Anleihenmarkt im Kaufrausch: Spreads auf Rekordtiefs trotz KI-Boom
Investoren ignorieren Risiken und treiben Unternehmens- und Kommunalanleihen auf historische Bewertungsniveaus.

Der amerikanische Anleihenmarkt erlebt einen beispiellosen Kaufrausch. Trotz eines neuen KI-Investitionsbooms und anhaltender Sorgen über mögliche Zahlungsausfälle greifen Anleger massiv bei Unternehmens- und Kommunalanleihen zu. Die Risikoaufschläge sind auf historische Tiefstände gefallen.
Die Spreads für erstklassig bewertete Unternehmensanleihen gegenüber US-Staatsanleihen erreichten Ende Januar ein 27-Jahres-Tief. Bei spekulativ bewerteten Hochzinsanleihen fiel der Risikoaufschlag sogar auf den niedrigsten Stand seit 18 Jahren. Auch im 4 Billionen Dollar schweren Markt für Kommunalanleihen liegt die Differenz zwischen Triple-A- und Triple-B-Ratings nahe einem Zweijahrestief.
Diese engen Spreads zeigen: Anleiheinvestoren lassen sich von den Turbulenzen an anderen Märkten nicht beeindrucken. Während der Dollar fällt, Edelmetalle stark schwanken und Aktienmärkte nervös auf überhöhte Bewertungen reagieren, bleiben Rentenmärkte bemerkenswert stabil.
Massive KI-Finanzierungen treiben Nachfrage
Besonders Tech-Giganten nutzen die günstigen Konditionen. Oracle und Alphabet emittierten allein in diesem Monat Anleihen im Wert von 45 Milliarden Dollar, um ihre KI-Infrastruktur auszubauen. Investoren griffen bereitwillig zu – trotz der enormen Volumina und politischer Unsicherheiten.
"Die Renditen in den USA sind im Vergleich zu den meisten entwickelten Anleihemärkten der Welt immer noch sehr hoch", erklärt Michael Collins, Executive Portfolio Adviser bei PGIM Fixed Income. Dies macht US-Anleihen für internationale Investoren besonders attraktiv.
Zinssenkungserwartungen befeuern Rally
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Zur AktienanalyseEin weiterer Treiber der Nachfrage: Die Erwartung sinkender Zinsen. Anleger rechnen damit, dass die Federal Reserve die kurzfristigen Zinssätze weiter senken könnte. Dies würde bestehende Anleihen mit höheren Kupons noch attraktiver machen und zu weiteren Kursgewinnen führen.
Für deutsche Anleger bedeutet dies: Der US-Anleihenmarkt bietet derzeit deutlich höhere Renditen als europäische Alternativen. Allerdings sollte das Währungsrisiko des Dollars nicht unterschätzt werden. Die historisch niedrigen Spreads signalisieren zudem, dass Investoren Risiken möglicherweise zu gering bewerten.


