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Anthropic gegen OpenAI: Das erbitterte Rennen um den KI-Börsengang

Zwei KI-Giganten kämpfen gleichzeitig um die Gunst der Wall Street – und treiben sich dabei gegenseitig zu Höchstleistungen an.

Anthropic gegen OpenAI: Das erbitterte Rennen um den KI-Börsengang

Die Rivalität zwischen Anthropic und OpenAI ist keine gewöhnliche Unternehmenskonkurrenz. Sie hat nach Einschätzung von Insidern den Boom der generativen KI maßgeblich beschleunigt – und bestimmt nun auch das Tempo auf dem Weg an die Börse.

Ende 2022 erfuhr OpenAI, dass Anthropic an einem KI-gestützten Chatbot arbeitete. OpenAI-CEO Sam Altman reagierte sofort: Er wies seine Mitarbeiter an, die Entwicklung eines Konkurrenzprodukts zu beschleunigen, wie vier mit der Angelegenheit vertraute Personen gegenüber Reuters berichteten. Nur zwei Wochen später veröffentlichte OpenAI ChatGPT – und löste damit eine technologische Revolution aus, die verspricht, die Weltwirtschaft und die menschliche Interaktion grundlegend zu verändern.

Dieselbe Dringlichkeit prägt nun die milliardenschweren Börsengangspläne beider Unternehmen. Für die Konkurrenten geht es dabei um mehr als nur frisches Kapital: Ein erfolgreicher IPO soll vorgeben, wie Investoren die Unternehmen bewerten – und den jeweiligen CEO als führende Stimme der KI-Branche etablieren.

Das Rennen um die Erstnotiz

Noch im Mai 2025 gingen viele Berater davon aus, dass OpenAI den ersten Schritt an die Börse wagen würde. OpenAI hatte einigen Investoren mitgeteilt, einen Börsengang bereits im September anzustreben, so zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen. Doch Anthropic kam dem zuvor: Am 1. Juni gab das Unternehmen bekannt, einen vertraulichen Antrag bei den US-Regulierungsbehörden eingereicht zu haben. OpenAI folgte eine Woche später, am darauffolgenden Montag.

Hinter dem Duell steckt auch eine persönliche Geschichte. Anthropic-CEO Dario Amodei war einst Forscher bei OpenAI und maßgeblich an der Kerntechnologie beteiligt, die ChatGPT erst ermöglichte. Der Konflikt zwischen Amodei und Altman ist damit nicht nur ein Wettbewerb zweier Unternehmen, sondern auch ein Aufeinandertreffen zweier ehemaliger Weggefährten mit unterschiedlichen Visionen für die Zukunft der KI.

Banken im Spannungsfeld zweier Giganten

Der gleichzeitige Börsengang zweier so großer und direkter Konkurrenten ist ein seltenes Ereignis an der Wall Street. Da beide Transaktionen so umfangreich sein werden, sind sie zwangsläufig auf dieselbe Gruppe von Banken angewiesen. Das schafft komplexe Interessenkonflikte: Banker und Berater bewegen sich laut drei mit der Angelegenheit vertrauten Personen in immer schwierigeren Beziehungsgeflechten.

Führungskräfte beider Unternehmen haben ihre IPO-Berater demnach gedrängt, Einblicke in die Pläne des jeweils anderen zu liefern. Einige Banken reagierten darauf, indem sie interne Barrieren zwischen den Deal-Teams errichteten, um Informationslecks zu verhindern. Reuters hatte zuvor berichtet, dass OpenAI einen Börsengang mit einer Bewertung von rund einer Billion US-Dollar anstrebt.

Der Wettbewerb zwischen den beiden KI-Schwergewichten erinnert an andere berühmte Rivalitäten der Technologiegeschichte. Ähnlich wie Elon Musk und Jeff Bezos sich im Rahmen ihres Wettlaufs ins All öffentlich attackierten, oder wie Bill Gates und Steve Jobs einst aufeinandertrafen, scheint auch der Kampf zwischen Altman und Amodei weit über das rein Geschäftliche hinauszugehen. Für Anleger weltweit – und insbesondere in Deutschland – dürfte die Frage, welches Unternehmen die Deutungshoheit über die KI-Ära gewinnt, von erheblicher Bedeutung sein.

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