Angriff auf Frachtschiff im Roten Meer trotz fragilem Waffenstillstand
Britische Seefahrtsbehörde UKMTO meldet Angriff auf Frachtschiff nahe der jemenitischen Hafenstadt al-Hudaida.

Ein Frachtschiff im Roten Meer ist am Sonntag angegriffen worden. Das United Kingdom Maritime Trade Operations Centre (UKMTO), ein britischer Sicherheitsdienst für die Seefahrt, bestätigte den Vorfall und forderte alle Schiffe in der Region auf, die Passage mit erhöhter Vorsicht zu durchfahren. Der Angriff ereignete sich 30 Seemeilen – rund 56 Kilometer – südwestlich der jemenitischen Hafenstadt al-Hudaida.
Der Zeitpunkt des Vorfalls ist brisant: Er fällt mitten in einen fragilen Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran. Die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen im Jemen hatten zwischen 2023 und 2025 als Vergeltung für Israels Krieg im Gazastreifen systematisch Handelsschiffe im Roten Meer angegriffen. Aus dem direkten Konflikt zwischen den USA und dem Iran hielten sich die Huthis dabei weitgehend heraus.
Strategische Bedeutung der Meerenge Bab al-Mandab
Das Rote Meer und die Meerenge Bab al-Mandab, die es mit dem Golf von Aden und dem Arabischen Meer verbindet, sind für den globalen Energiehandel von zentraler Bedeutung. Nachdem die USA und Israel im Februar Angriffe auf den Iran begonnen hatten, brachen die Ölexporte durch die Straße von Hormus – einem der wichtigsten Energiekorridore der Welt zwischen dem Iran und dem Oman – drastisch ein. Die Meerenge Bab al-Mandab übernahm daraufhin die Rolle eines entscheidenden Sicherheitsventils für den Ölmarkt.
Saudi-Arabien reagierte auf die Sperrung von Hormus, indem es den Ölfluss durch seine Ost-West-Pipeline massiv steigerte und Millionen Barrel pro Tag in das Rote Meer umleitete. Diese Mengen wurden anschließend über das Bab al-Mandab nach Asien transportiert – und halfen dabei, einen Teil der Lieferausfälle für wichtige Volkswirtschaften wie Japan und Südkorea auszugleichen.
Waffenstillstand und Erholung der Öllieferungen
Am 17. Juni unterzeichneten die USA und der Iran eine Absichtserklärung, um den fast viermonatigen Krieg zu beenden und die Straße von Hormus wieder zu öffnen. Gleichzeitig wurden 60-tägige Verhandlungen vereinbart, um ein dauerhaftes Friedensabkommen auszuarbeiten. Seitdem haben sich die Öllieferungen durch Hormus deutlich erholt.
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Zur AktienanalyseDaten des Marktanalyseunternehmens Kpler zeigen, dass Saudi-Arabien seit dem 17. Juni rund 34 Millionen Barrel Öl durch die Straße von Hormus verschifft hat. Die saudi-arabischen Exporte in den zwei Wochen bis zum 2. Juli beliefen sich auf mehr als das Doppelte der 15 Millionen Barrel, die das Königreich zwischen dem 9. März und dem 17. Juni durch die Meerenge transportiert hatte.
Die Erholung der Lieferungen spiegelt sich auch in den Ölpreisen wider: Der Preis für die Referenzsorte Brent ist gegenüber seinen Höchstständen im März um 39 Prozent gefallen. Der neue Angriff im Roten Meer dürfte die Nervosität an den Energiemärkten jedoch erneut anheizen – und zeigt, wie fragil die aktuelle Sicherheitslage in der Region trotz des Waffenstillstands weiterhin ist.


