Arbeitslosigkeit steigt auf höchsten Stand seit 2010
Wirtschaft schrumpft, Investitionen stocken, Hoffnung ruht auf neuer Regierung

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland wird nach Einschätzung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) im Sommer die Marke von drei Millionen überschreiten. Einen derart hohen Stand hatte es zuletzt im Jahr 2010 gegeben. Die Kölner Wirtschaftsforscher veröffentlichten ihre aktuelle Konjunkturprognose, in der sie darauf hinweisen, dass die deutsche Wirtschaft unter erheblichem Druck steht. Demnach wird für das laufende Jahr ein Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 0,2 Prozent erwartet. Noch im Dezember hatte das IW ein leichtes Wachstum von 0,1 Prozent prognostiziert. Sollte sich die neue Einschätzung bestätigen, wäre es das dritte Jahr in Folge mit einer negativen Wirtschaftsleistung – eine bisher einmalige Phase in der Geschichte der Bundesrepublik.
Im internationalen Vergleich steht Deutschland damit isoliert da. Während in der Euro-Zone trotz der Probleme in der größten Volkswirtschaft ein Wachstum von 0,8 Prozent erwartet wird, prognostiziert das IW für die USA ein Plus von 1,3 Prozent. China soll sogar ein Wachstum von vier Prozent erzielen. Die deutsche Wirtschaft hingegen leidet laut IW besonders unter dem von US-Präsident Donald Trump initiierten Handelsstreit, der mit Strafzöllen einhergeht. Zusätzlich sorgen weltweite Unsicherheiten und ein niedriges Investitionsniveau für eine angespannte Lage. Im Inland bleibt die Zurückhaltung ebenfalls spürbar. Hohe Standortkosten und ein zurückhaltendes Konsumverhalten bei größeren Anschaffungen belasten das Wirtschaftsgeschehen.
IW-Konjunkturchef Michael Grömling sieht in der neuen Bundesregierung einen entscheidenden Faktor für eine mögliche Wende. Mit dem geplanten Infrastruktursondervermögen könne die Konjunktur belebt werden, sofern die Mittel zügig und unbürokratisch abgerufen würden. Zudem sei es wichtig, die Unternehmen von übermäßiger Bürokratie und hohen Steuern zu entlasten. Die Koalition habe entsprechende Maßnahmen angekündigt, deren schnelle Umsetzung laut IW dringend geboten sei.
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Zur AktienanalyseEin weiteres Risiko für die Weltwirtschaft stellt die US-Zollpolitik dar. Nach Berechnungen des IW würde die globale Wirtschaftskraft ohne diese Politik im Jahr 2025 um bis zu 0,8 Prozent höher liegen. Die aktuelle Unsicherheit hält viele Unternehmen von Investitionen ab, insbesondere bei teuren Anschaffungen wie Maschinen oder Fahrzeugen. Diese Entwicklung verstärkt die Abwärtstendenz auch in Deutschland.


