Asiatische Aktien: Ausländer ziehen 27 Milliarden Dollar ab
Geopolitische Risiken und ein Tech-Ausverkauf treiben massive Kapitalabflüsse aus asiatischen Aktienmärkten auf Rekordhöhe.

Ausländische Investoren haben im Juni bislang netto 27,08 Milliarden US-Dollar aus asiatischen Aktienmärkten abgezogen. Das zeigen Daten des Finanzdienstleisters LSEG für die Börsen in Südkorea, Taiwan, Thailand, Indien, Indonesien, Vietnam und den Philippinen. Damit übertreffen die Abflüsse bereits den gesamten Nettoabfluss des Vormonats Mai, der bei 24,08 Milliarden Dollar lag.
Der MSCI Asia Pacific Index hatte in der vergangenen Woche noch ein Rekordhoch von 284,05 Punkten erreicht. Doch seitdem hat der Index deutlich nachgegeben und verzeichnet im bisherigen Monatsverlauf ein Minus von 4,34 Prozent. Als Auslöser gelten enttäuschende Quartalsergebnisse des US-Chipherstellers Broadcom sowie Kapitalbeschaffungspläne von Meta, die den boomenden Technologiesektor unter Druck setzten.
Konzentrationsrisiko bei KI- und Halbleiteraktien
„Der jüngste Rücksetzer verdeutlicht das Konzentrationsrisiko bei Technologie- und KI-bezogenen Aktien", sagte Linh Tran, Marktanalystin bei XS.com. „Diese Bewegungen zeigen, dass KI- und Halbleiteraktien weiterhin eine tragende Säule der Marktführerschaft sind, aber auch die größte Risikoquelle darstellen, falls die Wachstumserwartungen neu bewertet werden."
Besonders hart trifft es Südkorea und Taiwan, die als regionale Exporteure von KI-Hardware und Chips gelten. Ausländische Investoren verkauften südkoreanische Aktien in diesem Monat netto im Wert von 12,63 Milliarden Dollar und taiwanesische Papiere im Wert von 8 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Im Mai hatten Ausländer südkoreanische Aktien für 27,88 Milliarden Dollar verkauft, taiwanesische Titel hingegen für 8 Milliarden Dollar netto gekauft.
Auch Indien bleibt nicht verschont. Ausländische Investoren zogen in diesem Monat netto 5,91 Milliarden Dollar aus indischen Aktien ab, nach Verkäufen von 3,45 Milliarden Dollar im Mai. Zusätzlichen Gegenwind lieferte die Reserve Bank of India, die zwar ihren Leitzins unverändert beließ, jedoch ihre Wachstumsprognose für das laufende Geschäftsjahr von 6,9 auf 6,6 Prozent senkte. Gleichzeitig hob die Zentralbank ihre Kerninflationsprognose von 4,4 auf 4,7 Prozent an.
Gemischtes Bild in Südostasien
In anderen Teilen der Region zeigt sich ein differenzierteres Bild. Ausländer verkauften indonesische Aktien für 571 Millionen Dollar und philippinische Titel für 29 Millionen Dollar. Demgegenüber flossen in Thailand netto 55 Millionen Dollar und in Vietnam 5 Millionen Dollar in den Aktienmarkt.
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Zur AktienanalyseTrotz der aktuellen Turbulenzen gibt es auch optimistische Stimmen. Mark Haefele, Chief Investment Officer bei UBS Global Wealth Management, zeigte sich zuversichtlich: „Trotz erneuter Sorgen über die Zinssätze, Aktienemissionen und die Geopolitik erwarten wir, dass sich die Rallye fortsetzen wird." Haefele ergänzte: „Obwohl Tech-Aktien in den letzten Tagen aufgrund von Bedenken hinsichtlich der Erfüllung von Erwartungen unter Druck geraten sind, bleiben die fundamentalen Geschäftsdaten stark."
Für deutsche Anleger mit Engagement in asiatischen Schwellenländern oder Technologiefonds mit hohem Asien-Anteil verdeutlicht die aktuelle Entwicklung das Klumpenrisiko, das durch die starke Konzentration auf KI- und Halbleiterwerte entstanden ist. Die Kombination aus geopolitischen Unsicherheiten, geldpolitischen Anpassungen und enttäuschenden Unternehmensberichten sorgt derzeit für erhöhte Volatilität in der gesamten Region.


