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Andy Burnham kandidiert für britischen Labour-Parteivorsitz und Premierministerschaft

Nach Starmers Rücktritt gilt der „König des Nordens" als heißer Favorit – doch Kritiker zweifeln an seiner politischen Konsequenz.

Andy Burnham kandidiert für britischen Labour-Parteivorsitz und Premierministerschaft

Andy Burnham, Bürgermeister von Greater Manchester, hat offiziell seine Kandidatur für den Vorsitz der Labour Party erklärt. Damit strebt er an, Britanniens siebter Premierminister innerhalb eines Jahrzehnts zu werden – nachdem Keir Starmer am Montag seinen Rücktritt angekündigt hatte. Burnhams entscheidender Sieg bei einer Nachwahl in der vergangenen Woche hat viele Labour-Abgeordnete überzeugt, dass er der richtige Mann für die Aufgabe sein könnte.

Burnhams zentrales Argument: Nur er verfüge über das politische Charisma und die nötige Vision, um die Wähler zu erreichen und die populistische, einwanderungskritische Partei Reform UK unter Nigel Farage zu besiegen. Reform UK führt seit Anfang letzten Jahres in jeder britischen Umfrage. Der Wahlkreis, in dem Burnham zuletzt gewann, hatte Reform UK bei den Kommunalwahlen zuvor stark abschneiden lassen – was seinen Sieg umso bedeutsamer macht.

„Er hat seine Qualifikationen unter Beweis gestellt, indem er eine Labour-Vision vorgelegt hat, hinter der sich die Wähler versammeln können", sagte der Labour-Parlamentsabgeordnete Alex Sobel. Einer seiner Hauptrivalen, der ehemalige Gesundheitsminister Wes Streeting, erklärte bereits, er werde im Führungswettstreit nicht gegen Burnham antreten.

Der „König des Nordens" und seine Bilanz

Burnham übernahm 2017 das Amt des Bürgermeisters von Greater Manchester, um der – wie er es selbst nannte – London-zentrierten Politik zu entkommen. Seinen Spitznamen „König des Nordens" verdiente er sich vor allem durch seinen öffentlichkeitswirksamen Kampf gegen die damalige Zentralregierung unter Boris Johnson während der COVID-19-Pandemie im Jahr 2020.

Als Johnson ihm live im Fernsehen ein Angebot von 22 Millionen Pfund (rund 29 Millionen US-Dollar) als Entschädigungszahlung für verschärfte Pandemie-Beschränkungen unterbreitete – ein Betrag, den Burnham als lediglich ein Drittel des „absoluten Minimums" bezeichnete –, lehnte er dieses öffentlich ab. Diese Szene festigte sein Image als Politiker, der seine Region gegen eine übermächtige Zentralregierung verteidigt.

Politisch setzt Burnham auf eine stärkere Dezentralisierung der Macht weg von London sowie auf einen interventionistischeren Staat. Er beschreibt seine heutigen politischen Überzeugungen als „eher ortsbezogen als parteibezogen" und argumentiert, dass Gemeinden durch die Machtverlagerung direkte Kontrolle über Bereiche wie Versorgungsbetriebe und den Nahverkehr gewinnen könnten.

Karriere zwischen Cambridge und Westminster

Burnham wurde in Liverpool geboren, wo sein Vater als Telefontechniker und seine Mutter als Empfangsdame arbeiteten. Er erhielt einen Studienplatz für Englisch an der renommierten University of Cambridge und schlug anschließend den klassischen Weg einer politischen Karriere ein – zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter, dann als Berater im Parlament.

Unter Premierminister Tony Blair diente er als Staatssekretär, unter Gordon Brown später als Kultur- und Gesundheitsminister. Bereits 2010 und 2015 kandidierte er für den Labour-Parteivorsitz – beide Male ohne Erfolg.

Kritik an wechselnden Positionen

Burnhams Kritiker werfen ihm vor, seine politischen Positionen im Laufe der Jahre wiederholt geändert zu haben. Im vergangenen Jahr forderte er noch die Verstaatlichung von Schlüsselindustrien und den Wiedereintritt Großbritanniens in die Europäische Union. In den letzten Wochen rückte er jedoch deutlich in Richtung politische Mitte: Er erklärte, die Staatsfinanzen seien zu begrenzt für groß angelegte Verstaatlichungen, und schloss einen baldigen EU-Wiedereintritt aus.

Bereits 2022 spottete Starmer öffentlich über Burnhams wechselnde Haltungen und verglich ihn mit jemandem, der bei einer Fußball-Weltmeisterschaft seine Sympathien stets der gerade führenden Mannschaft schenkt. Burnham „konnte miterleben, wie seine Jugendmannschaft Argentinien die Weltmeisterschaft gewann", sagte Starmer damals in einer Rede – und spielte damit auf Burnhams angebliche politische Wendigkeit an.

Um dieser Wahrnehmung entgegenzuwirken, müsse Burnham laut mehreren Labour-Abgeordneten zeigen, dass er mutig führen und sich klar von Starmers Kurs abheben kann. Andernfalls, so warnte ein Abgeordneter, könnte er sich in zwei Jahren ebenfalls außerhalb der Macht wiederfinden.

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