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Anklage nach Tod indigenen Mädchens – Unruhen in Alice Springs

Ein 47-Jähriger wurde angeklagt, nachdem der Tod eines indigenen Mädchens in Australien massive Proteste auslöste.

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Anklage nach Tod indigenen Mädchens – Unruhen in Alice Springs

Ein Mann namens Jefferson Lewis (47) ist im australischen Northern Territory wegen des Todes eines indigenen Mädchens angeklagt worden. Das Opfer trägt gemäß indigener Bräuche den Namen Kumanjayi Little Baby. Neben der Hauptanklage werden Lewis zwei weitere Straftaten zur Last gelegt, die aus rechtlichen Gründen nicht öffentlich bekannt gegeben werden dürfen.

Lewis hatte sich in einem der Camps am Rande der Outback-Stadt Alice Springs gestellt. Er wurde am Samstagabend angeklagt und soll am Dienstag vor einem Gericht in Darwin erscheinen, der Hauptstadt des Northern Territory. Der Verdächtige ist wegen Körperverletzung vorbestraft und war erst kürzlich aus dem Gefängnis entlassen worden.

„Dies ist ein entsetzliches Ereignis und eine schreckliche Verkettung von Umständen. Unsere Gedanken sind weiterhin bei der Familie", sagte Martin Dole, Polizeikommissar des Northern Territory, in einer Fernsehansprache aus Alice Springs.

Proteste und Unruhen nach der Festnahme

Die Tötung des Mädchens und die anschließende Festnahme des Verdächtigen lösten schwere Unruhen aus. Lewis war zuvor von Einheimischen aufgespürt und bewusstlos geschlagen worden, bevor er sich der Polizei stellte. Am späten Donnerstag versammelten sich rund 400 indigene Demonstranten in der Nähe von Alice Springs.

Einige Demonstranten warfen Projektile und legten Feuer. Dabei wurden mehrere Polizeibeamte und medizinisches Personal verletzt sowie Polizeifahrzeuge, Krankenwagen und Feuerwehrautos beschädigt. In Fernsehaufnahmen war zu sehen, wie Mitglieder der Menge nach „Payback" riefen – einer traditionellen, meist physischen Bestrafung in Aborigine-Gesellschaften.

Die Polizei setzte Tränengas ein, um die Menge auseinanderzutreiben. Premierminister Anthony Albanese, lokale Beamte und ein Sprecher der Familie des Opfers riefen zur Ruhe auf. Die Leiche des Mädchens war am Donnerstag von einer der Hunderten von Personen gefunden worden, die das dichte Buschland rund um Alice Springs durchsucht hatten.

Jahrzehnte alter Konflikt um indigene Rechte

Der Fall wirft erneut ein Schlaglicht auf die tiefgreifenden sozialen Probleme Australiens im Umgang mit seiner indigenen Bevölkerung. Aborigines und Torres-Strait-Insulaner bewohnen den Kontinent seit rund 50.000 Jahren, wurden jedoch durch die britische Kolonialherrschaft marginalisiert und an den Rand der Gesellschaft gedrängt.

Indigene Australier machen heute 3,8 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Sie sind überproportional von Diskriminierung, schlechteren Gesundheits- und Bildungschancen sowie hohen Inhaftierungsraten betroffen. Tausende von ihnen, darunter das Opfer und seine Familie, leben in sogenannten Camp-Gemeinschaften, in denen Wohnraum und grundlegende Dienstleistungen oft unzureichend sind.

Alice Springs selbst ist eine bekannte Touristenstadt im Herzen Australiens, die jedoch bereits in der Vergangenheit mit alkoholbedingter Gewalt zu kämpfen hatte. Ein Fünftel der Einwohner der Stadt ist indigener Abstammung. Australien ringt seit Jahrzehnten um eine echte Versöhnung mit seiner indigenen Bevölkerung – dieser Fall zeigt, wie weit der Weg noch ist.

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