reduziert. Die seeseitigen Importe Chinas werden für Februar auf rund 500.000 Barrel pro Tag geschätzt, was deutlich unter dem Durchschnitt der vorherigen drei Monate von etwa 1,05 Millionen Barrel pro Tag liegt. Die Gesamteinfuhren Chinas im Februar sollen sich laut LSEG auf rund 10,35 Millionen Barrel pro Tag belaufen, was in etwa dem Januarwert von 10,10 Millionen Barrel pro Tag entspricht, jedoch unter den 11,16 Millionen Barrel pro Tag aus dem Februar des Vorjahres liegt.
China kompensiert die sinkenden Mengen aus Russland durch Importe aus anderen Ländern, insbesondere aus Angola und Brasilien. Die Lieferungen Angolas nach Asien sollen im Februar auf 1,13 Millionen Barrel pro Tag steigen, verglichen mit 670.000 Barrel pro Tag im Januar. Die Importe aus Brasilien werden voraussichtlich von 930.000 Barrel pro Tag auf 1,05 Millionen Barrel pro Tag zunehmen. Eine zusätzliche Herausforderung ergibt sich durch Chinas Entscheidung, eine Einfuhrzollabgabe von zehn Prozent auf US-Rohöl zu erheben. Diese Maßnahme ist eine Reaktion auf die Ankündigung des neuen US-Präsidenten Donald Trump, sämtliche Einfuhren aus China mit einem zehnprozentigen Zoll zu belegen.
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Zur AktienanalyseDie Zollerhöhung dürfte US-Öl für chinesische Abnehmer unattraktiv machen. Allerdings zeigt sich diese Entwicklung erst mit Verzögerung, da bereits vereinbarte Lieferungen noch auf dem Seeweg sind. Für März werden Chinas US-Ölimporte auf 339.000 Barrel pro Tag geschätzt, für April auf 461.000 Barrel pro Tag. Ab Mai wird ein Rückgang erwartet. Indien könnte dann verstärkt US-Öl beziehen, um russische Lieferungen zu ersetzen.


