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Anleihen verstehen: Funktionsweise, Risiken und Rolle im Portfolio

Rentenfondsmanager Damien Hill erklärt, wie Anleihen funktionieren und warum das aktuelle Renditeniveau Anlegern besonderen Schutz bietet.

Anleihen verstehen: Funktionsweise, Risiken und Rolle im Portfolio

Anleihen fristen im Bewusstsein vieler Privatanleger ein Schattendasein – dabei sind sie eine der ältesten und wichtigsten Anlageklassen überhaupt. Im Podcast „On The Money" von Interactive Investor widmen sich Moderator Kyle Caldwell und Rentenfondsmanager Damien Hill, Manager des BNY Mellon Responsible Horizons UK Corporate Bond Fund, nun ausführlich diesem Thema – auf ausdrücklichen Wunsch eines Hörers.

Das Grundprinzip einer Anleihe ist schnell erklärt: Anleger leihen einer Regierung oder einem Unternehmen Geld. Im Gegenzug erhalten sie über die gesamte Laufzeit einen festen Ertrag, den sogenannten Kupon, der in der Regel zweimal jährlich ausgezahlt wird. Am Ende der Laufzeit – bei Fälligkeit – wird der ursprünglich investierte Betrag, der Nennwert, zurückgezahlt. Wichtig: Anleger müssen eine Anleihe weder zum Zeitpunkt der Emission kaufen noch bis zur Fälligkeit halten. Der Kauf und Verkauf ist jederzeit über den Sekundärmarkt möglich.

Preis und Rendite: Das inverse Verhältnis

Ein zentrales Konzept beim Verständnis von Anleihen ist die Beziehung zwischen Preis und Rendite. Damien Hill erklärt es so: Da der Ertragsstrom einer Anleihe fest ist, schwankt ihr Preis je nachdem, wie viel Rendite Anleger zu einem bestimmten Zeitpunkt verlangen. Steigt die geforderte Rendite, sinkt der heutige Wert der künftigen Cashflows – und damit der Preis der Anleihe. Dieses inverse Verhältnis ist fundamental für das Verständnis der Anleihemärkte.

Mathematisch betrachtet ist eine Anleihe eine Sammlung von Cashflows. Über eine sogenannte Discounted-Cashflow-Analyse werden die künftigen Kupons und die Rückzahlung auf den heutigen Wert abgezinst. Der dabei verwendete Zinssatz ist die Rendite – und dieser verschiebt sich im Zeitverlauf je nach Marktlage, Inflation und Kreditwürdigkeit des Emittenten.

Neben klassischen Festzinsanleihen gibt es weitere Varianten: Inflationsgebundene Anleihen passen den Kupon an die Inflationsrate an. Bei variabel verzinslichen Anleihen (Floating-Rate Bonds) richtet sich der Ertrag nach den aktuellen Zinssätzen, wobei die Kupons teils vierteljährlich neu festgesetzt werden.

Kreditratings: Von AAA bis Junk

Nicht jede Anleihe trägt das gleiche Risiko. Drei große Ratingagenturen – Standard & Poor's, Moody's und Fitch – bewerten die Kreditwürdigkeit von Anleiheemittenten. Die Skala reicht von AAA (höchste Qualität) bis D (Zahlungsausfall). Hill vergleicht das System mit Schulnoten: Je besser das Rating, desto geringer die Ausfallwahrscheinlichkeit.

Eine wichtige Trennlinie verläuft zwischen Investment-Grade und High-Yield. Als Investment-Grade gelten Anleihen mit einem Rating von BBB- (bei S&P und Fitch) bzw. Baa3 (bei Moody's) oder besser. Darunter spricht man von High-Yield oder umgangssprachlich „Junk Bonds". Hill betont, dass die Ausfallwahrscheinlichkeit im High-Yield-Bereich exponentiell ansteigt – bei den untersten Stufen kann sie im nächsten Jahr zwischen 50 und 75 Prozent liegen. Bei AAA-Anleihen hingegen bewegt sich das Ausfallrisiko im Bereich von Nachkommastellen.

Interessant: Anleihen ohne offizielles Rating (unrated) sind nicht automatisch schlechte Investments. Manche Unternehmen verzichten bewusst auf ein externes Rating. Erfahrene Fondsmanager können solche Papiere intern analysieren und bewerten.

Zinsen, Inflation und Duration als Schlüsselgrößen

Zwei Faktoren beeinflussen Anleihen besonders stark: Inflation und Zinssätze. Steigen die Zinsen, verlieren bestehende Anleihen an Wert – weil neu emittierte Papiere attraktivere Konditionen bieten. Umgekehrt profitieren Anleiheinhaber von sinkenden Zinsen. Die Duration ist dabei eine wichtige Kennzahl: Sie misst die Zinssensitivität einer Anleihe und gibt an, wie stark der Preis auf Zinsveränderungen reagiert.

Ein zentrales Argument für Anleihen im aktuellen Umfeld: Das heutige Renditeniveau bietet Anlegern laut Hill einen größeren Schutz als in den meisten der vergangenen 15 Jahre. In der Niedrigzinsphase nach der Finanzkrise 2008 waren Anleiherenditen auf historische Tiefststände gefallen – wer damals investierte, hatte kaum Puffer gegen Kursverluste. Das hat sich grundlegend geändert.

Anleihen als Portfoliobaustein

Die Diskussion im Podcast beleuchtet auch die Rolle von Anleihen in einem breit gestreuten, einkommensorientierten Portfolio. Anleihen können zur Diversifikation beitragen und Schwankungen im Aktienportfolio abfedern. Dabei werden sowohl Einzelanleihen als auch Rentenfonds als Investitionsvehikel besprochen – je nach Anlageziel und Risikobereitschaft des Investors.

Für deutsche Privatanleger sind Anleihen besonders relevant, da sie regelmäßige Erträge liefern und – bei entsprechender Bonität des Emittenten – als vergleichsweise sicherer Portfoliobaustein gelten. Gerade in Zeiten erhöhter Aktienvolatilität rückt diese Anlageklasse wieder stärker in den Fokus.

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