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Apple klagt gegen britische Hintertür zu verschlüsselten Nutzerdaten

Apple fechtet erneut eine britische Anordnung an, die Zugriff auf verschlüsselte iCloud-Backups britischer Nutzer ermöglichen soll.

Apple klagt gegen britische Hintertür zu verschlüsselten Nutzerdaten

Apple hat im vergangenen Monat eine formelle Rechtsbeschwerde beim britischen Investigatory Powers Tribunal (IPT) eingereicht. Der iPhone-Hersteller wendet sich damit gegen eine sogenannte „Technical Capability Notice" (TCN) der britischen Regierung, die Apple verpflichten soll, den Behörden Zugriff auf verschlüsselte Cloud-Backups britischer Nutzer zu gewähren. Dies geht aus einer gerichtlichen Anordnung hervor, über die die Financial Times berichtete.

Der Schritt markiert eine neue Eskalation in einem seit Monaten schwelenden Konflikt zwischen Apple und dem britischen Innenministerium (Home Office). TCNs werden auf Grundlage des britischen Investigatory Powers Act erlassen. Sie können Unternehmen dazu zwingen, den britischen Sicherheitsdiensten Zugriff auf Kundendaten zu gewähren – selbst wenn diese durch starke Verschlüsselung geschützt sind.

Hintergrund: Streit um Verschlüsselung und Datenschutz

Großbritannien hatte im vergangenen Jahr zunächst eine weitreichendere Anordnung zurückgezogen, die den Zugriff auf Daten sowohl britischer als auch US-amerikanischer Kunden ermöglicht hätte. Dieser Rückzug beendete einen diplomatischen Streit zwischen London und Washington. Doch in der Folge stellten die britischen Behörden Apple eine neue TCN aus – diesmal beschränkt auf britische Nutzer, wie die FT im Oktober berichtete.

Apple hatte daraufhin bereits im Januar 2025 britischen Kunden den Zugang zu seinem „Advanced Data Protection"-System (ADP) für iCloud entzogen. ADP bietet eine optionale zusätzliche Sicherheitsebene, bei der Kundendaten mittels Ende-zu-Ende-Verschlüsselung gespeichert werden – so sicher, dass selbst Apple keinen Zugriff darauf hat. „Wir haben niemals eine Hintertür oder einen Generalschlüssel für eines unserer Produkte eingebaut und werden dies auch niemals tun", erklärte Apple zu diesem Zeitpunkt.

Der Schritt des Innenministeriums hatte den größten Konflikt um Verschlüsselung seit fast einem Jahrzehnt ausgelöst. US-Präsident Donald Trump verglich die britische Anordnung mit „etwas, das man über China hört" – eine scharfe Kritik, die den transatlantischen Druck auf London deutlich machte.

Privacy International begrüßt Apples Klage

Das Gericht übermittelte eine Mitteilung über Apples neue Beschwerde an die Menschenrechtsorganisation Privacy International. Diese hatte zuvor gemeinsam mit der Kampagnengruppe Liberty eine separate Beschwerde gegen TCNs beim IPT eingereicht. Eine Anhörung zum Fallmanagement, bei der erörtert werden soll, wie die parallelen Beschwerdeverfahren behandelt werden, ist für den nächsten Monat angesetzt.

„Wir freuen uns zu erfahren, dass Apple das britische System der geheimen Anordnungen erneut anficht", erklärte Privacy International. Die Organisation betonte, dass die beiden rechtlichen Anfechtungen zusammen „von entscheidender Bedeutung für die Wahrung unser aller Privatsphäre und Sicherheit" seien.

Apple bestätigte den Antrag beim IPT, lehnte jedoch weitere Kommentare ab. Das Unternehmen hat stets argumentiert, dass jede Hintertür seine Systeme für alle Kunden weniger sicher machen würde – unabhängig davon, für wen sie ursprünglich gedacht sei.

Britische Regierung verteidigt Investigatory Powers Act

Die britische Regierung lehnte einen Kommentar zum konkreten Fall ab. Ein Regierungssprecher erklärte, man werde die Existenz einzelner Mitteilungen weder bestätigen noch dementieren – was durch den Investigatory Powers Act vorgeschrieben ist, der es Empfängern einer TCN verbietet, deren Existenz zu bestätigen oder deren Inhalt zu diskutieren.

Die Regierung betonte jedoch grundsätzlich: „Großbritannien unterstützt eine starke Verschlüsselung und einen robusten Schutz der Privatsphäre, aber es ist auch von entscheidender Bedeutung, dass die Strafverfolgungsbehörden auf die Kommunikation zugreifen können, wenn dies notwendig und verhältnismäßig ist, um die Öffentlichkeit vor Terrorismus, schwerer Kriminalität und sexuellem Missbrauch von Kindern zu schützen." Der Investigatory Powers Act verfüge über „starke Schutzmechanismen und eine unabhängige gerichtliche Aufsicht", so die Regierung weiter.

Der Fall wirft grundlegende Fragen auf, die weit über Großbritannien hinausgehen: Wie weit darf der Staat in die verschlüsselte Kommunikation seiner Bürger eingreifen? Und welche Folgen hätte eine gesetzlich erzwungene Hintertür für die globale Datensicherheit? Das IPT-Verfahren dürfte in den kommenden Monaten richtungsweisende Antworten liefern.

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