Anthropic holt Notenbank-Legende Ben Bernanke in KI-Aufsichtsgremium
Der Nobelpreisträger und frühere Fed-Chef soll Anthropics Long-Term Benefit Trust bei wirtschaftlichen KI-Risiken beraten.

Anthropic hat den renommierten Ökonomen und ehemaligen US-Notenbankchef Ben Bernanke in seinen Long-Term Benefit Trust berufen. Das gab das KI-Unternehmen am Donnerstag bekannt. Das unabhängige Gremium hat die Aufgabe, Anthropic auf seine Mission einer verantwortungsvollen Entwicklung fortschrittlicher künstlicher Intelligenz zu verpflichten.
Bernanke ist derzeit Distinguished Fellow an der Brookings Institution, einem der einflussreichsten Thinktanks der USA. Er war von 2006 bis 2014 Vorsitzender der Federal Reserve und leitete die US-Zentralbank durch eine der schwersten wirtschaftlichen Krisen der modernen Geschichte – die globale Finanzkrise von 2008 und die anschließende Erholungsphase. Für seine akademische Forschung zur Großen Depression und zur Rolle des Bankenwesens in Finanzkrisen erhielt er 2022 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften.
Vor seiner Zeit als Fed-Chef war Bernanke über 20 Jahre lang als akademischer Ökonom tätig, vor allem an der Princeton University, wo er die wirtschaftswissenschaftliche Fakultät leitete. Seine Expertise in der Analyse systemischer Risiken und wirtschaftlicher Schocks macht ihn zu einer ungewöhnlichen, aber strategisch bedeutsamen Wahl für ein KI-Unternehmen.
Bernankes Einschätzung zur KI-Governance
Bernanke selbst betonte die Tragweite der Entscheidung: „Das Potenzial der künstlichen Intelligenz ist enorm, ebenso wie die Bandbreite der Ergebnisse. Wie sich dieses Potenzial entfaltet, wird zum Teil von den Institutionen abhängen, die wir um sie herum aufbauen." Er lobte Anthropics Governance-Struktur: „Anthropic hat eine einzigartige Governance-Struktur geschaffen, um sicherzustellen, dass der langfristige Nutzen der KI für die Menschheit die Risiken bei Weitem überwiegt."
Daniela Amodei, Mitbegründerin und Präsidentin von Anthropic, erklärte, Bernankes Karriere umfasse sowohl die Untersuchung wirtschaftlicher Reaktionen auf disruptive Momente als auch die praktische Steuerung der größten Volkswirtschaft der Welt durch solche Phasen. Sie betonte, dass sein Urteilsvermögen dem Unternehmen helfen werde, vorauszusehen und darauf zu reagieren, wie fortschrittliche KI Arbeitskräfte und Volkswirtschaften weltweit beeinflusst.
Wie der Long-Term Benefit Trust funktioniert
Anthropic ist als Public Benefit Corporation organisiert und versucht damit, kommerziellen Erfolg mit gesellschaftlichem und öffentlichem Wohl in Einklang zu bringen. Der Long-Term Benefit Trust überwacht, wie Anthropic KI entwickelt und einsetzt. Die Struktur des Gremiums ist dabei bewusst unabhängig gestaltet:
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Zur Aktienanalyse- Treuhänder halten keine Anteile an Anthropic
- Sie erhalten keine Gewinne aus dem Unternehmen
- Sie werden lediglich für ihren Zeitaufwand und ihre Dienste entschädigt
- Bestehende Treuhänder wählen neue Mitglieder in Abstimmung mit dem Unternehmen aus
Der Trust ist zudem befugt, Vorstandsmitglieder von Anthropic zu ernennen, und berät die Führungsebene bei Entscheidungen, die KI-Risiken und gesellschaftliche Auswirkungen betreffen. Bernanke schließt sich damit den bestehenden Treuhändern Neil Buddy Shah, Richard Fontaine und Mariano-Florentino Cuéllar an.
Die Berufung Bernankes unterstreicht Anthropics Strategie, externe Expertise aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft in die Aufsicht über seine KI-Systeme einzubinden. Angesichts der wachsenden Debatte über die wirtschaftlichen Folgen von KI – von Automatisierung bis hin zu strukturellen Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt – dürfte Bernankes Erfahrung mit systemischen Krisen für das Unternehmen besonders wertvoll sein.


