Asiatische Märkte: Anleger flüchten aus Technologie- und Halbleiterwerten
Eine deutliche Sektorrotation erfasst Asiens Börsen – Chiphersteller verlieren ihre Rolle als Marktlieblinge.

An den asiatischen Aktienmärkten vollzieht sich eine markante Rotation weg von Technologiewerten. Besonders hart traf es den südkoreanischen Chiphersteller SK Hynix, dessen Aktie trotz hervorragender Quartalsergebnisse um 9,6% einbrach. Der koreanische Leitindex Kospi verlor in der Folge 6,0% – ein deutliches Signal, dass die Stimmung gegenüber dem Halbleitersektor gekippt ist.
Patrick Munnelly von der Tickmill Group beschreibt die Lage treffend: Chiphersteller hätten sich „im vergangenen Monat von Lieblingen des Marktes zu Volatilitätsgebern entwickelt". Die Marktführerschaft in Asien verlagere sich zunehmend hin zu zyklischen Konsumgütern, Finanzwerten und Energietiteln. Die KI-Thematik sei zwar nicht verschwunden, doch die Toleranz des Marktes für Enttäuschungen sei deutlich eingebrochen.
Auch Taiwan und Japan, zwei weitere Märkte mit hoher Gewichtung von Halbleiterwerten, gerieten unter Druck. Taiwan verzeichnete ein Minus von 3,8%, Japan fiel um 1,5%. Der Nikkei-Index lag zuletzt mit 2,2% im Minus – belastet zusätzlich durch ein Erdbeben in der südjapanischen Präfektur Kumamoto vom Dienstag.
Erdbeben in Kumamoto belastet Tokioter Börse
Das Erdbeben in Kumamoto sorgte an der Tokioter Börse für zusätzliche Verunsicherung. Eiji Kinouchi, Analyst bei Daiwa Securities, gibt jedoch Entwarnung: Sofern beschädigte Fabriken den Betrieb innerhalb von etwa einem Monat wieder aufnehmen könnten, drohe keine größere Bedrohung für die Aktienkurse. Er verweist auf das Erdbeben in Kumamoto im Jahr 2016, als Produktionsunterbrechungen größtenteils innerhalb eines Monats behoben wurden und Tech-Aktien lediglich einen eintägigen Rücksetzer erlebten.
Die Volatilität koreanischer Aktien beleuchtet William Bratton, Leiter des Bereichs Cash Equity Research bei BNP Paribas, aus einer anderen Perspektive. Der Kospi macht im bisherigen Jahresverlauf 79% der eintägigen Indexbewegungen von mehr als 5% unter den wichtigsten Indizes Asiens aus – in beide Richtungen. Diese extremen Ausschläge würden die „Attraktivität des Marktes verunklaren", so Bratton. Dabei seien die Gewinnprognosen für den Halbleiter- und Hardwaresektor für 2027 und 2028 gestiegen, und die aggregierten erwarteten Gewinne hätten seit Ende Juni um 7% zugenommen. Der Ausverkauf scheine daher eher von Sorgen um die Nachhaltigkeit der KI-Ausgaben getrieben zu sein.
Europäische Märkte zeigen sich widerstandsfähig
Während Asien unter dem Technologiedruck leidet, präsentieren sich die europäischen Aktienmärkte deutlich stabiler. Der europaweite Stoxx 600 legte um 0,3% zu, gestützt durch starke Quartalszahlen und eine Rotation in defensive Sektoren. Londons FTSE 100 gewann 0,55%, da steigende Ölpreise Shell und BP beflügelten. In Paris legte der CAC 40 um 0,5% zu – Luxusgüterhersteller Kering sprang nach Vorlage seiner Geschäftszahlen um 11% nach oben und zog den gesamten Luxussektor mit. Deutschlands DAX stieg um 0,3%, angeführt von einem Plus von 5,3% bei der Deutschen Bank nach Ankündigung eines neuen Aktienrückkaufprogramms.
Japan plant Steuersenkung – Einzelhändler profitieren
Abseits der Marktturbulenzen sorgt eine politische Ankündigung aus Japan für Aufmerksamkeit. Die Regierung Takaichi plant, die Verbrauchssteuer auf Lebensmittel ab April 2027 von 8% auf 1% zu senken. Ziel ist es, die gestiegenen Lebenshaltungskosten zu dämpfen, die die öffentliche Zustimmung zum Inflationsmanagement belastet haben. Louis Chua von Julius Bär erwartet, dass vor allem Supermarktbetreiber, Discountketten und Drogerien mit hohem Lebensmittelanteil profitieren werden. Auch Lebensmittel- und Getränkeunternehmen mit ausreichender Preismacht dürften von der Maßnahme begünstigt werden.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseJulius Bär weist zudem darauf hin, dass die erhöhte Marktvolatilität kurzfristig eine Rotation aus Technologieaktien in defensive Sektoren und binnenmarktorientierte Unternehmen beschleunigen könnte – ein Trend, der sich bereits in den aktuellen Marktbewegungen abzeichnet.
Chinas Immobiliensektor mit positiven Aussichten
Einen positiven Ausblick liefern Analysten der Citi für den chinesischen Immobiliensektor. Sie erwarten, dass sich das Umsatzwachstum im Zeitraum Juli bis September aufgrund widerstandsfähiger Transaktionsvolumina in den Kernstädten und einer vorteilhaften niedrigen Vergleichsbasis stabilisieren wird. Zusätzlichen Rückenwind soll eine stärkere Pipeline an Neuprojekten ab September sowie ein erwarteter unterstützender Ton der Politbüro-Sitzung im Juli liefern. „Wir glauben, dass der Sektor gut auf eine Hausse von August bis Oktober vorbereitet ist", heißt es in der Analyse. Zu den Favoriten der Citi zählen China Resources Land und C&D International Investment.


