Arbeitslosenzahl fällt erstmals seit Dezember unter drei Millionen
Im Mai sank die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland auf 2,95 Millionen – doch von echter Erholung will BA-Chefin Nahles nicht sprechen.

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) meldet einen Rückgang der Arbeitslosigkeit im Mai 2026. Erstmals seit Dezember liegt die Zahl der Arbeitslosen wieder unter der symbolisch wichtigen Drei-Millionen-Marke. Bundesweit waren rund 2,95 Millionen Menschen ohne Beschäftigung – das sind 58.000 weniger als im April.
Im Jahresvergleich fällt die Bilanz jedoch weniger erfreulich aus. Gegenüber dem Mai des Vorjahres stieg die Zahl der Erwerbslosen um 31.000. Die Arbeitslosenquote sank im Mai auf 6,3 Prozent – ein Rückgang um 0,1 Prozentpunkte gegenüber April, liegt aber ebenfalls 0,1 Punkte über dem Vorjahreswert. Die Daten der BA basieren auf Meldungen, die bis einschließlich 12. Mai eingegangen sind.
Nahles dämpft Erwartungen
BA-Chefin Andrea Nahles warnt vor einer zu optimistischen Interpretation der Zahlen. „Trotz eines Rückgangs der Arbeitslosigkeit ist die Frühjahrsbelebung in diesem Jahr nicht wirklich in Fahrt gekommen", sagte sie. Der Rückgang sei möglicherweise weniger auf einen starken Mai als vielmehr auf einen schwachen April zurückzuführen – ein wichtiger Unterschied für die Bewertung der tatsächlichen Arbeitsmarktdynamik.
Auch bei der Unterbeschäftigung verzeichnet die BA einen Rückgang. Im Mai belief sie sich – ohne Erwerbstätige in Kurzarbeit – auf rund 3,69 Millionen Menschen. Gegenüber dem Vormonat sank dieser Wert um 50.000, saisonbereinigt um 8.000. Die Unterbeschäftigung umfasst neben registrierten Arbeitslosen auch Teilnehmende an Fördermaßnahmen sowie kurzfristig Erkrankte.
Offene Stellen und Ausbildungsmarkt im Blick
Auf dem Stellenmarkt zeigt sich ein leicht positives Bild. Im Mai waren bundesweit rund 643.000 unbesetzte Arbeitsplätze bei der BA gemeldet – etwa 2.000 mehr als im Vormonat und sogar rund 8.000 mehr als im Mai des Vorjahres. Für Privatanleger, die konjunktursensible Branchen beobachten, ist dies ein relevanter Frühindikator für die Nachfrageentwicklung auf dem Arbeitsmarkt.
Beim Ausbildungsmarkt klafft weiterhin eine deutliche Lücke. Rund 382.000 Ausbildungsplätze blieben im Mai unbesetzt, während etwa 199.000 junge Menschen noch keinen Ausbildungsplatz gefunden hatten. Als Hauptgrund nennt die BA regionale Ungleichgewichte: Geeignete Bewerberinnen und Bewerber fehlen dort, wo Stellen angeboten werden.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseArbeitslosengeld und Grundsicherung
Die Zahl der Arbeitslosengeld-Empfänger ist im Jahresvergleich gestiegen. Im Mai bezogen rund 1,073 Millionen Menschen diese Leistung – 113.000 mehr als vor einem Jahr. Dies spiegelt die anhaltend schwierige Lage für Arbeitnehmer wider, die ihren Job verloren haben und noch keine neue Stelle gefunden haben.
Einen gegenläufigen Trend zeigt die Grundsicherung. Die Zahl der erwerbsfähigen Grundsicherungsberechtigten sank hochgerechnet auf 3,83 Millionen Menschen – ein Rückgang um 103.000 gegenüber Mai des Vorjahres. Die Grundsicherung wird auch an Personen gezahlt, die trotz Beschäftigung kein ausreichendes Einkommen zur Deckung des Existenzminimums erzielen.


