Antofagasta bricht mit Tradition: Kupfererzverkäufe nach Spot-Indizes
Der chilenische Bergbauriese einigt sich mit chinesischen Schmelzhütten auf ein neues, indexbasiertes Preismodell mit garantierter Untergrenze.

Der chilenische Bergbaukonzern Antofagasta hat sich mit einigen chinesischen Schmelzhütten auf ein neues Preismodell für Kupferkonzentrat-Lieferverträge geeinigt. Statt der jahrzehntelang üblichen festen Schmelz- und Raffinationsgebühren (TC/RCs) sollen die Preise künftig an Spotmarkt-Indizes gekoppelt werden – allerdings mit einer garantierten Untergrenze. Dies berichtete der Branchendienst SMM am Mittwoch.
Die Einigung markiert einen bedeutenden Bruch mit einer jahrzehntealten Branchenpraxis. Bislang verkauften Bergbauunternehmen langfristige Lieferungen zu festen TC/RCs, die als globaler Benchmark für die gesamte Kupferindustrie dienten. Antofagasta selbst erklärte lediglich, dass die Verhandlungen vertraulich seien und man diese nicht mit Dritten bespreche.
Negativer Spotmarkt setzt Schmelzhütten unter Druck
Um den Hintergrund zu verstehen: TC/RCs sind Gebühren, die Bergbauunternehmen an Schmelzhütten zahlen, damit diese das Kupferkonzentrat zu raffiniertem Metall verarbeiten. Aufgrund eines anhaltenden Erzmangels sind diese Gebühren am Spotmarkt in den vergangenen Monaten jedoch tief in den negativen Bereich gefallen. Das bedeutet konkret: Die Schmelzhütten mussten zuletzt selbst für die Verarbeitung des Materials bezahlen – eine wirtschaftlich unhaltbare Situation.
Die Spot-TCs lagen laut dem Datenanbieter Argus Ende vergangener Woche bei etwa minus 126,80 US-Dollar pro Tonne. Dieser extreme Druck auf die Margen hat dazu geführt, dass der jährliche Benchmark-Wert für 2026 bereits auf null festgesetzt wurde. Einige Bergbauunternehmen haben das Benchmark-System inzwischen gänzlich aufgegeben.
Chinesische Schmelzhütten hatten sich dem Vorschlag von Antofagasta, bei den Verhandlungen zur Jahresmitte auf eine Spot-indexierte Preisgestaltung umzustellen, zunächst widersetzt. Ihr zentrales Argument: Eine solche Umstellung würde die Preissicherheit erheblich verringern und die Planbarkeit für die Hüttenbetreiber erschweren.
Innovativer Kompromiss als Ausweg
Nachdem Antofagasta jedoch auf der Änderung beharrte, erzielten beide Seiten laut SMM einen „innovativen Kompromiss". Die TC/RCs werden demnach an einen Index gekoppelt, gleichzeitig aber an eine garantierte Untergrenze gebunden. Diese Konstruktion schützt die Schmelzhütten vor einem weiteren Abrutschen der Gebühren ins Extreme: Antofagasta kann Konzentrat-Lieferverträge nicht zu TC/RCs unterhalb eines bestimmten Niveaus abschließen.
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Zur AktienanalyseAuf welchem konkreten Niveau diese Untergrenze festgesetzt wurde, machte der SMM-Bericht allerdings keine Angaben. Für die Kupferbranche weltweit ist die Einigung dennoch richtungsweisend: Sie könnte als Modell für künftige Verhandlungen zwischen Bergbauunternehmen und Schmelzhütten dienen und das seit Jahrzehnten etablierte Benchmark-System grundlegend verändern.
Für deutsche und europäische Kupferverarbeiter sowie Investoren ist die Entwicklung relevant, da Kupfer als Schlüsselrohstoff für Elektromobilität, erneuerbare Energien und Infrastruktur gilt. Veränderungen in der globalen Preisstruktur für Kupferkonzentrat können sich mittel- bis langfristig auf die gesamte Wertschöpfungskette auswirken.


