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Ärzte in England streiken sechs Tage über Ostern nach Verhandlungsscheitern

Nach dem Ablauf eines 48-Stunden-Ultimatums ohne Einigung beginnen englische Ärzte einen sechstägigen Streik über die Osterfeiertage.

Ärzte in England streiken sechs Tage über Ostern nach Verhandlungsscheitern

Englands sogenannte „Resident Doctors" – früher als „Junior Doctors" bekannt – haben einen sechstägigen Streik begonnen, der bis zum Morgen des 13. April andauern soll. Auslöser ist das Scheitern der Verhandlungen zwischen der Ärztegewerkschaft British Medical Association (BMA) und der britischen Regierung über Gehalt und Personalfragen. Ein 48-Stunden-Ultimatum von Premierminister Keir Starmer verstrich ohne Ergebnis.

Die BMA vertritt rund 55.000 Resident Doctors, die fast die Hälfte des medizinischen Personals in England ausmachen. Seit Anfang 2023 hat die Gewerkschaft mehr als ein Dutzend Runden von Arbeitskampfmaßnahmen wegen der Bezahlung durchgeführt – der aktuelle Streik über die Osterfeiertage stellt damit eine weitere Eskalation in einem bereits lang andauernden Konflikt dar.

Streitpunkt: Gehalt, Personal und Vertrauen

Die Regierung hatte ein Angebot unterbreitet, das laut Premierminister Starmer eine Gehaltserhöhung von 3,5 Prozent in diesem Jahr vorsah – eine Steigerung über der aktuellen Inflationsrate. Über drei Jahre hätten sich die Gehaltssteigerungen auf rund 35 Prozent summiert. Zusätzlich war die Erstattung obligatorischer Prüfungsgebühren vorgesehen, die Ärzte Tausende Pfund kosten können.

Die BMA lehnte das Angebot dennoch ab. Die Gewerkschaft erklärt, es reiche nicht aus, um langjährige Bedenken auszuräumen – darunter historische Gehaltserhöhungen, die über Jahre unterhalb der Inflationsrate lagen. Jack Fletcher, Vorsitzender des BMA-Ausschusses für Resident Doctors, nannte konkrete Kritikpunkte: Das Investitionsvolumen der Vereinbarung sei reduziert worden, die vorgeschlagenen Reformen würden über mehrere Jahre gestreckt, und es bestünden Unsicherheiten hinsichtlich der Umsetzung neuer Ausbildungsstellen.

Regierung zieht Zusage für Ausbildungsstellen zurück

Als Reaktion auf die Ablehnung zog die Regierung ihre Zusage zurück, 1.000 zusätzliche Facharzt-Ausbildungsstellen zu finanzieren. Diese Stellen seien nach Regierungsangaben an die Annahme der Vereinbarung geknüpft gewesen. Starmer kommentierte die Entscheidung der BMA scharf: „Sich von dieser Vereinbarung abzuwenden, ist die falsche Entscheidung. Es ist eine leichtfertige Entscheidung."

Fletcher betonte seinerseits, dass das Vertrauen in die Regierung durch die Drohung, Teile der Vereinbarung zurückzuziehen, erheblich gelitten habe. Die Ärzte wünschten sich eine Einigung, die glaubwürdig, durchsetzbar und nachhaltig für das Gesundheitssystem sei.

Gesundheitsminister Wes Streeting übte ebenfalls scharfe Kritik an der Gewerkschaft. Er erklärte, die BMA habe eine Vereinbarung abgelehnt, die sie selbst mit ausgehandelt habe, ohne eine Alternative vorzulegen. Streeting bezeichnete den geplanten Streik als „unnötig und schädlich" und machte deutlich, dass das Angebot „nicht besser als das hier" werde.

Der Streik trifft den britischen National Health Service (NHS) zu einem besonders ungünstigen Zeitpunkt: Die Osterfeiertage bedeuten ohnehin eine erhöhte Belastung für das Gesundheitssystem, da reguläre Arztpraxen geschlossen sind und mehr Patienten auf Notaufnahmen angewiesen sind. Für deutsche Beobachter verdeutlicht der Konflikt, wie tiefgreifend die Nachwirkungen jahrelanger Reallohnverluste im öffentlichen Gesundheitswesen sein können – ein Thema, das auch in Deutschland im Kontext von Tarifverhandlungen im Gesundheitssektor zunehmend diskutiert wird.

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